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04.07.2012 Eichendorf

Pfiffige Idee, und kostengünstig noch dazu

Bernhard bügelt Schlaglöcher einfach nieder

Schlaglochbügeleisen Neumaier
Foto: Stefan Klein
Der Unternehmer Bernhard Neumaier aus Eichendorf will den lästigen Begleitern des Verkehrsalltags den Garaus machen - nachhaltig, schnell und kostengünstig.

Sie sind die treuesten Begleiter sämtlicher Verkehrsteilnehmer. Und die lästigsten. Schlaglöcher. Geschmäht und gehasst. Gefährlich bisweilen. Und im dichten Straßennetz der Republik allgegenwärtig. Längst, so scheint es, haben manche Kommunen den Kampf gegen die Erosion der Straßen aufgegeben. Im Gegenzug packt einer gerade eine neue Waffe gegen die Felgen- und Fahrwerksfresser aus. Der findige Unternehmer Bernhard Neumaier aus Eichendorf will die Löcher mit einer Art Riesenbügeleisen stopfen.

 

Neumaier, zusammen mit seinem Bruder Christian Gründer und Geschäftsführer der Firma Instratec, ist unermüdlich mit seinem neuen Gerät auf Demonstrationstour in ganz Bayern, jüngst beispielsweise in Pfarrkirchen und in Pastetten im Landkreis Erding. Auch auf der Landauer Neuen Messe präsentierte er das Riesenbügeleisen.

 

Dabei ist die Technologie eigentlich gar nicht so neu. Neumaier: „Das System existiert in ähnlicher Form seit fast 30 Jahren in Amerika.“ Neumaier hat die Rechte von den Amis erworben und das System modifiziert.

 

Und da steht es nun, das Riesenbügeleisen. Huckepack auf einen Lastwagen montiert, auf der Ladefläche die zugehörige Technik. Beim Riesenbügeleisen an sich handelt es sich um ein Heizpaneel, eine absenkbare Infrarot-Hochleistungsheizmatte. In einem Wiederaufbereiter, neudeutsch Recycler, wird Fräsgut aufbereitet. Das Glätteisen wird über die ramponierte Asphaltdecke abgesenkt und ein paar Minuten lang – im Sommer kürzer, im Winter etwas länger – aufgeheizt. Dann wird das Schlagloch mit dem Fräsgut gefüllt und eingewalzt. Nach etwa einer halben Stunde gehört das Schlagloch der Vergangenheit an.

 

Neumaier sieht gleich mehrere Vorteile für sein fahrendes Riesenbügeleisen. Vor allem der Aufwand für die Schlaglochbeseitigung seit erheblich geringer und damit kostengünstiger als bei herkömmlichen Verfahren, bei denen ganze Bautrupps mit den Straßenuntiefen beschäftigt sind. Außerdem seien die reparierten Straßen nach kürzester Zeit wieder befahrbar und das Gerät einfachst zu bedienen. Vor allem aber ist der Unternehmer von der Qualität des Verfahrens überzeugt: „In dem Schlagloch entsteht eine kraftschlüssige Verbindung zwischen bestehender Asphaltdecke und Fräsgut. Durch das Aufheizen wird verhindert, das Wasser eindringt und das Schlagloch beim nächsten winterlichen Frost wieder aufbricht.“

 

Alles schön und gut, aber funktioniert das auch in der Praxis? In Baden-Württemberg habe seine Firma bereits eine Reihe von Privataufträgen auf Parkplätzen und Hofeinfahrten erledigt, sagt Neumaier. In der Nähe von Prag gibt es außerdem eine Teststrecke, auf der die Langzeithaltbarkeit des Verfahrens dokumeniert werden soll.

 

Der Instratec-Geschäftsführer ist sich aber auch darüber im Klaren, dass er noch viel Überzeugungsarbeit leisten muss: „Bei uns in Deutschland überwiegt halt anfangs immer erst einmal die Skepsis, setzen die Entscheidungsträger in den Amtsstuben gerne auf Bewährtes.“ In den Nachbarländern, vor allem im ehemaligen Ostblock, sei die Aufgeschlossenheit dem neuen Verfahren gegenüber erheblich größer. Dennoch ist Neumaier „zuversichtlich, dass wir auch in Bayern und Deutschland zum Zug kommen werden“.

Schalglochbügeleisen
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Autor: Christian Blümel

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