5 Jahre und 8 Monate Haft für Mengkofenerin
Oma mit 54 vertickte 80 Kilo Cannabis

Den „Stoff" hatte sie sich bei 19 Einkaufsfahrten nach Holland und Tschechien besorgt hatte. Nach einem umfassenden Geständnis schickte sie die 1. Strafkammer beim Landgericht Landshut für fünf Jahre und acht Monate hinter Gitter.
Als Buchhalterin und Pförtnerin in einer Landkreis-Einrichtung hatte sie jahrelang gearbeitet. Und so bieder wirkt die heute 57-jährige Frührentnerin auch auf der Anklagebank vor der 1. Strafkammer des Landgerichts – und nicht als zentrale Figur eines der spektakulärsten Rauschgiftprozesse der letzten Jahre. Ihr umfassendes Geständnis überlässt sie ihren Anwälten, lediglich in Verhandlungspausen lamentiert sie. Aber nicht etwa, weil sie das Gewissen plagt, vielmehr sorgt sie sich um ihre Enkel, wenn jetzt ihr Doppelleben öffentlich wird.
Und das war kriminell: Von August 2009 bis Oktober 2010 mietete die Frührentnerin in insgesamt 18 Fällen einen Leihwagen und fuhr nach Holland, wo sie bei jeder Einkaufsfahrt fünf Kilogramm Marihuana oder Haschisch bei einem unbekannten Dealer erwarb. Eine Fahrt unternahm sie im August 2010 auch nach Tschechien, wo sie weitere 200 Gramm Marihuana erstand. Für den Stoff hatte sie mehrere feste Abnehmer, insbesondere einen türkischstämmigen Landauer, der seinerseits die Kleinabnehmer in der Region belieferte.
Er war es auch, der zunächst ins Visier der Drogenfahnder der Landauer Kripo geriet und observiert wurde. Nach seiner Festnahme machte er dann seine Lieferantin namhaft, die schließlich am 3. Oktober in Straubing verhaftet wurde, als sie den für eine Einkaufsfahrt georderten Leihwagen zurück brachte. Im Gepäck hatte sie diesmal sage und schreibe 4.250 Gramm Marihuana und 250 Gramm Haschisch. Bei der anschließenden Durchsuchungsaktion wurden dann im Gartenhäuschen der Frührentnerin weitere 1.600 Gramm Haschisch sichergestellt.
Bei ihren Beschaffungsfahrten hatte die 54-Jährige durchaus „Sportsgeist” bewiesen: 1.400 Kilometer pro Fahrt, insgesamt über 25.000 Kilometer legte sie zurück. Dass sich die Cannabisdeals gelohnt hatten, wurde anhand der finanziellen Verhältnisse der 57-Jährigen offenkundig: Allein 25.500 Euro an Bargeld wurden trotz des vorausgegangenen „Großeinkaufs” bei ihr sichergestellt, auf ihrem Konto weitere 2.800 Euro beschlagnahmt. Zwischen fünf und 15 Euro hatte – je nach Qualität – ihr Preis pro Gramm gelegen.
Vor der 1. Strafkammer legte die Frührentnerin über ihre Verteidiger Patrick Schladt und Rudibert Arm ein umfassendes Geständnis ab und ersparte den Beteiligten damit – was sich letztlich auch strafmildernd auswirkte – eine aufwändige Beweisaufnahme.
Mit Cannabis, so die Verteidiger, sei ihre Mandantin erstmals bei einem Indienaufenthalt 1974 in Kontakt gekommen, dann sei sie aber bis 2008 „clean” gewesen, bis sie psychische Probleme bekommen habe.
Nach der Trennung von ihrem zweiten Ehemann und weil sie sich an ihrem Arbeitsplatz als Pförtnerin von ihrem Arbeitgeber gemobbt fühlte, sei sie aus der Bahn beworfen worden, habe deshalb „wieder zum Joint gegriffen”. Ihre Rauschgiftgeschäfte habe sie nicht aus Gewinnstreben betrieben, vielmehr seien die Cannabisprodukte für sie eine „Medizin” und ein „Ventil” gewesen, um mit ihren psychischen Problemen fertig zu werden.
Sie habe wegen dieser Probleme „gelitten wie ein Hund”, hatte die Frührentnerin auch gegenüber dem psychiatrischen Sachverständigen geäußert. Und „um glücklich zu sein, zum Joint gegriffen”. Der Gutachter bescheinigte der 57-Jährigen eine manisch-depressive Erkrankung und damit eine verminderte Steuerungs- und Schuldfähigkeit.
Auf das Strafmaß von fünf Jahren und acht Monaten für die insgesamt 19 Einfuhrfälle und das illegale Handeltreiben mit Drogen in nicht geringer Menge hatten sich die Prozessbeteiligten im Rahmen einer Verständigung „geeinigt”. Dabei hatte sich die Frührentnerin auch mit der Einziehung ihrer gesamten Barschaft einverstanden erklärt.
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