10.03.2011 Erding

Ökodemokraten geben sich überrascht von dem Eklat

Politischer Aschermittwoch: Erdinger Wirt wirft Frankenberger raus


Bernhard Rötzer bei Wochenblatt Online: „Dieser Mann ist ein rotes Tuch für die Gastronomie.“

Eklat beim Politischen Aschermittwoch in Erding: Der ÖDP-Kreisverband wollte am gestrigen Mittwochabend eigentlich eine Veranstaltung mit seinem Bundesvorsitzenden Sebastian Frankenberger im Gasthof zur Post abhalten. Wollte. Denn Post-Wirt Bernhard Rötzer machte kurzen Prozess mit dem Polit-Emporkömmling aus Passau, erteilte ihm Hausverbot und  warf ihn hinaus. Die ÖDP musste daraufhin umdisponieren und fand dann im Hotel Henry eine Ersatzherberge für ihren Aschermittwochsevent.

Rötzer ist nach dem Eklat nicht gut zu sprechen auf die Ökodemokraten. „Ich habe eigentlich kein Problem mit ihnen, aber da habe ich mich verschaukelt gefühlt.“ Die ÖDP habe bei ihm lediglich eine Abendveranstaltung angekündigt gehabt. Dass Frankenberger der Star des Abend und Redner sein solle, habe er erst „im letzten Moment mitbekommen“, so Rötzer. 
 
Für den Wirt keine Frage: „Dieser Mann ist ein rotes Tuch für die Gastronomie.“ Seine deutlichen Worte an den ÖDP-Bundesvorsitzenden: „Sie haben hier herinnen Hausverbot.“. Frankenberger habe anfangs verdutzt reagiert und dem Wirt entgegnet, dass er ihm kein Hausverbot erteilen könne.
 
Rötzer konnte allerdings sehr wohl und dann habe der ÖDP-Chef versucht, den Eklat zu seinem Vorteil umzumünzen. Rötzer: „Da hat er dann sein Handy herausgezogen und alle möglichen Zeitungen angerufen.“ Am Schluss habe Frankenberger dann auch noch ein Foto mit dem Wirt haben wollen, was Rötzer jedoch verweigerte. Dann zogen die ÖDPler von dannen.
 
Die Ökodemokraten sehen ihre Aschermittwochsveranstaltung in einer am heutigen Donnerstag ausgesandten Pressemitteilung als „überschattet vom Rauswurf des Hauptredners“. Die Ökodemokraten geben sich völlig überrascht: „Eine Begründung für diese überraschende Wendung des Abends gab es von Seiten des Gastwirtes nicht.“
 
Die liefert Bernhard Rötzer im Gespräch mit Wochenblatt Online nach: „Dieser Mann ist verantwortlich für das strenge Rauchverbot in Bayern; ein Stück Intoleranz, das ich nicht nachvollziehen kann.“ Der Gasthof zur Post sei zwar auch schon vor dem Volksbegehren zum Nichtraucherschutz ein rauchfreies Speiselokal gewesen. „Aber“, so Rötzer, „man muss als Wirt ja auch an die kleinen Kneipen und Raucherclubs denken, die mit dem Rauchverbot existenzielle Probleme haben.“   
 
ÖDP-Kreischef Stefan Treffler zeigte sich verwundert über das Vorgehen des Wirts. Frankenberger sei „nur der Kopf der Kampagne“ gewesen, „das Volksbegehren eine 100-prozentige Angelegenheit der ÖDP, hinter der wir auch heute noch voll und ganz stehen und die wir in jedem Fall wieder durchziehen würden.“ Vom Vorfall „durchaus berührt“, habe Frankenberger das Konzept seiner Rede umgestellt und im Hotel Henry „über fehlendes Demokratieverständnis und Demokratieverdrossenheit in Deutschland“ gesprochen.
 
Bei Rötzer steht seit dem Frankenberger-Rauswurf das Telefon nicht mehr still; sein E-Mail-Postfach quillt über. Was ihn besonders freut: „Rund 80 Prozent der Anrufer haben mir gratuliert – und es waren sogar ein paar ÖDPler dabei.“
Autor: Christian Blümel

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