Wochenblatt
29.11.2011 Traunstein / München

Schuhbeck gegen Schuhbeck

Starkoch geht gegen Religionslehrer vor


Kurioser Streit um eine Internet-Domain: TV-Koch Alfons Schuhbeck verklagt den Traunsteiner Religionslehrer Sebastian Schuhbeck. Es geht um www.schuhbeck.com. David gegen Goliath.

Der Meisterkoch Alfons Schuhbeck geht gerichtlich gegen den Lehrer Sebastian Schubeck aus Traunstein vor. Dieser betreibt seit 2004 in seiner Funktion als Bayerischer Landesbeauftragter für Computereinsatz im Religionsunterricht die Homepage www.schuhbeck.com. Man findet darauf Infos über den Einsatz von Internet und Multimedia im Religionsunterricht. Genau diese Web-Domain ist nun der Zankapfel im kuriosen Streit Schuhbeck gegen Schuhbeck.

 

Verletzt Sebastian Schuhbeck die Markenrechte des Star-Kochs?


Der Lehrer soll die Domain frei geben und sie dem Star-Koch überlassen. Dieser hat nämlich im Januar 2010 den Namen Schuhbeck als Europamarke schützen lassen. Jetzt muss das Landgericht München I am 6. Dezember entscheiden, ob Sebastian Schuhbeck die Markenrechte des Star-Kochs verletzt, indem er seinen Familiennamen als Domain-Namen verwendet. Kaum vorstellbar, aber wahr. Fast absurd erscheint das Argument, Sebastian Schuhbeck habe den Domain-Namen nur gewählt, um mehr Besucher auf seine Homepage zu locken.



Ein Blick zurück: Der Zank begann im März 2010. Damals verlangte Alfons Schuhbecks Marketing-Abteilung von dessen Namensvetter schriftlich die Herausgabe der Internet-Adresse www.schuhbeck.com.

 

 

Ist Alfons Schuhbeck so bekannt wie Shell?

 

Weil auch im Netz gilt ‘Wer zuerst kommt, mahlt zuerst’, hat man mit solch einem Ansinnen in der Regel keine Chance. Doch manche sind eben gleicher als alle anderen. Alfons Schuhbeck beruft sich in dem Fall auf seinen „überragenden Bekanntheitsgrad” und zitiert ein Urteil des BGH im Fall shell.de. Nun müssen die Richter entscheiden. Weil es um eine Auseinandersetzung im Markenrecht geht, beträgt der Streitwert satte 50.000 Euro.



Der gebürtige Schuhbeck Sebastian will die Argumente des einst vom Cousin seines Großvaters adoptierten Starkochs nicht gelten lassen. „Es mag schon sein, dass Alfons Schuhbeck durch seine Auftritte in Koch-Shows zumindest bei der Zielgruppe solcher Sendungen eine gewisse überregionale Bekanntheit erlangt hat”, sagt der Lehrer. „Diesen Bekanntheitsgrad jedoch auf eine Stufe mit dem von Shell zu stellen, halte ich – vorsichtig formuliert – für etwas kühn”, meint der Lehrer und stellt sich stur. Er beruft sich auf eine Entscheidung des Landesgerichts Düsseldorf im Fall Hudson.de. Das Gericht billgte dem Privatmann Phil Hudson im Streit mit dem Konzern Hudson um die Domain www.hudson.de die besseren Rechte zu.

 

David gegen Goliath: „Wo kämen wir denn da hin?"

 

Sebastian Schuhbeck erinnert dieser Streit an eine Feudalherrschaft im düsteren Mittelalter. „Wo kämen wir denn da hin? Da bestellt der kleine Bauer jahrelang einen Acker und dann kommt der Herr Marktgraf und möchte ihm diesen wegnehmen”, meint der wortgewandte Religionslehrer augenzwinkernd. Schließlich betreibt er die Homepage www.schuhbeck.com seit fast acht Jahren.


„Mir ist schon klar, dass das ein Kampf David gegen Goliath ist. Wir alle wissen aber, dass David den Kampf gewonnen hat”, fährt er fort.

 

 

Aus Alfons Karg wurde Alfons Schuhbeck

Es ist schon absurd. Alfons Schuhbeck wurde 1949 als Alfons Karg geboren. Als junger Mann spielte der gebürtige Traunsteiner in einer Rockband. Bei einem Konzert im Waginger Strandkurhaus lernte er den Gastwirt Sebastian Schuhbeck kennen. Der langjährige Bürgermeister von Waging bot Karg eine Lehrstelle als Koch, Restaurant- und Hotelfachmann an. Karg sagte zu und wurde weniger später von Schuhbeck adoptiert – ohne Erbberechtigung. Aus Alfons Karg wurde Alfons Schuhbeck. Der machte Karriere als Koch und geht nun gerichtlich gegen einen Verwandten seines Adoptivvaters vor. Man darf gespannt sein, welche Entscheidung Münchner Gericht am 6. Dezember fällen wird. David oder Goliath?

 

Autor: Jürgen Unterhauser

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