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03.04.2012 Taufkirchen / Landshut

Thomas H. (21) verursachte schweren Unfall

Rasender Koch kommt glimpflich davon


Sichtlich schwer tat sich Staatsanwalt Ralph Reiter, dem 21-jährigen Koch Thomas H. aus Taufkirchen, der mit seiner Raserei im Mai letzten Jahres auf der B 388 einen schweren Unfall mit sechs Verletzten verursacht hatte, noch Jugendrecht zuzubilligen.

„Ein illegales Rennen konnte zwar nicht mit letzter Sicherheit nachgewiesen werden, aber ein ,Klassiker’ der Rücksichtslosigkeit”, so der Anklagevertreter.

 
Der Koch warf am 13. Mai letzten Jahres gegen 22.30 Uhr mit seinem 3er BMW, in dem noch zwei Passagiere saßen, von Taufkirchen gestartet, um auf der B 388 nach Erding zu fahren. Einige Minuten vor ihm hatten sich zwei Freunde mit ihren Fahrzeugen ebenfalls nach Erding aufgemacht, wo man sich bei einem Schnellimbiss treffen wollte. 
 
Der Koch drückte ständig aufs Gas, missachtete Geschwindigkeitsbeschränkungen und verlor dann bei Emling die Kontrolle über sein Fahrzeug, als er gerade im Begriff war, eine 23-jährigen Auszubildende aus Walpertskirchen, die mit ihrem Wagen, in dem noch ein Geschwisterpaar saß, in gleicher Richtung unterwegs war, zu überholen. Sein schleudernder BMW stieß gegen dass Heck des Pkw der Auszubildenden, beide Fahrzeuge kamen nach links von der Fahrbahn ab und blieben im angrenzenden Feld liegen. 
Wie durch ein Wunder kam keiner der Fahrzeuginsassen zu Tode und auch die Verletzungen hielten sich in Grenzen. Lediglich die Walpertskirchenerin, deren Fahrzeug sich im Feld überschlagen hatte und auf dem Dach liegen blieb, musste zur stationären Behandlung ins Kreiskrankenhaus Erding eingeliefert werden, konnte aber nach fünf Tagen entlassen werden. Allerdings musste sie über sechs Wochen eine Halskrause tragen.
 
Das Unfallgeschehen hatte für großes öffentliches Aufsehen gesorgt, zumal der Verdacht aufkam, dass ein illegales Rennen vorausgegangen sei. So hatte beispielsweise ein 40-jähriger Erdinger berichtet, dass er sich an jenem Abend auf dem Heimfahrt von einem Besuch bei Freunden in Taufkirchen befunden habe. Auf der Strecke seien er und zwei weitere Pkw teilweise an unübersichtlichen Stellen zunächst von einem „sportlichen Audi” mit hoher Geschwindigkeit rücksichtslos überholt worden, später dann auch vom BMW des Kochs. Die Geschwindigkeiten der Überholenden schätzte er auf etwa 150 Stundenkilometer.
 
Mit einer glimpflichen Sanktion kam der Koch – zur Tatzeit noch Heranwachsender – beim Jugendrichter des Amtsgericht Erding für die fahrlässige Straßenverkehrsgefährdung und die fünf Fälle der fahrlässigen Körperverletzung davon: Ableistung einiger Sozialstunden und acht Monate Führerscheinentzug. Als Auflagen wurde noch eine Geldbuße von 6.009 Euro und ein Fahrertraining auf eigene Kosten verhängt. Gegen das Urteil hatte sowohl die Staatsanwaltschaft, die eine Verurteilung nach dem Erwachsenenstrafrecht und danach 15 Monate auf Bewährung beantragt hatte, als auch der Koch, dem die Führerscheinsperre zu lange war, eingelegt.
 
Vor der kleinen Jugendkammer des Landgerichts räumte der Koch ein, recht zügig unterwegs gewesen zu sein und auch andere Fahrzeuge überholt zu haben. Beim Unfall sei er mit etwa 130 Stundenkilometer unterwegs gewesen. Dass es sich um ein illegales Rennen gehandelt habe, bestritt der 21-Jährige allerdings nachdrücklich. Mit seinen Freunden sei schließlich ein Treffpunkt in Erding ausgemacht gewesen. An den Unfall selbst habe er keine Erinnerung mehr: „Ich habe wahrscheinlich die Kontrolle über mein Fahrzeug verloren.”
 
Auch in der Berufung vor der kleinen Jugendkammer gab es Hinweise, dass es sich um ein Rennen gehandelt habe. So berichtete ein Polizeibeamter, dass im Rahmen der Vernehmungen die Rede davon gewesen sei, dass der Koch während der Fahrt von seinen Freunden einen Anruf bekommen habe: Sie seien schon in Erding, wo er denn bleibe. Eine der überholten Autofahrerinnen bestätigte den Eindruck des 40-jährigen Erdingers. Sie hatte zu Protokoll gegeben, dass „der BMW volle Kanne an mir vorbeigeschossen ist.” 
 
Nach einer Zwischenberatung empfahl die Jugendkammer dem Koch, seine Berufung zurückzunehmen, wobei Vorsitzender Richter Theo Ziegler an Staatsanwalt Reiter auf Rücknahme der Berufung appellierte. Dem Koch machte der Vorsitzende Richter klar, dass man ihm zwar kein illegales Rennen unterstellen wolle, andererseits habe er eingeräumt, über eine lange Strecke zu schnell gefahren zu sein. Damit stehe eine Verurteilung zumindest wegen einer bedingt vorsätzlichen Straßenverkehrsgefährdung im Raum, die ein wesentlich härteres Strafmaß nach sich ziehen würde. 
 
Der 21-Jährige verstand den Wink und nahm die Berufung zurück. Mit „großen Bedenken” folgte auch Staatsanwalt Reiter diesen Schritt, nicht ohne dem Koch klar zu machen, dass er äußerst günstig davon komme: „Die Anwendung von Jugendrecht ist gerade noch vertretbar, aber vor allem die Führerscheinsperre ist zu gering ausgefallen. Schließlich hätten die Überholmanöver auch in einer tödlichen Tragödie enden können.” 
Autor: ws

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