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11.09.2012 Dorfen / Landshut

Reise-Kauffrau betrog Kunden um rund 135.000 Euro

Nach dem Traumurlaub kam die „dicke Rechnung“


Die Traumreisen von über 50 Kunden der Reise-Kauffrau Petra M. (47) endeten mit einem Schock: Die meisten von ihnen fanden in ihren Briefkästen die Rechnungen der jeweiligen Reiseveranstalter vor, obwohl sie bereits vor dem Abflug zur Kasse gebeten worden waren.

Insgesamt rund 135. 000 Euro an Kundengeldern unterschlug die 47-Jährige und handelte sich u.a. dafür jetzt beim Schöffengericht des Amtsgerichts Landshut eine Freiheitsstrafe von zwei Jahren ein, die zur Bewährung ausgesetzt wurde.

 
Seit 1996 betrieb die Reisekauffrau ihr Unternehmen mit Sitz in Velden und eröffnete nach und nach Niederlassungen in Dorfen (2003), Vilsbiburg und Geisenhausen, wobei teilweise auch Lottoannahmestellen angegliedert waren, und gründete schließlich 2004 eine GmbH. „Zunächst liefen die Geschäfte passabel, aber mit der Gründung der Filialen ist mir alles über den Kopf gewachsen, damit war ich einfach überfordert”, räumte Petra M. beim Schöffengericht ein. Sie habe sogar noch einen Firmenberater engagiert, aber das finanzielle Desaster sei nicht mehr aufzuhalten gewesen. 
 
Dieses Desaster schlug sich jetzt in einer 15-seitigen Anklage nieder, in der der 47-Jährigen nicht nur Betrug in 57 Fällen, Untreue in neun Fällen und Urkundenfälschung, sondern auch noch vorsätzliche Insolvenzverschleppung, Verletzung der Buchführungspflicht und vorsätzlicher Bankrott vorgeworfen wurden.
 
Die Firma, so die von Staatsanwältin Daniela Lipp vertretene Anklage, sei spätestens Ende 2008 zahlungsunfähig gewesen: Sozialversicherungsbeiträge wurden nicht mehr abgeführt, Löhne für Mitarbeiter verspätet und nur teilweise ausgezahlt, Mieten für Geschäftsräume nicht mehr beglichen und last not least wartete der Steuerberater vergeblich auf ein Honorar von rund 20.000 Euro. Trotzdem wurde kein Insolvenzantrag gestellt, so die Anklage.
 
Der schwerwiegendste Vorwurf betraf allerdings die Betrugs- und Untreuefälle. Petra M. kassierte von ihren Kunden die Zahlungen für Buchungen und spiegelte ihnen vor, das Geld an die jeweiligen Reiseveranstalter weiterzuleiten. Tatsächlich setzte sie die Kundengelder in insgesamt 57 Fällen aber dafür ein, eigene Verbindlichkeiten abzutragen. 
 
Die Kunden  bekamen davon – zumindest zunächst – natürlich nichts mit; denn die Reisekauffrau buchte erst kurz vor dem Urlaub der Kunden die jeweilige Reise – teilweise auch in modifizierter Form. Allerdings auf Rechnung der Kunden bzw. mittels Lastschriften. Dagegen protestierten die Kunden nach der Rückkehr von ihren Traumreisen – in den meisten Fällen erfolgreich. Außerdem wurden Lastschriften von den Banken teilweise nicht ausgeführt, weil die Konten nicht gedeckt waren.
 
Das kriminelle Vorgehen von Petra M. hatte sich natürlich alsbald bei den Reiseunternehmen herumgesprochen  und sie wurde „gesperrt”. Aber es gelang ihr, auch diese Sicherheitsvorkehrungen zu umgehen: Sie buchte die Reisen nicht mehr über ihren Firmennamen, sondern unter den Namen der Kunden.
 
Eine Vielzahl von Kunden auch aus dem Raum Dorfen/Taufkirchen, die nach der Urlaubsrückkehr einen Haufen Scherereien hatten, listete die Anklage auf. Dabei ging es um Beträge zwischen 500 Euro für Städtereisen und 10.000 Euro beispielsweise für ausgedehnte Amerika-Trips oder auch ­– wie in einem Fall – für einen für 9.000 Euro von eine Gruppe gebuchten Urlaub in einem Ferienhaus.
 
Über eine Erklärung ihres Verteidigers Patrick Schladt legte die Reise-Kauffrau vor dem Schöffengericht ein umfassendes Geständnis ab. „Ich habe nur versucht, die finanziellen Löcher, die sich aufgetan haben, zu stopfen. Ich war bis zuletzt der Meinung, dass ich die Firma retten kann”, so Petra M. Inzwischen arbeite sie wieder in einem Reisebüro und versuche, den Schuldenberg abzutragen. Allerdings, das sehe sie ein, seien die monatlich 200 Euro, die sie leisten könne, nur ein Tropfen auf den heißen Stein.
Mit auf der Anklagebank saß ihr ehemaliger Lebensgefährte Alfred W., der auf dem Papier bis 2007 als Gesellschafter und Geschäftsführer der GmbH eingetragen war. Er habe sich hauptsächlich um die Infrastruktur der Firma, sprich um die EDV und die Web-Präsentation gekümmert, verteidigte er sich. Dafür habe er selbst noch 100.000 Euro investiert und letztlich verloren. Was das Geschäftliche betraf, habe er sich voll und ganz auf seine Lebensgefährtin verlassen: „Beim Verkauf von Reisen war ich alles andere als ein Ass.”
 
In Anbetracht der Geständnisse kam es zu einer Verständigung unter den Prozessbeteiligten, bei der Petra M. trotz der hohen Schadenssumme noch einmal eine Strafaussetzung zur Bewährung gewährt wurde. Immerhin hatte sie, so waren sich die Prozessbeteiligten einig, mit ihrem Geständnis eine aufwändige Beweisaufnahme erspart. Straferschwerend fiel dagegen die hohe kriminelle Energie, mit der sie vorgegangen war, ins Gewicht. Als Auflage muss sie während der vierjährigen Bewährungszeit den monatlichen Betrag zur Schadenswiedergutmachung auf 500 Euro aufstocken. Ihr ehemaliger Lebensgefährte kam mit einer Geldstrafe von 3.500 Euro (70 Tagessätze à 50 Euro) davon. Ihm nahmen die Prozessbeteiligten ab, nur formell für die Geschäftsführung verantwortlich gewesen zu sein. 
Autor: ws

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