Die Wochenblatt App
17.10.2012 Dornwang

Kleine Anzeige, große Wirkung

Wer sucht, der findet – auch einen weggeworfenen Ehering

Ehering Dornwang
Foto: cb
Wie eine Kleinanzeige im Wochenblatt den Ehestreit von Martina & Johann aus Dornwang geschlichtet hat.

Es ist eine Situation, wie sie in den besten Ehen vorkommt: Ehestreit. Martina und Johann M. aus Dornwang erleben die Hitze des Moments hautnah. Ein Wort ergibt das andere, die Situation schaukelt sich hoch und dann passiert es: Martina zieht wutentbrannt ihren Ehering vom Finger und wirft ihn auf den Tisch. Ihr Mann packt ihn und feuert ihn mit zornigem Schmackes durch die offene Balkontür hinaus. Und dann der Schreck: „Oh Gott, was habe ich getan?“ Der Streit ist schlagartig vorbei, der Ring – weg. Was tun? Gemeinsam suchen Johann und Martina dort, wo sie den Ring vermuten: auf einer Entenwiese beim Nachbarn. Denn der Ehering ist weit geflogen: zur Balkontür in der ersten Etage hinaus über ein Schuppendach hinweg auf die Wiese. Johann zerknirscht: „Ich hab nur noch gesehen, wie der Ring etwa einen halben Meter über dem Dach hinweg gesegelt ist. Er muss auf der Wiese gelandet sein.“ Alle Sucherei indes bleibt erfolglos, das goldene Schmuckstück verschwunden. Was tun? Johann (Bild o. re.) hat eine abenteuerliche Idee: Ein Metalldetektor muss her. Aber woher nehmen und nicht stehlen? Er entschließt sich, eine Kleinanzeige im Wochenblatt aufzugeben: „Dringend!!! Suche jemanden mit Metalldetektor! Bitte melden!“ So lautet der Text. Versehen mit Johanns Telefonnummer, erscheint diese Anzeige am vergangenen Mittwoch im Isar-Wochenblatt und im Landshuter Wochenblatt. Und tatsächlich: Schon tags darauf meldet sich der potenzielle Retter in höchster Not bei dem verzweifelten Ehepaar: Stephan Stewens (li.) aus Landshut. Ein Freund hat ihn angerufen und ihm von der Kleinanzeige berichtet: „Da sucht jemand genau einen wie dich.“ Denn Stephan hat ein außergewöhnliches Hobby: Metalldetektoren. Er ruft bei Johann an und noch für den gleichen Tag wird ein Termin vereinbart. In Dornwang angekommen, plaudert Stephan erst einmal ein wenig aus dem Nähkästchen eines Sondengängers: „Also am wichtigsten für eine erfolgreiche Suche ist die richtige Ausrüstung. Es ist nicht so, dass man für 50 Euro ein Gerät im Baumarkt kauft und dann gleich einen Millionenschatz findet.“ Was er so alles findet: Vor allem Geldmünzen und Schmuckstücke. Auch für die Suche nach scharfkantigem Metall-Müll auf Liegewiesen in Freibädern und an Badeseen wird Stephan gerne engagiert. „Und die hier habe ich auch mit dem Metalldetektor gefunden“, sagt der Hobby-Sucher und präsentiert stolz eine schmucke Armbanduhr. Dann macht er sich auf die Mission Ehering. Die Entenwiese: schwieriges Suchterrain. Obstbäume und Weinreben wachsen dort; im Geäst könnte sich der Ehering leicht verfangen haben. Martina ist skeptisch ob der Erfolgsaussichten. Denn auch die Enten knabbern in ihrem Revier herum; „könnte doch leicht sein, dass eine von ihnen den Ring verschluckt hat.“ Stephan marschiert jedoch unbeirrt die Wiese auf und ab mit seinem etwa 1.500 Euro teurem Suchgerät. Mit System, Streifen für Streifen. Zweimal gibt es falschen Alarm: „Irgendwas Metallisches im Boden, vielleicht ein Kronkorken oder ein Blechdeckel.“ Der Ring? Bleibt wie vom Erdboden verschluckt. Plötzlich der magische Moment. Stefan hört im Kopfhörer ein Geräusch, bückt sich und voilà – da ist das wertvolle Schmuckstück. Im Gras war es zum Liegen gekommen, selbst für ein Adlerauge unsichtbar und niemals auffindbar. Johann fällt ein Stein vom Herzen, Martina probiert den Ehering an und scherzt: „Passt noch immer.“ Kaum zwölf Minuten hat die Suchaktion mit dem Metalldetektor gedauert; das Ehepaar ist erleichtert und verblüfft zugleich. „Das hätte ich niemals gedacht, dass der Ring wieder auftaucht“, gibt Martina zu und unterstreicht noch einmal, welchen Wert das goldene Stück für sie hat: „Also mit einem Ersatzring hätt‘ mir mein Mann nicht kommen brauchen.“ Ende gut, alles gut!

Autor: Christian Blümel

Weitere Nachrichten aus dem selben Ort: