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02.10.2012 Deggendorf
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Meine Welt!


„Fairplay“

Geht’s Ihnen auch so? Ich jedenfalls kann das Wort „Fairplay“ mittlerweile echt nicht mehr hören. Ständig wird’s uns vor großen Fußballspielen in aufwändig produzierten Spots vorgepredigt – Fairplay ist das „A“ und „O“ im Fußball. Amen! Damit das auch wirklich jeder kapiert, müssen das auch die Spieler immer mal wieder vor dem Anpfiff ins Stadionmikrofon stottern. Total albern find’ ich das, wenn so genannte Weltstars dann total ins Schwimmen kommen, wenn sie mal drei ganze Sätze von einem Kärtchen ablesen müssen. Ich bin mir nicht sicher, ob die beim Leseunterricht einfach zu oft gefehlt haben, oder ob’s doch am schlechten Gewissen liegt, weil’s in der Spielpraxis nunmal gar nicht weit her ist mit der Fairness. Versteckte Fouls – die vom bekannten Kommentatoren-Adel so gerne zu den berühmten „Nicklichkeiten“ gemacht und damit verharmlost werden – wohin man sieht, oder besser gesagt, wo es der Schiedsrichter eben gerade nicht sieht.


Liegt ein Team dann erst einmal in Führung, werden die „taktischen Besprechungen“ vor Standardsituation schon merklich ausführlicher. Wird ein Spieler dann in der 85. Minute gar von einem gegnerischen Schnürsenkel sanft gestreichelt, geht es erst einmal in Weitspringer-Manier ab in die Lüfte um anschließend Purzelbäume zu schlagen. Dass dabei generell beide Hände schützend vor das gepuderte Amateur-Model-Gesicht gehalten werden, gehört mittlerweile zum guten Ton. Der Schiri pfeift dann meist zuverlässig und trotzdem bleibt man erstmal ein Weilchen liegen um den sterbenden Schwan zu markieren. Das macht man natürlich nur so lange, bis der Mannschaftsarzt gerufen wird. Dann setzt es regelmäßig Wunderheilungen, die selbst Jesus Christus noch vor Neid erblassen lassen würden. Wenn’s um Tore geht, heiligt der Zweck dann ohnehin alle Mittel. Da wird dann schon auch mal die „Hand Gottes“ ausgefahren, um das Leder irgendwie über die Linie zu drücken, wenn’s anders nicht mehr geht.


Apropos „Hand Gottes“: Letzte Woche hat sich schier Unglaubliches zugetragen: In der italienischen Serie-A wurde uns ein neuer Fairplay-Held geboren! Es ist ein Deutscher! Wir sind Fairplay! Unser Sturmveteran Miro Klose hat sich doch tatsächlich ein bereits gegebenes Tor höchstselbst wieder aberkennen lassen. „Was für eine große Geste, was für ein toller Sportsmann!“, jubelte es aus dem Blätterwald. Jetzt mal einen Querpass gespielt: Ist es wirklich so fair, wenn man einen Ball absichtlich mit der Hand ins Tor bugsiert und es dann anschließend unter dem Druck der TV-Bilder und aufgebrachter Gegenspieler zugibt? Sollte dies nicht vielmehr eine Selbstverständlichkeit sein nach einer derartigen Verfehlung? Sollte es nicht Kritik statt Lob hageln? Ist das mittlerweile die praktizierte Definition von „Fairness“ in unserer Gesellschaft?


 

Autor: Martin Bauer