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10.08.2012 Simbach bei Landau/Landshut

540 Flaschen Wein bestellt: 14 Monate Knast wegen Betrugs

Nach drei Maß Bier erst richtig Durst bekommen


Nach drei Maß Bier und einigen Schnaps bekam ein 42-jähriger Sozialhilfeempfänger aus Simbach bei Landau auf dem Straubinger Volksfest erst richtig Durst und bestellte bei einem Händler 540 Flaschen Wein. Wegen Betrugs handelte er sich jetzt bei der 5. Strafkammer des Landgerichts eine Freiheitsstrafe von 14 Monaten ohne Bewährung ein.

In einer Schrotthändler-Großfamilie mit 13 Geschwistern aufgewachsen musste er bald im elterlichen Gewerbe mitarbeiten, so dass für die Schule keine Zeit mehr blieb. Der 42-Jährige bezeichnet sich selbst als Analphabeten, allerdings gibt es durchaus Hinweise aus der Familie, dass er zumindest lesen und auch ein bisschen schreiben kann.

 

Dafür spricht auch, dass er sich zwischendurch immerhin als „Unternehmer” für Umzüge und Entrümpelungen betätigte. Allerdings ist der Betrieb in der Zwischenzeit längst stillgelegt und geblieben sind hauptsächlich Schulden, die der 42-Jährige auf rund 100.000 Euro beziffert. Da seien allerdings auch die unbezahlten Rechnungen von Bestellungen der Geschwister dabei, für die er unterschrieben habe, so der Simbacher, der seit geraumer Zeit von „Stütze” lebt.

 

In der Vergangenheit hatte er auch schon regelmäßig bei der Justiz „arbeiten” lassen, immerhin 26 Eintragungen weist sein Bundeszentralregisterauszug bisher auf: Schon als Jugendlicher verbüßte er wegen versuchten und vollendeten Raubes, diverser Diebstähle dreieinhalb Jahre in einer Jugendstrafanstalt. Auch im Erwachsenenalter ging es munter mit Diebstählen, Betrügereien und Körperverletzungsdelikten weiter, Verurteilung auf Verurteilung und Knastaufenthalt auf Knastaufenthalt folgten.

 

Nach seiner letzten Haftentlassung im Jahr 2008 wurde er Anfang 2009 mit seiner Umzugs- und Entrümpelungsfirma wieder aktiv. Dafür startete er eine Werbekampagne, schaltete großzügig Anzeigen in einer Tageszeitung. Die Rechnungen in einer Gesamthöhe von rund 2.700 Euro sind allerdings noch heute offen.

 

Im August 2009 startete er dann quasi einen „Betriebsausflug” zum Gäubodenvolksfest in Straubing. Dort, so erläuterte er vor Gericht, habe er mindestens drei Maß Bier und an die zehn Schnäpse intus gehabt, als er sich auf dem Weg zur Ostbayernschau gemacht habe. Bei einem namhaften Weinhändler konnte er dann nach diversen Proben der Versuchung nicht widerstehen, bestellte sage und schreibe 540 Flaschen Wein für insgesamt 6.750 Euro. Die wurden auch prompt geliefert.

 

Auf die Bezahlung wartet der Weinhändler auch noch heute vergeblich. Bei der Bestellung hatte er sich, so die damaligen Verkäufer, großspurig als Unternehmer ausgegeben. Auf Mahnungen hatte er zunächst mit Reklamationen geantwortet: Die Flaschen seien nicht ordentlich verkorkt bzw. die Etiketten stimmten nicht mit dem Inhalt überein.

 

Die von Staatsanwalt Dominik Labitsch vertretene Anklage warf ihm drei Fälle des Betrugs vor. Verzögert hatte sich das Verfahren, weil der Angeklagte zwischendurch u.a. wegen einer Persönlichkeitsstörung inklusive Suizidgefahr und Tablettenmissbrauch im Bezirkskrankenhaus Mainkofen weilte und dann auch noch im März dieses Jahres mit 1,2 Promille intus einen Unfall baute. Das Verfahren gegen ihn ist noch offen.

 

Die Betrügereien räumte er unumwunden ein, machte allerdings geltend, dass die Verkäufer des Weinhändlers offenbar seinen Rausch und seine Schreib- und Leseschwäche „schamlos” ausgenutzt hätten, um ihm den Kaufvertrag über die Riesenmenge unterzujubeln.

 

Die 5. Strafkammer erkannte für die Betrügereien auf die von Staatsanwalt Labitsch geforderten 14 Monate. Die vom Verteidiger beantragte Strafaussetzung zur Bewährung komme angesichts der zahlreichen auch einschlägigen Vorstrafen nicht mehr in Frage, so Vorsitzender Richter Eugen Larasser. Selbst die zahlreichen verbüßten Freiheitsstrafen hätten ihn nicht von neuen Straftaten abgehalten.

 

Wegen der angegebenen Trinkmengen zum Zeitpunkt der Weinbestellung sei die Kammer von einer alkoholischen Enthemmung, aber keinesfalls von einer erheblich verminderten Steuerungsfähigkeit ausgegangen, die der Verteidiger als nicht ausschließbar ins Spiel gebracht hatte. Die Verkäufer, die bei ihrer Zeugenaussage einen durchaus seriösen Eindruck machten, hätten ebenfalls nichts von einer erheblichen Alkoholisierung bemerkt.

Autor: ws

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