12.09.2017 Deggendorf/Regen
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Kommentar der Woche


Wenn Brot zum Himmel stinkt

Woran denken Sie, wenn Sie den Duft von frisch gebackenen Brot oder warmen Brezen in der Nase kitzelt? Läuft Ihnen dann nicht das Wasser im Mund zusammen? Bekommen sie nicht Appetit auf mehr? Bei mir weckt dieser Duft Kindheitserinnerungen. Denn meine Oma hat Jahrzehnte ihr eigenes Brot gebacken. Im Holzofen natürlich und deshalb lasse ich auch heute noch für frisches Brot alles liegen und stehen und beiße herzhaft zu ... Das der Duft von frischen Backwaren Streit auslöst, darauf wäre ich nicht im Traum gekommen. Doch in Rottach-Egern am Tegernsee gibt es diesen Streit um das tägliche Brot. Ein Ehepaar stört sich am Duft der Backwaren. Den Anwohnern stinkt die Bäckerei gewaltig. Sie fühlen sich derart gestört, dass sie einen Anwalt eingeschaltet haben. Ich muss mich da wirklich fragen: Seit wann stinkt frisches Brot? Ich kann mich nicht erinnern, je eine Kundschaft im Bäckerladen gesehen zu haben, die beim Betreten oder Verlassen des Geschäftes die Nase gerümpft und gesagt hat „Das Brot stinkt aber.“ Eher zaubert sich ein freudiges Lächeln auf die Gesichter der Kunden, wenn sie zum Beispiel in eine noch warme Laugenbreze beißen. Gestank ist doch wirklich etwas anderes oder?

 


Zum Beispiel wenn mein Nachbar, ein Bauer mit weit über 120 Kühen, mit seinem Güllefass über die Wiesen fährt und die Exkremente seiner Rinder auf den Grünflächen rund um unser Dorf verteilt. Das würde ich als Gestank bezeichnen oder zumindest als Geruchsbelästigung. Aber ich lebe nun mal auf dem Land und da kommt es halt schon mal vor, dass ein Bauer in bestimmten Monaten des Jahres mit dem Güllefass rumfährt. Sollte ich mir einen Anwalt nehmen?


Man muss sich wirklich manchmal die Frage stellen, wo wir hingekommen sind. Da werden Beschwerden und Klagen eingereicht wegen bimmelnder Kuhglocken, störrendem Kirchengeläut oder sogar zu lautem Kindergeschrei. Manchmal frage ich mich, ob die Leute nichts Besseres zu tun haben, als sich über solche Dinge aufzuregen.

 


Da nehme ich mir lieber die Zeit, kaufe mir eine Tasse frischen Kaffee, dazu eine frische, warme Breze oder Semmel und lasse mich vom Duft der Beiden verführen ...

Autor: Melanie Fisch