31.01.2012 Moosinning / Landshut
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54-Jähriger lebte auf Kosten der Firma in Saus und Braus

Rekordverdächtig: 1.241 Fälle der Untreue gestanden

Franz M.
Foto: ws
Auf Kosten einer Moosinninger Baustoff-Handlung lebten der jetzt als Bauberater tätige Franz Josef M. (54) und seine inzwischen verstorbene Ehefrau in Saus und Braus und trieben die Firma in den Ruin

Beim Schöffengericht des Landshuter Amtsgerichts fand er milde Richter: Zwei Jahre und zwei Monate Gefängnis für 1.241 Fälle der Untreue mit einem Gesamtschaden von 230.000 Euro.

 
Seit Anfang 1999 war der in Ottobrunn lebende 54-Jährige Geschäftsführer und Mitgesellschafter des Moosinninger Unternehmens, das in erster Linie mit Baustoffen handelte und Estrichlegearbeiten durchführte, und für den kaufmännischen Bereich zuständig. Im Juli 2009 war das Unternehmen pleite, die Mitgesellschafter mussten Insolvenz anmelden, zwei von ihnen sogar die eidesstattliche Versicherung ablegen. 
 
Der Grund: Franz Josef M. griff für private Ausgaben in die Kasse bzw. überwies das Geld für private Rechnungen vom Firmenkonto. Sage und schreibe über 28 Seiten der Anklage füllte die Auflistung der einzelnen Untreuefälle ab dem Jahr 2004. Die reichten von unzähligen Autowäschen für 6,90 Euro über das regelmäßige Tanken für ca. 60 Euro bis hin zur Anschaffung von Wohnungseinrichtung und Computerkäufen. Auch was die Lebensmitteleinkäufe anging, wurde auf Firmenkosten geschlemmt, bei einem Einkauf beispielsweise allein Feinkostsalate für 69 Euro. 
 
Ob Blumen für 40 Euro für die Ehefrau oder ein Trauerkranz (200 Euro), ob Autoreparaturen oder Handwerkerrechnungen, ob der Partyservice oder der Polsterer (2.100 Euro), der Edelstahl-Fußabstreifer für 1.300 Euro, ob eine Hebeanlagen-Pumpe (3.800 Euro)  oder der Dachdecker (5.000 Euro) – das Firmenkonto gabs her. Auch den Weihnachtsschmuck für 180 Euro und die Reservierung fürs Oktoberfest für 100 Euro. 
 
Die Firma musste dann auch noch für die Leasingraten (insgesamt 32.000 Euro) des von der Ehefrau genutzten 100.000 Euro teuren BMW 645Ci aufkommen und für 20.000 Euro, die über die Jahre hinweg an eine private Haushaltshilfe flossen. Ein Garten wurde für 5.000 Euro angelegt und eine Garage für 4.000 Euro gebaut. Krachen ließ es Franz Josef M. an seinem Geburtstag: 5.600 Euro gingen an den Partyservice. Sogar ein Video wurde für 1.500 Euro produziert und dann per DVD an Freunde und Bekannte verschickt. Dagegen nahmen sich die Ausgaben beim 50. Geburtstags der Ehefrau mit 1.500 Euro und beim 21. Wiegenfest der Tochter mit 400 Euro nahezu bescheiden aus. 
 
Vor dem Schöffengericht legte der 54-Jährige ein umfassendes Geständnis ab. Inzwischen, so berichtete er, sei er als freiberuflicher Bauberater erfolgreich, bis zu 7.000 Euro verdiene er monatlich, allerdings blieben ihm davon nur rund 1.500 Euro, den Rest wende er zur Schadenswiedergutmachung auf, ein weiterer Teil würde gepfändet. Seine Schulden bezifferte Franz Josef M. auf rund 500.000 Euro – ohne den Schaden, den er der insolventen Firma zugefügt habe. Privatinsolvenz sei angemeldet.
 
In Anbetracht des Geständnisses kam es zwischen den Prozessbeteiligten zu einer Verständigung, in deren Rahmen man sich auf eine moderate Freiheitsstrafe von zwei Jahren und zwei Monaten einigte. Dem Angeklagten, so Staatsanwalt Dr. Dominikus Reither und Strafrichter Alfred Zimmerer unisono, sei offenbar im Laufe der Zeit jegliches Unrechtsbewusstsein abhanden gekommen. 
 
Strafmildernd hatte sich in erster Linie das Geständnis ausgewirkt, das einen aufwändigen Prozess mit Vernehmung einer Vielzahl von Zeugen erspart hatte. Straferschwerend dagegen, dass der 54-Jährige mit seinen privaten Entnahmen das Unternehmen in die Insolvenz trieb und auch die ehemaligen Mitgesellschafter wirtschaftlich am Ende sind. 


Autor: ws

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