26.06.2012 Taufkirchen / Landshut


21-Jährige im Tiefschlaf sexuell missbraucht






Den alkohol- und übermüdungsbedingten Tiefschlaf einer 21-Jährigen aus der Gemeinde Steinkirchen hat der 30-jährige beninische Elektriker Mohamed I. aus München ausgenutzt, um sie sexuell zu missbrauchen.

Die 4. Strafkammer des Landshuter Landgerichts verurteilte ihn nach zwei Verhandlungstagen zu einer Freiheitsstrafe von dreieinhalb Jahren.

 
Der vielfach u.a. wegen Eigentums-, Drogen- und Körperverletzungsdelikten vorbestrafte Mohamed I. und sein Taufkirchener Freund waren in der Nacht zum 3. März letzten Jahres mit der 21-Jährigen und ihrer Freundin auf Discotour.  Zwischen dem Beniner, der sich von seiner Ehefrau getrennt hatte und der Steinkirchenerin gab es eine wenige Wochen alte Liebesbeziehung, die sich bis dahin allerdings noch auf Schmusereien und intime Streicheleinheiten beschränkte. 
 
Auf der Discotour in jener Nacht gab es allerdings Ärger, als die 21-Jährige ihren Ex-Freund traf und danach den Elektriker zunächst einmal links liegen ließ. Der machte sich dann auch allein auf den Heimweg. Als dann auch das Trio in der Taufkirchener Wohnung des Freundes eintraf, landete die 21-Jährige auf einer Matratze neben ihm im Schlafzimmer, während sich der Hausherr und dessen Freundin in einen anderen Raum zurückzogen.
 
Die 21-Jährige, die von der Arbeit weg auf die Discotour gegangen war, fiel völlig übermüdet und auch erheblich alkoholisiert – die spätere Rückrechnung ergab bis zu 1,7 Promille – in einen Tiefschlaf, aus dem sie durch starke Schmerzen im Intimbereich aufschreckte. Sie war teilweise entkleidet, blutete im Vaginalbereich und entdeckte Spermaspuren. Für sie die schreckliche Gewissheit: Sie war sexuell missbraucht worden.
 
Sie alarmierte ihre Freundin und begab sich mit der zunächst in ein Landshuter Krankenhaus, wo sie sich die „Pille danach” verschreiben lassen wollte. Erst auf Anraten der Ärztin, der sie von den nächtlichen Ereignissen berichtete, erstattete sie dann Anzeige. Der nächste Schock kam im Laufe des Ermittlungsverfahrens: Da erfuhr sie, dass Mohamed I. an Hepatitis B erkrankt war. Glücklicherweise war sie aber dagegen geimpft.
 
Der Elektriker, der mit 18 Jahren als Asylbewerber nach Deutschland gekommen war und nach zwei – jeweils gescheiterten – Ehen mit deutschen Frauen ein Bleiberecht bekam, war zunächst nicht greifbar. Nach seiner Schilderung hatte er Urlaub in seiner Heimat gemacht und dort von den „schweren Vorwürfen” erfahren. Trotzdem habe er sich zum Rückflug nach Deutschland entschlossen und sei dann in Frankreich festgenommen und ausgeliefert worden.
 
Die Anklagevorwürfe, die auf schweren sexuellen Missbrauch einer Widerstandsunfähigen, Körperverletzung sowie versuchter schwerer Körperverletzung (wegen der Hepatitis-Infektionsgefahr für das Opfer) lauteten, bestritt er. Der Geschlechtsverkehr in jener Nacht sei einvernehmlich erfolgt, der 21-Jährigen habe er bereits zuvor einmal von seiner Krankheit erzählt und die habe ihm bekundet, dass sie geimpft sei. Das Opfer bestätigte bei seiner Vernehmung unter Ausschluss der Öffentlichkeit dagegen ihre der Anklage zugrunde liegende Version und vor allem auch, dass sie von seiner Hepatitis-Erkrankung erst bei einer polizeilichen Vernehmung erfahren habe.
 
Die 4. Strafkammer hatte keinerlei Zweifel an ihrer Glaubhaftigkeit und verhängte gegen Mohamed I. eine Freiheitsstrafe von dreieinhalb Jahren. Damit blieb das Gericht nur geringfügig unter dem Antrag von Staatsanwalt Clemens Albert und Anwältin Susanne Lang, die die als Nebenklägerin auftretende 21-Jährige vertrat: Beide hatten drei Jahre und zehn Monate beantragt. Auf Freispruch plädierte dagegen Verteidiger Michael Sack. Er argumentierte, dass es keinerlei objektiven Beweise für die Widerstandsunfähigkeit der 21-Jährigen gebe und die letztlich auch nicht ausschließen konnte, doch von seiner Hepatitis-Erkrankung gewusst zu haben.
 
Die Kammer, so Vorsitzender Richter Theo Ziegler, sei nach der Beweisaufnahme überzeugt, dass sich die 21-Jährige aufgrund ihrer Alkoholisierung und Übermüdung in einem Tiefschlaf befunden habe. Ihre Wehrlosigkeit habe Mohamed I. ausgenutzt, um ihr durch den sexuellen Missbrauch seine Missachtung kund zu tun, dass sie ihn nach dem Zusammentreffen mit ihrem Ex-Freund negiert habe. Für die Glaubwürdigkeit der 21-Jährigen spreche neben objektiven Beweisen wie die Verletzung im Intimbereich, dass sie bei ihren Aussagen keinerlei Belastungseifer an den Tag gelegt und auch keinerlei Motiv für eine Falschbelastung gehabt habe.
Autor: ws
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