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14.09.2012 Flughafen / Landshut

Drei Jahre und drei Monate für Schweizer Drogenkurier

Ecstasy und LSD für Brasilien, Kokain für Holland


Das ist eine neue kriminelle „Geschäftsidee”: Drogenkuriere werden nicht mehr nur für den Import heißer Ware eingesetzt, sondern auch für den Export, damit sich ihre Flüge praktisch doppelt bezahlt machen.

Ein am Flughafen festgenommener Kurier, der 25-jährige Hotelmanager Matthias H. aus der Schweiz packte jetzt aus und kam mit einer moderaten Freiheitsstrafe von drei Jahren und drei Monaten davon.

 
Der aus einer gut situierten Unternehmerfamilie aus der Nähe von Genf stammende 25-Jährige war am 7. März dieses Jahres bei einer Zwischenlandung auf dem Flughafen festgenommen worden, nachdem bei einer Kontrolle in seinen beiden Koffern insgesamt 2,8 Kilogramm Kokain vom Feinsten - der Wirkstoffgehalt lag bei rund 90 Prozent - gefunden worden waren.
 
Bereits bei seinen ersten Vernehmungen durch die Zollfahnder legte er ein überschießendes Geständnis ab und berichtete, dass er die Kurierflüge im Auftrag einer holländisch-brasilianischen Bande durchgeführt habe, die Kokain aus Südamerika nach Europa importierte und quasi im Gegenzug synthesische Drogen aus Europa nach Südamerika brachte. Und der Export war äußerst gewinnträchtig, wie ein Zollfahnder im Rahmen des Prozesses berichtete: Während hierzulande ein LSD-Trip nur wenige Euro kostet, wird in Brasilien dafür 20 Euro aufwärts bezahlt.
 
Matthias H., der in seiner Kindheit und Jugend mit seiner Familie auch einige Jahre in Brasilien gelebt hatte und nach seinem abgeschlossenen Studium zum Hotelmanager eine eigene Firma gründete, räumte ein, bereits mehrere Kurierflüge durchgeführt zu haben. Bereits im März 2011 habe er ca. 10 000 Stück Ecstasy-Tabletten nach Sao Paulo gebracht, dort dafür umgerechnet rund 5000 Euro an „Lohn” erhalten. Beim Rückflug etwa zwei Wochen später habe er dann etwa zwei Kilogramm Kokain für Amsterdam im Gepäck gehabt. Das habe ihm noch einmal 5000 Euro Kurierlohn eingebracht.
 
Im September und Dezember 2009 seien weitere Kurierflüge im gleichen Umfang über die Bühne gegangen - da habe er in Folie und Plastikbehältnisses verpackte Drogen im Gepäck nach Sao Paulo gehabt. Mit größer Wahrscheinlichkeit, so der Drogenfahnder vor Gericht, dürfte es sich um etwa 2500 LSD-Trips gehandelt haben, für die es in Brasilien ebenfalls einen großen Markt gebe.
Aber nicht nur über seine eigene Aktivitäten packte der 25-Jährige aus, sondern auch über die Hintermänner der Organisation. Dank seiner Angaben konnte u.a. der Kopf der brasilianischen Bande festgenommen werden, außerdem gab es in der Zwischenzeit weitere Verhaftungen von Kurieren, die ebenfalls im „Export-Import-Geschäft” tätig waren.
 
Vor der 5. Strafkammer berichtete der Schweizer, dass er über einen brasilianischen Freund, den er in Amsterdam besucht habe, an die Bande geraten sei. Der Freund habe Schulden gehabt und sei deshalb unter Druck gesetzt worden: „Er hat mich dann gebeten, für ihn einen Koffer nach Brasilien zu transportieren, damit er seine Schulden los werde.” Als ihm dann für den Rückflug wieder ein Koffer übergeben worden sei, habe er sich schon gedacht, dass sich darin Kokain befinden könnte.
 
Nach seiner Rückkehr sei dann sein Freund untergetaucht gewesen. „Die Bande hat mich dann für seine Schulden haftbar gemacht, mich und meine Familie bedroht”, bekundete der Hotelmanager. Auch das bestätigte der Zollfahnder: Es habe E-Mails mit Drohungen beispielsweise an die Schwester des 25-Jährigen gegeben.
 
Angesichts des Geständnisses und der erheblichen Aufklärungshilfe, mit der - wie Verteidiger Dr. Florian Ufer deutlich machte - Matthias H. auch ein großes Risiko eingegangen sei, kam es zwischen den Prozessbeteiligten zu einer Verständigung, das ihm letztlich für die illegalen Einfuhren und die Beihilfe zum Handeltreiben die moderate Strafe von drei Jahren und drei Monaten sicherte.
 
„Die Zusammenarbeit mit den deutschen Strafverfolgern war eine kluge Entscheidung, das milde Strafmaß lässt alle Zukunfsperspektiven offen”, so Vorsitzender Richter Theo Ziegler. Der Hotelmanager hatte sich in seinem letzten Wort vor allem auch bei seinen beim Prozess anwesenden Eltern entschuldigt und beteuert, aus dem Verfahren vor allem Lehren für seine künftige Rolle in der Gesellschaft gezogen zu haben. 
Autor: ws

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