12.08.2017 Wolfersdorf / Landshut

Wolfersdorfer Gelegenheitsarbeiter noch einmal Bewährungschance

Nach 15 Jahren 'Drogenkarriere' auf dem richtigen Weg

Gericht Richter
Foto: 123rf.com
Er beließ es nicht bei vollmundigen Bekundungen, sondern setzte seine Absicht, sein Leben zu ändern unter anderem mit einer Langzeittherapie in die Tat um.

Das ersparte einem 33-jährigen Gelegenheitsarbeiter aus Wolfersdorf 17 Monate Knast für seinen Drogenerwerb: Die 2. Strafkammer des Landgerichts setzte die Freiheitsstrafe zur Bewährung aus. Der Gelegenheitsarbeiter hatte im Laufe des Jahres 2015 Kontakt zu einem in der Dingolfinger Drogenszene als Dealer für Marihuana, Amfetamin und Ecstasy bekannten Werkarbeiter bekommen, der inzwischen für seine über Jahre florierenden Geschäfte beim Landshuter Landgericht zu einer Freiheitsstrafe von vier Jahren verurteilt wurde.

 

Im Rahmen seines Verfahrens hatte er auch Aufklärungshilfe geleistet und Namen seines Lieferanten und seiner Abnehmer genannt. Darunter war auch der Wolfersdorfer Gelegenheitsarbeiter, der bei sieben Einkäufen in Dingolfing von Mai bis November 2015 jeweils zwischen 50 und 70 Gramm Amfetamin erstand. Und das ließ sich der Dealer gut bezahlen; denn während er das Speed für zehn Euro pro Gramm bezog, kassierte er bei seinen Abnehmern in der Regel 15 Euro.

 

Für seine Einkäufe handelte sich der Wolfersdorfer beim zuständigen Amtsgericht in Landau a.d.Isar eine Freiheitsstrafe von 17 Monaten ein, eine Strafaussetzung zur Bewährung wurde ihm versagt, da er bereits 2006 wegen illegalen Drogenerwerbs und 2010 wegen unerlaubten Besitzes vorbestraft war, außerdem unter offener Bewährung stand, nachdem er 2014 auch noch für zwei Diebstähle zu einer Freiheitsstrafe von vier Monaten verurteilt worden war.

 

Der 33-Jährige hatte sich zwar schon vor dem Verfahren beim Landauer Amtsgericht in Therapie begeben, allerdings sah das der dortige Strafrichter als (noch) nicht ausreichend für eine positive Sozialprognose an. In der Berufung vor der 2. Strafkammer räumte der Gelegenheitsarbeiter nicht nur den Drogenerwerb ohne Abstiche ein, er hatte auch die Bestätigung, die Therapie erfolgreich abgeschlossen zu haben, in der Tasche. Er befinde sich derzeit in der so genannten Adaptionsphase, also in der Rehabilitation und habe auch eine berufliche Ausbildung in Aussicht, mache derzeit ein Praktikum als Verkäufer in seinem Supermarkt und könne auf eine Übernahme hoffen.

 

Darüber hinaus zeigte sich der 33-Jährige auch einsichtig: Als sich vor 15 Jahren seine Eltern unter wenig erfreulichen Umständen getrennt hätten, habe er zu Alkohol und Drogen, insbesondere Amfetamin gegriffen, um diesen „Schicksalsschlag” zu kompensieren. In der Zwischenzeit habe er während der Therapie „mit klarem Kopf” über sein Leben nachgedacht und sei zur Einsicht gelangt, „dass ich mein Leben ändern, Verantwortung übernehmen muss.”

 

Der ihm nach seiner Diebstahlsverurteilung zur Seite gestellte Bewährungshelfer berichtete, dass der 33-Jährige zunächst kaum bereit gewesen sei, über seine Drogen- und Alkoholprobleme zu sprechen. Das habe sich im Laufe des aktuellen Verfahrens geändert, er habe „voll ausgepackt”, die notwendigen Schritte unternommen und befinde sich auf einem guten Weg.

 

Für Staatsanwältin Jacqueline Wallinger war dieser Weg allerdings noch nicht abgeschlossen, vor allem auch was eine mögliche Rückfallgefahr und die beruflichen Aussichten angehe. Der Gelegenheitsarbeiter sei außerdem einschlägig vorbestraft und zudem Bewährungsversager, so dass keine positive Sozialprognose vorliege und die Berufung zu verwerfen sei. Die sah allerdings Verteidigerin Cordula Heilmeier durchaus gegeben: Ihr Mandant habe einen klaren Schlussstrich unter sein bisheriges Leben gezogen, sei therapeutisch und beruflich auf dem richtigen Gleis und bereit, ein Leben neu zu gestalten. Die Verteidigerin hielt einen Freiheitsstrafe von einem Jahr, unter entsprechenden Auflagen zur Bewährung ausgesetzt, für angemessen.

 

Die Berufungskammer bestätigte zwar das in erster Instanz verhängte Strafmaß, gab dem Gelegenheitsarbeiter aber eine Bewährungschance, allerdings unter strengen Auflagen. Die Bewährungszeit wurde auf vier Jahre festgesetzt, der 33-Jährige weiterhin einem Bewährungshelfer unterstellt und ihm für die Bewährungszeit völlige Drogen- und Alkoholabstinenz „verordnet”. Außerdem muss er die laufende Adaptivmaßnahme abschließen, sich einer entsprechenden Nachsorge unterziehen und um eine Arbeit kümmern.

 

Die Vorstrafen und das Bewährungsversagen, so Vorsitzender Richter Peter Pöhlmann, sprächen zwar gegen eine positive Sozialprognose, allerdings lägen sie geraume Zeit zurück, die der Angeklagte u.a. für eine erfolgreiche Therapie genutzt habe: „Das läuft positiv, geht in Richtung Integration, deshalb noch einmal eine Chance.” 

Autor: ws

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