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16.10.2012 Deggendorf
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Meine Welt


Der Sprung

Für den charismatischen RedBull-Boss Didi Mateschitz muss der vergangene Sonntag wahrlich (wel)traumhaft gewesen sein. Erst rasen Sebastian Vettel und Mark Webber mit seinen roten Bullen in Südkorea zum viel umjubelten Doppelsieg in der Formel 1, und wenige Stunden später stürzt sich dieser Teufelskerl Felix Baumgartner doch tatsächlich in seinen Diensten aus über 39.000 Metern Höhe auf die Erde herunter und fliegt dabei als erster Mensch überhaupt Überschallgeschwindigkeit. Extremsportler Baumgartner, der Alpen-Adrenalinjunkie, hat für diese weltweit beachtete Aktion wieder einmal Kopf und Kragen riskiert und seinem Sponsor damit wieder einmal Flügel verliehen. Als Baumgartner zwischenzeitlich arg ins Trudeln geriet, trieb es selbst den sensationsgeilen TV-Zuschauern aus aller Welt – mich inbegriffen – den Angstschweiß auf die Stirn, denn spätestens zu diesem Zeitpunkt war klar, dass diese Aktion auch schnell hätte schiefgehen können. Die dramatischen Folgen möchte ich mir jetzt erst gar nicht ausmalen.

 

Warum macht ein Mann so etwas? Ist so eine Aktion vor Lebensgefährtin, Eltern und Verwandten überhaupt noch mit dem Drang nach dem ultimativen persönlichen Kick zu rechtfertigen? Offenbar tat sich selbst der tollkühne Felix damit sehr schwer. So musste er wohl bereits im Vorfeld das Versprechen abgeben, dass er nach diesem Sprung den Extremsport endgültig an den Nagel hängen wird. Für Baumgartner war es der letzte große Kick, der Eintrag in die Geschichtsbücher ist ihm sicher, doch was bleibt sonst von dieser irren Aktion?

 

Die großen neuen wissenschaftlichen Erkenntnisse wird man daraus jedenfalls nicht ziehen. Das stand aber im Gegensatz zum Sprung des US-Piloten Joseph Kittinger – der bisherige Rekordhalter – im Jahre 1960 auch nicht im Fokus. Bei Baumgartners Sprung ging es nicht um die heldenhafte Forschung an neuen, möglicherweise lebensrettenden, Fallschirmsystemen. Wenn Baumgartner mit seiner irren Aktion überhaupt irgendetwas gerettet hat, dann höchstens das Ego von RedBull-Boss Mateschitz. Die geschätzten 50 Millionen, die der Konzern-Boss für das waghalsige Sprungprojekt locker gemacht hat, sollten sich jedenfalls ausgezahlt haben. Über 360 Millionen Zugriffe verzeichnete alleine der extra eingerichtete Youtube-Kanal. Der verrückte Felix hat dem Konzern damit die wohl beste Imagekampagne aller Zeiten beschert, die letztendlich nichts anderes vermitteln soll als: Trinke RedBull und die ganze Welt liegt dir zu Füßen! Ein Wunder also, dass Baumgartner sich vor dem Asprung nicht noch schnell eine Dose des zuckersüßen Energiegetränks aufgemacht hat – es war wohl technisch nicht machbar. Vielleicht hat er – so abwegig das klingen mag – aber auch etwas mit mir gemeinsam und es schmeckt ihm einfach nicht.
 

Autor: Martin Bauer