17.01.2012 Eichenried / Landshut
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Bande stahl Autos im Wert von 250.000 Euro

Vermeintliche Golffans klauten Luxuskarossen


Als vermeintliche Golffans tauchten drei Tschechen im Juni letzten Jahres auf Plätzen in Erlangen, Eichenried und Bad Griesbach auf. Im Visier hatten sie allerdings nicht die kleinen Bälle, sondern hochpreisige Luxuskarossen.

Von den Parkplätzen der Golfanlagen verschwanden insgesamt fünf Fahrzeuge im Gesamtwert von über 250 000 Euro. 

 
Ein Mitglied der Bande, der 25-jährige tschechische Gelegenheitsarbeiter Jaroslav S.,  wurde bereits im Herbst 2011 beim Schöffengericht des Amtsgerichts Landshut wegen schweren Bandendiebstahls zu einer Freiheitsstrafe von zwei Jahren und zehn Monaten verurteilt. Im September 2011 wurde dann auch der 35-jährige gelernte Automechaniker Pavel N. von den tschechischen Strafverfolgern ausgeliefert, nachdem er dort inzwischen wegen Hehlerei zu einer Freiheitsstrafe von zwei Jahren verurteilt wurde.
Nach der von Staatsanwalt Markus Knoblach vertretenen Anklage hatte sich das Duo  im Juni 2009 mit einem Landsmann, für den ebenfalls ein Auslieferungsantrag läuft, zusammengeschlossen, um mit gestohlenen  hochpreisigen Autos den Lebensunterhalt zu finanzieren.
 
Eine entsprechende „Auswahl” fand das Trio auf den Parkplätzen von Golfanlagen, wo es ihnen auch nicht schwer gemacht wurde, an die Originalschlüssel der Luxuskarossen zu kommen: Stieg der Fahrzeuglenker aus, folgte man ihm auf die Anlage, um dann in einem passenden Moment die Fahrzeugschlüssel entweder aus der Umkleidekabine oder aus den Golfbag zu klauen. Danach ging es mit Vollgas ab nach Tschechien, wo die Fahrzeuge reißenden Absatz fanden.
 
Der Auftakt der Diebstahlsserie im Juni 2009 im Kleinsendelbach bei Erlangen allerdings misslang: Dort hatte man es auf einen Audi S 4 abgesehen. Jaroslav S. folgte  der Besitzerin auf die Anlage, entwendete aus ihrem Golfbag den Schlüssel. Da sie allerdings den Diebstahl sofort bemerkte und auf den Parkplatz zurücklief, nahm das Trio sofort Reißaus. 
 
Allerdings kehrten die Tschechen alsbald auf die Anlage zurück und waren im zweiten Anlauf erfolgreich: In einem Golfbag fand der Jaroslav S. die Schlüssel zu einem Daimler Benz R 320 CDI, der noch einen Zeitwert von rund 35 000 Euro hatte und einen tschechischen Abnehmer fand.
 
Schon zwei Tage nach diesem Coup tauchte das Trio auf der Anlage in Eichenried/Moosinning auf. Mit der Masche, unbeaufsichtigt abgestellte Golfbags zu „filzen”, waren sie auch diesmal erfolgreich: Ein Schlüssel passte zu einem 70 000 Euro teuren Audi S 5, der umgehend in die Tschechei gebracht wurde. Ebenfalls vom Parkplatz der Eichenrieder Anlage verschwand am 1. Juli ein BMW X 5 im Wert von 63 000 Euro. Auch für den hatte man den Schlüssel in einem Golfbag gefunden.
 
Zwischendurch hatte das Trio auch in Egmating (Lkr. Ebersberg) zugeschlagen und da hatte ihnen der Zufall das teuerste Fahrzeug „beschert”: Mehrere Golfschüler hatten die Schlüssel für ihre Autos auf einem Tisch abgelegt. Der, den sich das Trio schnappte, passte zu einem Daimler Benz CLS 63 AMG, einem 500-PS-Boliden, dessen Neupreis erheblich über 100 000 Euro liegt. 
Die Diebstahlsserie endete dann am 28. August in Bad Griesbach, wo man zwar auf dem dortigen Golfplatz noch einen Porsche Cayenne erbeutete und damit auch noch nach Tschechien gelangte. Aufgrund der Fahndungsmaßnahmen konnte das Fahrzeug allerdings wenige Tage später von der Polizei sichergestellt werden.
 
Pavel N. legte über seinen Verteidiger Matthias Melkus vor dem Schöffengericht beim Amtsgericht Landshut ein umfassendes Geständnis ab. Die Tarnung als „Golffans” sei seinen damaligen Partnern eingefallen. „Ich gehe lieber zum Fischen”, beteuerte er. die Erlöse für die Fahrzeuge seien brüderlich geteilt worden. 
 
Das Schöffengericht verhängte - wie von Staatsanwalt Knoblach und Verteidiger Melkus beantragt - eine moderate Freiheitsstrafe von zwei Jahren und zwei Monaten. Der 35-Jährige, so Strafrichter Alfred Zimmerer in der Urteilsbegründung, sei nicht die treibende Kraft des Trios gewesen, sondern habe lediglich Helferdienste geleistet. - Da Auslieferungshaft und Untersuchungshaft auf das Strafmaß angerechnet werden, dürfte Pavel N. bereits im April in seine Heimat überstellt werden. Dort muss er dann aber die noch offenen weiteren zwei Jahre absitzen.


Autor: ws

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