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13.07.2012 Kirchberg / Landshut

Pensionist wollte für falsches Buch nicht blechen

4.050 Euro für Bücherlieferung bezahlt


Dafür hätte er eine kleine Bibliothek anschaffen können: 4.050 Euro Strafe muss ein 66-jähriger pensionierter Polizeibeamter aus Kirchberg berappen, weil er die Rechnung für eine Bücherlieferung nicht bezahlte.

Der 66-Jährige, der im eigenen Haus lebt und nach eigenen Angaben eine Pension von 1.700 Euro bezieht, hatte im Januar 2010 per Fax bei einem Versand mehrere Bücher zum Gesamtpreis von 115 Euro bestellt. Die wurden dann Ende des Monats auch ausgeliefert. Doch die Rechnung blieb unbezahlt, auf Mahnungen reagierte der Pensionist nicht und auch ein Mitarbeiter eines Inkassobüros musste unverrichteter Dinge abziehen.

 
Wegen Betrugs landete der Ex-Polizist auf der Anklagebank vor der 2. Strafkammer des Landgerichts Landshut. Dort versuchte er, das Missverständnis aufzuklären: Seit Jahren sei er bei dem Buchversand Kunde, habe seine Rechnungen auch immer pünktlich bezahlt. Bei der damaligen Bestellung sei ihm aber statt des von ihm georderten Jagdlexikons ein Buch über das „Deutsche Seezeichenwesen” von Autor Gerhard Wiedemann für 30 Euro geliefert worden.
 
„Ich bezahle doch nicht ein Buch, das ich nicht bestellt habe”, so der Ex-Polizist im Brustton der Überzeugung. Er habe gedacht, dass man die Angelegenheit auf dem zivilrechtlichen Weg regeln könne: „Dass gleich Anzeige erstattet wird, ist mir unbegreiflich, schließlich wird bei einem Hausbau auch nicht bezahlt, auch wenn nur kleinere Mängel festgestellt werden.” Immerhin habe er später weitere Bestellungen aufgegeben und die seien anstandslos geliefert worden. Außerdem habe er inzwischen die monierte Rechnung bezahlt – allerdings nur die 80 Euro für die von ihm auch tatsächlich bestellten Bücher.
 
Die Kammer verhängte, wie von Staatsanwältin Constanze Gastroph beantragt, wegen Betrugs eine Geldstrafe von 90 Tagessätzen à 45 Euro, insgesamt also 4.050 Euro. Der Pensionist, so Vorsitzender Richter Eugen Larasser, hätte zumindest die von ihm bestellten und richtig gelieferten Bücher bezahlen müssen. Den Betrag für das „Seezeichenwesen” hätte er ruhig einbehalten können, daraus hätte ihm niemand einen Strick gedreht. Der Ex-Beamte sei zwar gut situiert, so dass bei ihm keine Zahlungsunfähigkeit vorgelegen habe. Ein Betrug sei es dennoch, weil er zahlungsunwillig gewesen sei.
 
Die spürbare Geldstrafe begründete der Richter auch mit der einschlägigen Vorstrafe des 66-Jährigen: Da hatte er  noch eine Monatsrente seiner gerade verstorbenen Mutter kassiert. Und auch das war als Betrug verurteilt worden. 
Autor: ws