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04.09.2012 Erding

Tatort-Kommissar Sebastian Bezzl im Interview

"Ich könnte eigentlich schon Opa sein"


Sebastian Bezzl gelang 2007 mit dem Kino-Hit „Schwere Jungs“ von Marcus H. Rosenmüller endgültig der große Durchbruch. Mittlerweile gehört Sebastian Bezzel zu den bekanntesten jungen Gesichtern der deutschen Filmlandschaft. Am Sonntag, 9. September kommt der 41-Jährige mit seinem neuesten Werk „Vatertage – Opa über Nacht“ nach Erding. Das Wochenblatt interviewte ihn bereits vorab über Rikschafahren, Tubaspielen und seine Beziehung zur Semptstadt.

Herr Bezzel, was ist, Ihrer Meinung nach, das Besondere an dem Film „Vatertage – Opa über Nacht“?

Ich weiß nicht, ob das das Besondere ist, aber ich meine, dass es eine schöne Komödie ist, die bei allem Lustigen auch eine ernste Wahrheit transportiert. Und ich finde, dass der Film auch gut besetzt ist. Was Spaß macht, sind die vielen verschiedenen Charaktere. Es sind auch ganz unterschiedliche Leute, was weiß ich: Heiner Lauterbach oder die Sarah Horvath, so was mag ich immer sehr gerne. 
 
Der Film beruht auf Ihrer Idee. Wie sind Sie darauf gekommen?
Ich hab' mit meinem ehemaligen Mitbewohner, der ist auch Drehbuchautor, vor etwa zehn Jahren, eine ZDF-Dokumentation über 15-jährige Mütter gesehen, die ja eigentlich sehr ernst war. Und als wir uns das angeschaut haben, ich war damals Anfang 30,  hab' ich plötzlich gesagt: „Hey, da könnte ich ja schon Großvater sein, nach der Rechnung.“ Ist eigentlich eine schöne Überhöhung für eine Komödie. Wenn einer, der nicht älter werden will und nicht erwachsen werden will, eines Tages feststellt, dass er nicht nur Vater sondern sogar Großvater ist. Diese Idee wiederum habe ich irgendwann Jakob Klausen erzählt, der mich dann den zwei Autoren vorgestellt hat, und so haben wir uns über vier Jahre immer wieder getroffen, sie haben das Buch geschrieben und so kam's dazu. 
 
Sie spielen den Basti. Was gefällt Ihnen an der Rolle?
Der Basti ist ein Lebenskünstler, er hat Humor. Der kann schon auch das Leben genießen, das mag ich gern an ihm. Was ich auch an ihm mag, ist dass der ganz verwurzelt ist in seiner Stadt. Der liebt München. Der ärgert sich auch immer ganz viel über München, aber da wo er ist, ist er sehr gerne. Das finde ich gut. Der ist  zufrieden.  
 
Gibt es Parallelen zwischen Ihnen und Ihrer Rolle? Der Name ist zumindest schon mal gleich, oder?
Der Name der ist im Laufe der Zeit einfach so mal hängen geblieben. Man hat ihn Basti genannt, weil ich auch der Basti bin. Im Film sind immer wieder Sachen drin, Kleinigkeiten aber nicht das große Ganze, dass ich sagen kann „ja, ich bin auch so und so“. Aber in jeder Szene steckt natürlich auch ein bisschen was von mir drin, die dem Zuschauer nicht auffallen, aber die mir persönlich wichtig sind, um mich auch einer Rolle zu nähern. 
 
Im Film sind Sie Rikschafahrer. Ist so eine Rikscha deutlich schwerer zu fahren – gewichtstechnisch – als ein normales Fahrrad?
Ja! Und diese besonders. Die sind zwar wahnsinnig schön, aber die haben keine funktionierende Gangschaltung und sind richtige Böcke gewesen, die wir da in dem Film hatten. Diese modernen Rikschas, die man ja überall sieht, die haben ja Gangschaltung und so und sind ganz anders gearbeitet. Ich habe mich wirklich mit allen Partnern am Set gut vertragen – nur mit meiner Rikscha nicht.  
 
Wie war die Zusammenarbeit mit Kollegen wie Heiner Lauterbach, Monika Gruber, etc.?
Gut, super, kein Problem. 
 
