11.12.2013 Marklkofen/Poxau

Von den Burgmannen kann man es erfahren

So ging's zu im Mittelalter auf der Burg Poxau

Burgmannen Poxau
Foto: privat
Wie das Leben nicht nur auf einer Burg im Mittelalter im ausgehenden 13. Jahrhundert ausgesehen haben könnte, zeigen die Burgmannen zu Poxau, ein neu gegründeter Verein.

Das oft als finster verrufene Mittelalter übt gerade in unseren so aufgeklärten Zeiten auf viele Menschen eine ganz besondere Faszination aus. Wohl nicht viele Mittelalterfans allerdings gehen mit solcher Akribie bei der Ausübung ihres Hobbys zu Werke wie die Männer und Frauen von den Burgmannen zu Poxau.

 

Die Burgmannen sind ein noch ganz junger Verein, gegründet im Oktober. „Wir waren zuerst zwei, drei Leute, dann haben wir gemerkt, dass ein paar aus unserem Bekanntenkreis genauso ticken“, erzählt erster Vorstand Hans-Jörg Ulber. So traf man sich seit Herbst letzten Jahres regelmäßig im Schlossstüberl zu Poxau, um die gemeinsame Leidenschaft weiterzuspinnen.

 

„Wir wollten etwas Tiefergehendes, und da kam uns die Idee, etwas rund um das Schloss Poxau zu machen. Das ist in der Nähe, alle bei uns haben Interesse am ausgehenden 13. Jahrhundert, und zu dieser Zeit ist auch auf der Burg etwas passiert. Da steckt eine Geschichte dahinter, die gar nicht oft erzählt wurde“, so Ulber.

 

Gedacht, getan: Die Burgmannen zu Poxau, Untergebene des meist abwesenden Burgherrn, für den sie das Tagesgeschäft erledigten, waren geboren. Alle Beteiligten mit einer entsprechend ausformulierten Hintergrundgeschichte: Ulber selbst stellt beispielsweise Burggraf Gregor von Greifenberg dar, gewissermaßen den Verwalter des Burgherrn. „Wir können nicht den Ritter, den Poxauer selbst nachstellen. Dafür ist die Beweislage zu gering, die Quellenlage zu dünn. Gleichzeitig wäre das auch ein zu enges Korsett für uns. Deshalb stellen wir Personen dar, die es so gegeben haben könnte.“

 

Echte Mittelalterfreunde sitzen natürlich nicht nur auf einer Burg herum – zumal diese besagte bis auf eine historische Mauer gar nicht mehr existiert. „Es gibt etliche Leute, die sich mittelalterlich gewanden. Man trifft sich auf Märkten und sucht sich das schönste Lager“, so Ulber. Das heißt, die Burgmannen stellten sich eine Lagerausstattung zusammen, mit Zelt und Küche und allem, was man für das authentische mittelalterliche Lagerleben benötigt.

 

Im Sommer dieses Jahres war man schon auf diversen Mittelaltermärkten vertreten – auf Schloss Ammerang und beim Mittelalterfest in Frontenhausen etwa. Dort hatte man sogar das eigene Trebuchet dabei – eine mittelalterliche Belagerungswaffe, „da haben wir Melonen verschossen“, schmunzelt Ulber. Der historische Anspruch ist hoch, betont der Vereinsvorsitzende. Gleichzeitig jedoch soll der Spaß nicht zu kurz kommen.

 

„Die Gaudi steht im Vordergrund, aber mit dem nötigen Ernst. Bei Freikämpfen mit Schwertern – so eine Art Rugby für Erwachsene – trage ich einen Halsschutz, der historisch wohl erst 60 Jahre später aufgekommen ist. Da steht die Sicherheit im Vordergrund.“ Gleichzeitig bemüht man sich um Authentizität, was etwa das Essen angeht. Tomaten oder Kartoffeln habe es damals nicht gegeben, und deshalb gibt es sie auch im Lager der Burgmannen nicht – offiziell. „Unter dem Tisch versteckt hat man dann vielleicht schon sein Nutella stehen“, so Ulber.

 

Historische (oder historisch nicht ganz korrekte) Sachverhalte könne und solle man Zuschauern dann auch erklären. Denn auch darin sehen die Burgmannen eine wichtige Aufgabe: Interessierten das Mittelalter im jungen Niederbayern zur Zeit Heinrichs XIII. und speziell die Geschichte der Burg Poxau, an deren Stelle heute das Schloss steht, näherzubringen.

 

Die Gründung eines Vereins lag also nahe. 15 Mitglieder haben die umtriebigen Burgmannen (Frauen sind natürlich auch dabei und gern gesehen), und es dürfen gern mehr werden. Ein regelmäßiger Vereinsstammtisch findet im Stüberl des Schlosses in Poxau statt. Für weitere Infos und Termine kann man sich gerne an Hans-Jörg Ulber unter E-Mail HJUlber@aol.com wenden. Die Internetpräsenz des Vereins nennt sich treffend burgmannen.de.

Autor: Stefan Klein

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