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13.09.2012 Zolling/Landshut

Sechs Jahre und acht Monate Gefängnis für Ex-Brauerei-Ingenieur Dr. Klaus R. (67) wegen schwerer Untreue

Noch ein „Fass” aufgemacht


Erst im April dieses Jahres war der ehemalige Brauereiingenieur Dr. Klaus R. (67) wegen Untreue in besonders schwerem Fall zu einer Freiheitsstrafe von fünf Jahren verurteilt wurde. Danach machte die Landshuter Staatsanwaltschaft ein neues „Fass” auf, der 67-Jährige saß erneut wegen Untreue auf der Anklagebank vor der Wirtschaftsstrafkammer des Landgerichts und handelte sich eine (neue) Gesamtfreiheitsstrafe von sechs Jahren und acht Monaten ein.

Als „Rentner und  Biolandwirt” sitzt der 67-Jährige auf der Anklagebank. Aus einer Tuttlinger Braumeister-Familie stammend, studierte er in Weihenstephan und war dann u.a. 20 Jahre bei einer Münchner Großbrauerei tätig, wo er es bis zum Geschäftsführer brachte, ehe er nach einem weiteren Engagement in Nürnberg selbstständig machte und ein ganzes Firmenkonglomerat aufbaute: Neben der Beratung von Brauereien widmete er sich insbesondere Immobiliengeschäften und Projektentwicklungen.
  In eine finanzielle Schieflage war er durch Grundstücksgeschäfte seiner Familie in Tuttlingen geraten, an denen er sich mit einem Privatkredit in Höhe von rund 1,8 Millionen Euro beteiligte. Als der involvierte Finanzdienstleister sein Kreditmanagement kündigte, verschaffte sich Dr. R. einen 2,5 Millionen-Kredit bei einer Liechtensteiner Bank.
  Allerdings auf kriminelle Weise: Als Sicherheit überwies er vom Freisinger Konto der „Brau+Grund KG”, bei der er als Kommanditist und Geschäftsführer firmierte, 2,5 Millionen Euro auf ein Festgeldkonto nach Liechtenstein. Als gegen den „Immobilienhai” strafrechtliche Vorwürfe bekannt wurden, kündigte die Liechtensteiner Bank ihr Engagement und hielt sich am Geld der Firma auf dem Festgeldkonto schadlos. Strafrechtlich wurde das als Untreue mit einer Freiheitsstrafe von fünf Jahren sanktioniert. Einbezogen worden war eine Verurteilung aus dem Jahr 2008 in Augsburg, wo er sich ebenfalls wegen Untreue ein Jahr auf Bewährung eingehandelt hatte.
  Im Rahmen der Ermittlungen gegen den 67-Jährigen waren aber noch weitere Machenschaften ans Tageslicht gekommen, die in der von Staatsanwalt Dr. Klaus Ruhland vertretenen aktuellen Anklage ihren Niederschlag fanden. So hatte Dr. R. als Geschäftsführer des „Familienunternehmens Interbrau GmbH”, an dem auch ein Sohn beteiligt war, im Dezember 2007 das „Gut Freiham” mit einer Gesamtfläche von 90 000 Quadratmeter für 7,5 Millionen Euro  von der Erbengemeinschaft Maffei gekauft, wobei der tatsächliche Wert bei lediglich sechs Millionen Euro gelegen hatte.
  Gleichzeitig wurden rund 20 000 Quadratmeter an die „Brau+Grund” weiterverkauft - für sage und schreibe ebenfalls 7,5 Millionen Euro, die dann an die Erbengemeinschaft überwiesen wurden. Tatsächlich hatte die verkaufte Teilfläche laut Anklage aber nur einen Verkehrswert von 2,2 Millionen Euro, so dass Dr. R. als verantwortlich Handelnder der „Brau+Grund” rund 3,8 Millionen Euro zuviel bezahlte.
  Die dem Familien-Unternehmen „Interbrau” verbliebene Fläche von 70 000 Quadratmeter mit dem „Schlösschen Freiham” wurde einschließlich Schlosspark umgehend für eher symbolische 250 000 Euro an eine Firma in der Schweiz verhökert, die ihrerseits die Liegenschaft für 3,4 Millionen Euro an die spätere „Munich Freiham Castle GmbH”, einer Tochtergesellschaft eines amerikanischen Unternehmens, weiterverkaufte.
  Für diese Geschäfte, so die Anklage, habe es kein wirksames Einverständnis der Beirate der „Brau+Grund KG” gegeben. Ihnen gegenüber habe Dr. R. die Deals als „Zwischenerwerb” deklariert und den damit begründet, dass die Erbengemeinschaft Maffei lediglich an einen einzigen Käufer veräußern wolle und der Käufer Landwirt sein müsse, um die Vorkaufsrechte des Wasserzweckverbandes sowie der Gemeinde zu umgehen. Der „Brau+Grund” sei durch die Überzahlung ein Vermögensnachteil von 3,8 Millionen Euro entstanden.
  Auch beim Projekt „Hörhammer-Gelände” in Zolling, das von Dr. R. im August 2008 für die „Brau+Grund” erworben wurde, ging es nicht mit rechten Dingen zu. Auch dieser Grundbesitz wurde einschließlich eines darauf liegenden Freistromrechts an die Familien-GmbH „Interbrau” für 206 000 Euro weiterverkauft, wobei 100 000 Euro des Kaufpreises auf das Freistromrecht entfielen, dessen tatsächlicher Wert, so die Anklage, aber bei 1,15 Millionen Euro gelegen habe. Zu diesem Preis ließ sich jedenfalls die „Interbrau” das Freistromrecht im März 2009 vom Energiedienstleister E.ON ablösen. Der „Brau+Grund” war damit ein Vermögensschaden von über einer Million entstanden, die Familien GmbH dagegen um eine Million reicher.
  In dem zunächst auf fünf Tage angesetzten Prozess kam es zu einer „Verständigung”: Grundlage dafür war ein umfassendes Geständnis des 67-Jährigen und die Rücknahme der Revision, die er gegen das Landshuter Urteil eingelegt hatte, das damit bisher noch nicht rechtskräftig war und es dem auf freiem Fuß befindlichen Rentner ermöglichte, wie er bekundete, den anstehenden Verkauf von Gut Freiham für 7,5 Millionen Euro anzukurbeln. Damit wolle er dann Schadenswiedergutmachung betreiben.
  Mit der Gesamtstrafe von sechs Jahren und acht Monaten sei er sehr „moderat” davon gekommen, so Vorsitzender Richter Alfons Gmelch. Immerhin gehe ein Gesamtschaden von 6,5 Millionen Euro auf sein Konto. Strafmildernd wirkte sich das von Schuldeinsicht getragene Geständnis und die hohe Haftempfinglichkeit des 67-Jährigen aus.
Autor: ws
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