21.02.2012 Erding / Landshut
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18 Verhandlungstage gegen Bekim B. und Co.

Tresorknacker: "Mordsangst bei Kronzeugen"

Gericht
Foto: Creative Collection
Seit September letzten Jahres läuft vor der 6. Strafkammer des Landshuter Landgerichts der Prozess gegen die mutmaßliche Führungsriege der „Erdinger Tresorknackerbande”.

Ein Ende ist auch nach 18 Verhandlungstagen nicht in Sicht, zumal sich vermeintliche Kronzeugen – bereits verurteilte Bandenmitglieder – weitgehend in Schweigen hüllen.

 
Auf das Konto der Bande – so die verschiedenen Anklageschriften der Landshuter Staatsanwaltschaft – sollen insgesamt 50 zum Teil spektakuläre Einbrüche in Firmengebäude, Schulen, Gaststätten und Wohnungen u.a. in den Landkreisen Erding, Freising, Ebersberg und Landshut sowie in München gehen, bei denen Bargeld, Schmuck usw. im Wert von rund 450.000 Euro erbeutet und ein Sachschaden von über 200.000 Euro angerichtet wurde. Insbesondere hatte es die Bande auf Tresore, die teilweise auf abenteuerlichste Weise erbeutet wurden, und natürlich deren Inhalt abgesehen.
 
Gegen insgesamt elf Bandenmitglieder wurde bzw. wird in Verfahren vor verschiedenen Strafkammern des Landshuter Landgerichts verhandelt. Bereits im August 2011 saßen vier Angehörige der so genannten „Arbeiterschicht” auf der Anklagebank vor der 4. Strafkammer des Landgerichts und kamen im Rahmen von „Verständigungen” mit moderaten Freiheits- bzw. Bewährungsstrafen davon.
 
Im September 2011 begannen dann vor der 6. Strafkammer parallel zwei Verfahren gegen weitere sieben Bandenmitglieder. Drei von ihnen legten umfassende Geständnisse ab, so dass auch ihre Verfahren nach wenigen Verhandlungstagen beendet werden konnten. Der arbeitslose und vielfach vorbestrafte Erdinger Ardison G. (25) handelte sich viereinhalb Jahre ein, der Feinwerkmechaniker Jeton I. (26) aus Forstinning wurde für knapp drei Jahre hinter Gitter geschickt. Und der Elektrotechniker Vilson  M. (24) aus Pristina konnte mit einer zweijährigen Bewährungsstrafe im „Gepäck” die Heimreise ins Kosovo antreten.
 
Auf der Anklagebank vor der 6. Strafkammer sitzen derzeit (schweigend) noch der ehemalige Erdinger Café-Betreiber Bekim B. (39), der Lagerarbeiter Vilson G. (40) aus Erding und der Netzwerktechniker Agron G. (36) aus Hallbergmoos, die laut Anklage zur „Führungsriege” zählen sollen. Der „Flexspezialist” Skender B. (36), ein Cousin des Cafétiers, der jeweils aus Belgien „einflog”, um die erbeuteten Tresore zu knacken, ist inzwischen im Rahmen einer „Verständigung” bereits abgeurteilt: Er lieferte ein Teilgeständnis ab, räumte die Beteiligung an fünf erfolgreichen und zwei versuchten Brüchen ein, und kam mit einer Freiheitsstrafe von vier Jahren und acht Monaten davon. 
 
Die Auftritte der bereits verurteilten Bandenmitglieder als nunmehrige „Kronzeugen” bringt das auf der Anklagebank verbliebene Trio kaum in Verlegenheit. So schilderte beispielsweise Jeton I. aus Forstinning locker seine eigene Rolle in der Bande: Er sei quasi Stammgast im Erdinger Café von Bekim B. gewesen, irgendwann habe man ihm angeboten, sich an den Einbrüchen zu beteiligen und mit seinem jeweiligen Beuteanteil sein Einkommen „aufzubessern”. Das Angebot habe er angenommen, so der 26-jährige freimütig. Seinen Part beschrieb er damit, jeweils „nur” Schmiere gestanden zu haben.
 
Schweigsamer wurde der 26-Jährige allerdings, als es um die Struktur der Bande ging, vor allem um die Rolle von Bekim B., den die Staatsanwaltschaft als „Kopf” der Bande sieht. Er habe „Gedächtnislücken”, machte Jeton I. geltend, wolle niemand falsch belasten, schon gar nicht sich selbst. Deshalb mache er von seinem Aussageverweigerungsrecht Gebrauch. Für seinen Vernehmungsbeamten von der Erdinger Kripo keine Überraschung: „Der hat eine Mordsangst.” Immerhin habe er bei seiner polizeilichen Aussage vor allem Skender B. als einen der führenden Köpfe belastet, der angeblich Einbruchsobjekte ausgesucht und die Leute eingeteilt habe.
 
Skender B. selbst, der darauf hofft, seine Strafe alsbald in einem belgischen Gefängnis absitzen zu können, bezeichnete sich als Bauarbeiter. Sein Cousin Bekim B. sei für ihn „wie ein Bruder”. Um so verwunderter waren die Prozessbeteiligten, dass er von dessen persönlichen Verhältnissen so gut wie nichts wissen wollte. Der „Bruder” sei verheiratet, habe drei Kinder. Er habe als Türsteher gearbeitet, später mit einem Bruder eine eigene Sicherheitsfirma betrieben. Selbst die Rolle des Cousins in Erdinger Café ließ er offen: „Das war eine kleine Kneipe, wenn jemand ein Bier oder einen Kaffee wollte, hat er das gebracht.”
 
Was die Einbrüche anbelangte, machte auch er von seinem Aussageverweigerungsrecht Gebrauch, nachdem ihn Vorsitzender Richter Robert Mader zuvor über Aussagen von ehemaligen Bandenmitgliedern, er sei möglicherweise sogar der „Kopf” gewesen, informiert hatten. „Da könnte noch was nachkommen”, so der Richter.
 
Für den Prozess, der  – wie mehrfach berichtet – unter strengen Sicherheitsvorkehrungen stattfindet, sind Termine noch bis Ende März angesetzt


Autor: ws

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