08.11.2010 Deggendorf
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Tragische Verzweiflungstat

Castor-Transport: Polizist aus Deggendorf erschoss sich

Castor-Transport
Foto: Bundespolizei
Die Belastung scheint einfach zu groß gewesen zu sein. Der 50-jährige Hauptkommissar Michael B. aus Deggendorf hat sich beim Castor-Einsatz in Niedersachsen mit seiner Dienstwaffe erschossen. Der 50-jährige Hauptkommissar hinterlässt zwei Söhne.

Die Bundespolizei Deggendorf, die mit der gesamten Abteilung den umstrittenen Castor-Transport nach Gorleben schützt, ist fassungslos. Der Beamte, der sich in seiner Unterkunft das Leben nahm, hinterließ einen Abschiedsbrief. „Wir sind geschockt“, sagt der Pressesprecher der Bundespolizeiabteilung Deggendorf, Karl Sagerer. Die Tat habe sich überhaupt nicht im Vorfeld abgezeichnet.

 

Die Einsatzleitung in Lüchow-Dannenberg erklärte, ein dienstlicher Zusammenhang sei nicht erkennbar. Die Motive für diese Verzweiflungstat dürften im privaten Bereich liegen. Dennoch ist laut der Bayerischen Polizeigewerkschaft klar, dass die Beamten im niedersächsischen Wendland enormen Belastungen ausgesetzt sind. Anstrengende, langwierige Einsätze hätten auch Einfluss auf das soziale Umfeld der Beamten. Der 50-jährige Polizist aus Deggendorf hinterlässt neben seiner Lebensgefährtin zwei Söhne.

 

"Die Nachricht vom plötzlichen Tod des allseits beliebten und geschätzten Bundespolizeibeamten ist unfassbar für die Angehörigen der Bundespolizei. Sie trauern um einen lieben, loyalen und wertvollen Menschen und Mitarbeiter“, heißt es in der offiziellen Pressemitteilung der Bundespolizei Deggendorf. „Ihre Anteilnahme gilt seinen beiden Söhnen und der Lebensgefährtin.“ Noch am Montag wurde im Foyer des Wirtschaftsgebäudes ein Kondolenzbuch aufgelegt und zum Gedenken an Michael B. eingeladen. Die Trauerfeier mit anschließender Beerdigung findet am Freitag, 12. November, um 10 Uhr in der Stadtpfarrkirche Maria Himmelfahrt in Deggendorf statt.
 
Michael B. war seit Oktober 1980 Angehöriger des Bundesgrenzschutzes – der heutigen Bundespolizei. Der gebürtige Husumer absolvierte nach seiner Einstellung am 1. Oktober 1980 bei der Grenzschutzabteilung A Küste 1 und Grenzschutzschule Lübeck die Ausbildung für den gehobenen Dienst und wurde am 1. Oktober 1983 zum Polizeikommissar im BGS ernannt. Gleichzeitig wurde ihm die Diplomurkunde „Diplom-Verwaltungswirt“ verliehen. Während seiner Dienstzeit war er zunächst zwei Jahre als Zugführer bei der 1. Grenzschutzabteilung Süd 4 (Nabburg), ehe er am 1. Oktober 1985 nach Deggendorf versetzt wurde und als Zugführer des Aufklärungszuges Verwendung fand.
 
Von April 1991 bis August 1998 war er als Fachlehrer im Vorbereitungsdienst  der Anwärter für den mittleren Polizeivollzugsdienst bei der Grenzschutzabteilung A Süd 2 beziehungsweise Schule des Grenzschutzpräsidiums Süd tätig. Auch als Teamtrainer bei Seminaren zur Konfliktbewältigung und Verhaltenstraining hat er zahlreiche Lehrgänge und Seminare im gesamten bayerischen Raum durchgeführt.
 
Am 1. September 1998 wurde der zwischenzeitlich zum Polizeihauptkommissar ernannte Michael B. Einheitsführer der Beweissicherungs- und Dokumentationseinheit Deggendorf und am 1. Januar  2005 zugleich auch als stellvertretender Einheitsführer der Unterstützungseinheit der Bundespolizeiabteilung Deggendorf beauftragt.
 
Seit Januar 2007 ist er als Sachgebietsleiter Aus- und Fortbildung beziehungsweise ab November 2008 als Sachgebietsleiter Lage und Öffentlichkeitsarbeit im Stab der Bundespolizeiabteilung  Deggendorf eingesetzt. Foto- und Videografieren waren seine Hobbies. Mit großer Leidenschaft war er auch bei einer Deggendorfer Volleyballgruppe aktiv.


Autor: Hannes Lehner

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