26.02.2014 Plattling

Edle Klingen

Plattlinger fertigt kunstvolle Damastmesser in Handarbeit


Foto: Rainer Auer
Bei Christian Ernst ist jedes Messer ein Unikat.

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Vor allem Jäger und Köche schätzen die hochwertigen Messer aus der Schmiede des Plattlingers Christian Ernst.
„Das Thema Messer hat mich schon als kleiner Junge fasziniert“, so der 43-jährige Ernst, „dabei habe ich mehr oder weniger schneidende Erfahrungen gemacht. Dadurch wurde mein Interesse und meine Leidenschaft an Schneidwerkzeugen nur noch mehr geweckt.“

 

Seit dem Jahr 2010 fertigt der geschickte Ernst, der im Hauptberuf Hausmeister ist, kunstvolle Messer in Einzelanfertigung. Viel musste er dabei durch Versuch und Irrtum lernen, bis er mit dem Ergebnis seiner Arbeiten zufrieden war. „Es war ein oft langer Weg, der mir allerdings geholfen hat, meinen eigenen Stil zu finden“, so Ernst.

 

Die Wurzeln seiner Arbeit bei der Herstellung von Messern aller Art sieht er in der Tradition der Waffen-Kunstschmiede. Vor allem die Waffen der Wikinger und der Samurai haben es Ernst dabei besonders angetan.

 

Im Laufe der Jahre hat sich Ernst ein umfassendes Wissen im Bereich der Metallurgie angeeignet. Der Tausendsassa stellt neben den Messern auch die Lederscheiden für die scharfen Klingen her. „Ob Jagd- oder Kochmesser – jedes wird individuell gestaltet und von mir selbst geschaffen, geschmiedet, geschliffen, gefeilt und gehärtet“, so Ernst nicht ohne Stolz.

 

„Trotzdem steht für mich der Gebrauchswert eines Messers im Vordergrund, sie sollen nicht nur durch ihre Schönheit, sondern auch durch ihre Langlebigkeit überzeugen“, so Ernst fast schwärmerisch. Scharf wie Rasiermesser präsentieren sich seine Messer und kunstvoll sind sie obendrein. Mit edlen Griffen versehen, die nicht selten durch seine Ehefrau Silvia mühevoll und langwierig mit einer Punktier-Ritztechnik, genannt Scrimshaw, verziert werden.

 

Edle Klingen mit kunstvollen Griffen

Bei den Griffen finden nicht selten Materialien wie fossiles Elfenbein, Horn, Knochen oder edle Hölzer Verwendung. Jedes seiner Messer ist ein Einzelstück, in dem etliche Stunden harter Arbeit liegen. Eine Spezialität von Ernst sind Messer aus Damaszenerstahl. Darunter versteht man einen Schweißverbundstahl, der schon im Mittelalter sehr beliebt und begehrt war. Aufgrund der organischen Maserung dieser Klingen sprach man damals auch von warmbunten Klingen. Diese Kunst des Stahlfaltens war selbst den Wikingern schon bekannt und durch diese alte Technik erhalten die Messer aus der Schmiede von Christian Ernst ihren individuellen Charakter, der sie von Massenprodukten unterscheidet.

 

Neben der schönen Optik dieser Messer legt Ernst aber viel Wert auf die Schnitthaltigkeit, die durch den selbst geschmiedeten Leistungsdamast gewährleistet wird.

 

Viele Stunden verbringt Ernst in seiner Werkstatt. „Oft werde ich gefragt, wieviel Zeit ich brauche für ein Messer“, so Ernst, „dann sage ich immer: bis es nach meinen Vorstellungen fertig ist. Wenn ich die Zeit aufgeschrieben hätte, würde ich sicher kein Messer mehr machen.“ Dann wollen wir hoffen, dass Ernst sich auch in Zukunft die Zeit für die Fertigung nicht notiert, denn dann werden seine Messer, die fast schon eine Seele haben, noch vielen Menschen Freude bereiten.

Autor: AR
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