Hatten Sie mit der Erdinger Kabarettistin Monika Gruber viel Spaß am Set?
Ja, mit der Monika habe ich echt wahnsinnig viel Spaß gehabt. Es gibt so Menschen – wir kannten uns persönlich nicht – man wusste voneinander, man hat sich schon mal gesehen und so. Ich glaube, es hat bei der Leseprobe fünf Minuten gedauert, dann war klar, dass wir zwei uns mögen und uns echt gut vertragen. Und mit der hat man echt immer ganz, ganz viel Spaß. Das war schon super. 
 
Wie waren die Dreharbeiten in München? 
Spätsommer in München. Da ist alles gesagt. Ein Traum! Wie's halt immer so ist: Ab zweite Hälfte August wird’s ja erst richtig schön bei uns und es war herrlich. Wir haben wunderschöne Plätze gehabt, auch bekannte Plätze. Und natürlich ist es, wenn man Sonntag Nachmittag am Platzl dreht, ein bisschen nervig, weil da sehr viele Touristen sind. Aber großes Lob an die Location-Scouts und den Leuten, die die Drehorte klargemacht haben. Zum Beispiel, die Szene, in der ich ins Wasser hüpfe. Fast jeder denkt, das ist der Eisbach. Aber das war ein Nebenkanal von der Isar, in der Tierparkecke, ein wahnsinnig schöner Platz, den ich überhaupt nicht kannte. 
 
Warum sind Sie Schauspieler geworden?
Das war immer meine Leidenschaft. Das hat schon im Kindergarten angefangen  und dann im Gymnasium Schultheater und das war eigentlich das einizige was ich immer konsequent betrieben habe. Auch der Wunsch, dass ich auf eine Schauspielschule will, kam mit 13 oder so. Das hatte ich schon relativ früh für mich klargemacht. Mir macht das sehr viel Spaß: einerseits in sehr viel verschiedene Rollen zu tauchen, andererseits in verschiedene Projekte.  Konzentriert und sehr intensiv an einer Sache zu arbeiten. Und dann ist das gut und dann kommt das nächste. Das macht mir viel Freude.  
 
Welcher Film oder Serie Ihrer bisherigen Karriere waren diejenigen, die für sie ganz persönlich am wichtigsten waren?
Ich glaube, dass drei Sachen mir nachhaltig in der Karriere geholfen haben und die auch  Wendepunkte waren. Meine erste Hauptrolle, das war „Abschnitt 40“,  zunächst ein Pilotfilm, dann die Serie für RTL, die ja sehr gut war. Wir haben ja auch ein paar Mal einen Fernsehpreis gewonnen. Das zweite war sicher karrieretechnisch der „Tatort“ und da auch das Geschenk, dass ich mit Eva Matthes so oft drehen darf. Und das dritte war „Schwere Jungs“, weil das mein erster Kinofilm war.  Man kann ja noch so erfolgreich sein im Fernsehen, ins Kino ist es dann immer noch schwerer. Da hat der Rosenmüller mir die Chance gegeben, es ist gut gegangen und das war sicher sehr wichtig. 
 
Was machen Sie in Ihrer Freizeit?
Meine Frau und ich reisen gerne, jetzt sind die Reisen nicht mehr ganz so weit, denn seit einem Jahr haben wir einen Sohn. Ich koche gern und freue mich einfach, wenn ich zu Hause bin. Durch den Job bin ich viel unterwegs und in Hotels.  
 
Können Sie wirklich Tuba spielen – wie im Film?
Nein. Das war nur für den Film. Und da kriegt man dann –ganz absurd – Unterricht, dass es dann aussieht als ob. Es geht überhaupt nicht darum, einen Ton rauszukriegen, sondern es muss nur gut ausschauen. 
 
Wie sehen Ihre Pläne für die nächste Zeit aus?
Im Moment spiele ich Theater in Garmisch Partenkirchen, dann werde ich noch einen Tatort drehen und ansonsten versuche ich, mir in den Wintermonaten mal wieder länger freizunehmen. 
 
Am Sonntag sind Sie auf Ihrer Kinotour in Erding. Haben Sie zu unserer Stadt einen besonderen Bezug, durch die „Franzi“-Serie?
Ja, klar. Erding ist jetzt Heimspiel. Erding war immer sehr freundlich zu mir. Und das hat auch echt Spaß gemacht. Die haben „Franzi“ so nett angenommen. In der ersten Staffel war's noch nicht so, aber als das mal lief und wenn wir da gedreht haben, da waren wirklich immer alle sehr freundlich. Ich freue mich, nach Erding zu kommen, wo ja mein Modehaus Grüneis steht und eine Urweiße zu trinken.
Autor: Birgit Reinbacher

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