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25.07.2012 Freising/Marzling

Industriechemikalien belasten den beliebten Badesee

Krebserregende Stoffe in der Stoibermühle?


Recherchen des Bayerischen Rundfunks haben ergeben, dass Perflourierte Tenside (PFT) auch im Badesee Stoibermühle (Gemeinde Marzling) auftauchen. Diese Stoffe stehen im Verdacht, krebserregend zu sein.

Nach Recherchen des BR kommt es an mindestens zwei weiteren als den bisher bekannten Standorten in Bayern zu erhöhten PFT-Werten: Neben dem Lindacher See in der Nähe des Flughafens Manching ist auch der sowohl als Badesee als auch als Fischgewässer genutzte Stoibermühlsee – unweit des Münchner Flughafens – betroffen. Die Werte dort sind deutlich erhöht.

 

Einige PFT stehen in der Verdacht, krebserregend zu sein. Darüber hinaus können sie den Fettstoff- und Harnsäutestoffwechsel und können ferner die Fruchtbarkeit beeinflussen. Der BR hatte am Fraunhofer-Institut in Freising eigene Untersuchungen in Auftrag gegeben, die zum Ergebnis kamen, dass nicht nur das Wasser, sondern auch die Fische aus der Stoibermühle belastet sind.

 

Laut BR liegen zum Beispiel bei einem untersuchten Karpfen die Messwerte über dem vom Bundesinstitut für Risikobewertung vorgegebenem Richtwert. Die Belastung in den beiden neu entdeckten Fällen könnte durch den Einsatz PFT-haltigen Löschsschaums der jeweiligen Flughafen-Feuerwehr verursacht worden sein, der dann übers Grundwasser in die Gewässer gelangt sein könnte.

 

Durch eine gemeinsame Mitteilung des Landesamtes für Umwelt (LfU) und des Landesamtes für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit gab man am Mittwochnachmittag Entwarnung: Das LfU konnte die vom Bayerischen Rundfunk (BR) gemeldeten Werte durch aktuelle eigene Messungen nicht bestätigen. Nach Angabe des Bayerisches Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit ist das Baden im Stoibermühlsee nach den vom LfU gemessenen Werten unbedenklich, so die offizielle Stellungnahme am Mittwoch.

 

Und: „Perfluorierte Chemikalien werden nicht von der Haut aufgenommen. Die Menge an Wasser, die man beim Baden schluckt ist unbedenklich. Zudem liegen alle gemessenen Werte unterhalb des Leitwertes (LW) von 0,3 μg/l. Dieser Wert orientiert sich am lebenslang gesundheitlich duldbaren Trinkwasserleitwert, der von der Trinkwasserkommission am Umweltbundesamt festgelegt wurde.“

 

Wenige Stunden nach Bekanntwerden der neuen Fälle haben sich die Landtagsgrünen zu Wort gemeldet und kritisieren die Staatsregierung wegen mangelhafter Entsorgung von Feuerlöschschäumen. „Außer Messungen und Beschwichtigungen der Bevölkerung hat die Staatsregierung aber keinen Handlungsbedarf gesehen“, erklärt Dr. Christian Magerl, Vorsitzender des Umweltausschusses.

 

Magerl weiter: „Seit 2007 weisen wir auf die besondere Problematik der Löschschäume hin. Unser Antrag wurde zwar angenommen, aber nur halbherzig umgesetzt. Der Verzicht auf den Einsatz und die fachgerechte Entsorgung der PFT-haltigen Löschmittel wurde wohl nicht überall ernst genommen, sonst dürften fünf Jahre später kaum so hohe Messwerte auftreten."

Autor: Tobias Grießer

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