Die Wochenblatt App
26.09.2012 Erding

Das ganze Interview mit Norman Langen

Vom Sterbebegleiter zum Schlagerstar


Von der Palliativstation auf die Bühne: Die ungewöhnliche Karriere des Norman Langen.

Er musste nicht lange überredet werden, als im Sommer die Creme de la Creme des deutschen Schlagers zusammengetrommelt wurde, um in Erding für die Deutsche Kinderkrebshilfe ein großes Benefiz-Open Air zu bestreiten. Norman Langen (Bild o. li.) , 27 Jahre jung, gilt als eine der größten Hoffnungen in einer Branche, die immer wieder totgesagt wird, und immer wieder Auferstehung feiert. Kein Wunder also, dass das Benefiz-Spektakel im Erdinger Westen ein rauschender Erfolg wurde.

Ein Erfolg, der Wochenblatt-Medienberater Christian Herrmann (Bild o. re.) dazu angespornt hat, eine Zweitauflage in Angriff zu nehmen. Einer, der auf jeden Fall wieder dabei sein will, ist Norman Langen. Seinen Besuch auf dem Oktoberfest in München nahm er zum Anlass, einen Abstecher nach Erding in die Wochenblatt-Geschäftsstelle zu machen.

 

Wochenblatt (WB): Wie hat es dir gefallen auf der Wies’n?

Norman Langen: Es war sehr schön. Ich war im Hippodrom und die Stimmung war riesig. Es war ja nicht mein erster Besuch dort. Vor ein paar Jahren, mit 15, war ich schon einmal auf dem Oktoberfest. Aber heute ist das natürlich ganz etwas anderes.

 

WB: Für einen Schlagerstar hast du ja ein erstaunlichs Vorleben...

Langen: Eigentlich wollte ich schon als ganz junger Mensch Musiker werden. Aber dann habe ich mich erst einmal von Job zu Job gehangelt, bevor ich eine Schweißerausbildung gemacht habe. Weil ich lange nicht besonders mobil war – ich habe erst mit 26 den Führerschein gemacht – war es für mich quasi unmöglich, im erlernten Beruf weiter zu arbeiten. Meine Mutter – sie ist Betreuerin für Demenzkranke – brachte mich dann zu einem Praktikum in einer gerontopsychiatrischen Einrichtung. Ich machte eine Umschulung zum Sterbebegleiter und arbeitete drei Jahre in dem Beruf – bis ich zu „Deutschland sucht den Superstar“ kam.

 

WB: Vom Sterbebegleiter zum Schlagerstar, wie geht das?

Langen: Also das ist natürlich ein Riesen-Quantensprung, aber für mich ist es auch ein gewisser Ausgleich, auf die Bühne zu gehen. Und auch meine Frohnatur ist mir im vorherigen Beruf durchaus zugute gekommen. Es ist ja nicht so, dass ein Sterbebegleiter den ganzen Tag mit Trübsal im Gesicht durch die Station läuft. Im Gegenteil: Man soll seinen Patienten ja den letzten Lebensweg möglichst leicht machen und verschönern.

Musik ist da so eine Geschichte, um besonders schwere Momente zu überbrücken. Da hat es manchmal schon geholfen, wenn ich nur eine Melodie gesummt habe. Ich könnte mir auch durchaus vorstellen, wenn sich meine Bühnenkarriere einmal dem Ende zuneigt, wieder als Sterbebegleiter zu arbeiten.

 

WB: Vom Karriereende bist du aber weiter entfernt denn je, oder?

Langen: Ich denke schon. Gerade habe ich mein zweites Album fertig aufgenommen. Es wird „100 Prozent Norman“ heißen. Am 19. Oktober wird die erste Single daraus erscheinen, deren Titel ich allerdings noch nicht verraten will.

 

WB: Bleibt es beim Erfolgsrezept des Erstlings: Coversongs im deutschen Schlagergewand?

Langen: Also dem deutschsprachigen Pop-Schlager bleibe ich schon treu. Aber es wird sich auch vieles ändern. Unter den zwölf Stücken finden sich keine Covers mehr, sondern ausschließlich neue Songs. Außerdem wird sich auch auf der Bühne etwas ändern. Mein Auftritt soll eleganter werden, zwei Bühnentänzerinnen werden in Zukunft mit von der Partie sein.

 

WB: Du verdankst deinen Erfolg ja in hohem Maße deinen Auftritten bei DSDS. Verfolgst du die TV-Casting-Show heute noch?

Langen: Wenn ich Zeit habe: ja. Aber ich betrachte die Show heute durchaus mit gemischten Gefühlen. Als Teilnehmer weiß man ja, was sich hinter dem schönen Schein verbirgt; das ist ja alles nicht nur ein Zuckerschlecken.

 

WB: Hast du keine Angst, dass es dir ähnlich ergehen könnte wie vielen DSDS-Sternchen, die nach kurzer Popularität in der Versenkung verschwinden?

Langen: Also die DSDS-Überlebenszeit von einem Jahr habe ich überstanden und mein Terminkalender für das nächste Jahr ist auch schon wieder ganz schön voll. Gerade beim zweiten Album bin ich gespannt, ob es auch ohne DSDS-Hype funktioniert. Aber leben tue ich ohnehin nicht von den Plattenverkäufen, sondern von den Liveauftritten. Und da habe ich schon noch ein paar Jahre vor mir. Ich habe ein gutes Gefühl.

 

WB: Und wenn Christian Herrmann wieder zum Benefizauftritt nach Erding ruft?

Langen: Bin ich gerne wieder dabei. Auf der Bühne stehen und etwas Gutes tun – das ist mir sehr, sehr wichtig, da können wir viel bewegen.

 

 

Das ist Norman Langen
 
Er war 25 und arbeitete als Sterbebegleiter, als er sich ein Herz fasste und bei der RTL-Castingshow „Deutschland sucht den Superstar“ bewarb – praktisch ein Opa unter den singenden Teenies. Mit beherzt vorgetragenen Coverversionen von Wolfgang Petry oder DJ Ötzi schaffte er es 2011 immerhin auf Platz 7. Binnen drei Wochen wurde sein Debütalbum „Pures Gold“ aufgenommen, das es bis auf Platz 11 der Charts schaffte. Mit seiner Mixtur aus bekannten Partyschlagern ist Norman Langen seitdem gut im Geschäft, singt auf dem „Ballermann“ sowie auf Open Airs und in Diskotheken. Auch bei seinem Auftritt beim Wochenblatt Benefiz-Open Air  bewies der Beau aus Nordrhein-Westfalen seine mitreißenden Bühnenqualitäten.
Autor: Christian Blümel

Weitere Nachrichten aus dem selben Ort: