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28.09.2012 Freising

Geständnist mildert das Strafmaß

Nach 30 Jahren „Drogenkarriere” eine allerletzte Chance

Gericht
Foto: Archiv Richterttisch
Dachdecker aus Freising zu fünf Jahren und acht Monaten sowie zur Unterbringung in Entziehungsanstalt verurteilt

Ein 49-jährige Freisinger Dachdecker konsumierte nicht nur selbst über Jahre hinweg Drogen, sondern betrieb zuletzt auch einen schwunghaften Handel mit Heroin. Bei der 4. Strafkammer des Landgerichts handelte er sich dafür eine Freiheitsstrafe von fünf Jahren und acht Monaten ein, die er allerdings nur teilweise verbüßen muss: Die Kammer ordnete nämlich auch seine Unterbringung in einer Entziehungsanstalt an.


Schon 2010 hatten die Drogenfahnder der Erdinger Kripo „Wind” von einem regen Heroinhandel im Raum Freising-Moosburg bekommen und dabei auch den Dachdecker, von dem bekannt war, dass er seit über 30 Jahren der Szene angehörte, per Telefonüberwachung im Visier. Die Erkenntnisse schlugen sich jetzt in der von Staatsanwalt Ralph Reiter vertretenen Anklage nieder.
So hatte der Dachdecker bereits Ende März dieses Jahres eine Lieferung von 200 Gramm Heroin bekommen, die ihm ein Kurier aus Düsseldorf im Auftrag eines Großdealers, der den Stoff vermutlich aus Holland bezog, ins Haus brachte. Kleinere Mengen davon setzte der 49-Jährige in der Freisinger „Szene” ab.


Allerdings ließen die Geschäfte zu wünschen übrig, denn die Abnehmer waren mit der Qualität des Heroins nicht zufrieden. So wurde mit dem Lieferanten ein „Umtausch” in bessere Qualität vereinbart. In der Nacht zum 2. April lieferte dann der Düsseldorfer Kurier tatsächlich 400 Gramm besseres Heroin - die spätere Analyse ergab einen Wirkstoffgehalt von rund 18 Prozent - an. Den Stoff wollte der Dachdecker nicht in seiner Wohnung haben und so „aktivierte” er seinen alten Schulfreund, der das Heroin in seiner Wohnung bunkern sollte. Als der dann mit dem Stoff in ein Taxi stieg, erfolgte der Zugriff der Drogenfahnder.
Der Dachdecker räumte vor der 4. Strafkammer die Anklage ohne jeglichen Abstrich ein. Seit über 30 Jahren, so berichtete er, sei er bereits Drogenkonsument. Er habe auch schon mehrere Therapien hinter sich, sei aber immer wieder rückfällig geworden. Zuletzt, als seine langjährige Lebensgefährtin im Jahr 2010 überraschend gestorben war. Aus seinen Drogendeals habe er erheblichen Gewinn geschlagen, für 40 bis 45 Euro habe er das Gramm eingekauft, für 100 bis 120 Euro verkauft.


Auch strafrechtlich hatte sich die Drogenkarriere niedergeschlagen: So war der Dachdecker bereits 1985 wegen Drogeneinfuhr und Handeltreibens zu einer Jugendstrafe von 19 Monaten verurteilt worden, hatte die größtenteils in einer Therapieeinrichtung verbracht. Dreieinhalb Jahre musste er nach einer Verurteilung im Jahr 2007 nach einer erneuten Heroin-Einfuhr aus Holland verbüßen. Zwischendurch handelte er sich noch Strafen wegen Verkehrs- bzw. Körperverletzungsdelikten ein.
 

Angesichts des Geständnisses war es zwischen den Prozessbeteiligten zu einer Verständigung gekommen, bei der man sich weitgehend auch auf das Strafmaß geeinigt hatte. Absitzen muss der 49-Jährige, der schon sechs Monate U-Haft hinter sich hat, allerdings nur 16 Monate, dann wird er in einer Entziehungsanstalt untergebracht. Die Dauer der Therapie dürfte sich auf mindestens 18 Monate belaufen, die Reststrafe wird bei einem erfolgreichen Abschluss zur Bewährung ausgesetzt.  Staatsanwalt Reiter hatte in seinem Plädoyer festgestellt, es grenze schon an ein kleines Wunder, dass der Dachdecker nach einer 30-jährigen „Drogenkarriere” überhaupt noch am Leben sei. Die Prozessbeteiligten waren sich einig, dass die kommende Therapie die „allerletzte Chance” für den 49-Jährigen darstellte.

Autor: ws

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