FSME-Erkrankungen kommen in allen Altersgruppen vor. Im schlimmsten Fall sind dauerhafte Schäden - wie Lähmungen, Schluck- und Sprechstörungen - oder Tod die Folge. "Ähnlich den Vorjahren mussten 82 Prozent der Erkrankten stationär behandelt werden. Bei etwa einem Drittel war das zentrale Nervensystem beteiligt", erläutert Dr. Wolfgang Hautmann vom Bayrischen Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL).
"Schwere Verläufe sind besonders oft bei Männern ab 40 zu beobachten, kommen aber - jedoch seltener - auch bei Kindern vor", ergänzt Dr. Rainer Oehme vom Landesgesundheitsamt Baden-Württemberg.
Die Gesundheitsämter melden die aufgetretenen Fälle dem RKI, das unter anderem Ort und Zeit der Infektion prüft. Auf dieser Grundlage weist das RKI dann die Risikogebiete für FSME aus. Sie liegen vor allem im südlichen Teil Deutschlands: in Bayern und Baden-Württemberg, Südhessen und Südthüringen. "Einzelfälle außerhalb der Risikogebiete treten immer wieder auf. Die werden besonders genau überprüft", erklärt Hautmann. 38 Menschen infizierten sich den RKI-Angaben zufolge im letzten Jahr in Nicht-Risikogebieten. Allein Schleswig-Holstein und Bremen blieben FSME-frei. Hinzu kommt: "Die tatsächliche Zahl der Menschen, die sich durch Zeckenstich mit FSME infizieren, ist Schätzungen zufolge zehnmal so hoch wie die Anzahl der gemeldeten Fälle. Viele Infektionen verlaufen mild, etwa wie eine Sommergrippe, so dass diese nicht vom Arzt untersucht werden", so Oehme.
Für Bayern gibt Hautmann daher die Empfehlung: "Im Prinzip sollte sich jeder, der sich in Bayern aufhält, gegen FSME impfen lassen. Bei der heutigen Mobilität gilt das nicht nur für Menschen, die in den Risikogebieten leben." Auch Oehme sieht nicht allein die örtliche Bevölkerung in der Pflicht: "Besonders viele Infektionen gibt es im Südschwarzwald und am Bodensee. Das sind gleichzeitig beliebte Ausflugsziele." Durch höhere Impfraten ließen sich Erkrankungen verhindern. "Es gibt aber noch genügend Ungeimpfte, sodass Häufungen wie im letzten Jahr immer wieder auftreten", erklärt Hautmann. "Auffällig ist, dass selbst Menschen, die in Risikogebieten leben - und die Gefahr kennen müssten - trotzdem nicht oder nur unvollständig geimpft sind. Die erkranken dann - zum Teil auch schwer. Dabei sind das eigentlich vermeidbare Erkrankungen."
Einen Grund für die Zunahme der FSME-Fälle sehen Experten im schönen Wetter im Frühjahr und Herbst letzten Jahres. "Hier spielt aber nicht nur die starke Zeckenaktivität eine Rolle. Entscheidend ist, wie viel die Leute draußen sind", sagt Hautmann. Ähnlich sieht es Oehme: "Dass wir so viele Erkrankungen haben, liegt vor allem am Verhalten der Menschen. Bei schönem Wetter kommt es vermehrt zu Kontakten mit Zecken."
Mit Prognosen für das laufende Jahr tun sich die Experten schwer, da hier viele Faktoren von Bedeutung sind: neben dem Wetter und der Zeckenzahl eben das Freizeitverhalten der Menschen. Allerdings, so Hautmann: "Wissenschaftler beobachten oft einen zyklischen Verlauf bei den FSME-Infektionen. Alle paar Jahre tritt demnach eine Häufung auf. Nach der FSME-Welle 2005/2006 könnte sich die Tendenz aus 2011 in diesem Jahr fortsetzen. Ob dem tatsächlich so ist, bleibt abzuwarten."
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