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15.07.2012 Laufen

Donikkl rockte die Salzachhalle

Und i fliag, fliag, fliag, wie a Flieger


Frecher Family-Reggae-Pop-Rock: Hände in die Höhe, wackeln in den Hüften, waghalsige Sprünge und mehr beim gelungenen Konzert in Laufen.

Nun gut. So begebe auch im mich auf das hohe Gebiet der „Kulturkritik”. Ich besuchte mit meinem Sohn das Konzert der Kinderrockband Donikkl, die im Rahmen der Salzachfestspiele 2012 am Sonntagnachmittag, 15. Juli, in der Salzachhalle in Laufen gastierte - wegen des vorhergegangenen schlechten Wetters konnte es nicht wie geplant unter freiem Himmel auf Schloss Triebenbach stattfinden.

 

Vielleicht sollte ich - um dem geneigten Leser die gebotene Fairness zukommen zu lassen - gleich noch eines vorwegschicken: Ganz neutral, so wie es der Grundsatz der Journalisten gebietet, bin ich nicht - ich bin nämlich selbst Donikkl-Fan. Aber ist Kultur nicht immer auch eine Frage des Geschmacks? Sehen Sie, deshalb will ich Sie - ich nehme es gleich vorweg - an unserer Begeisterung teilhaben lassen. Denn begeistert waren wir vollauf.

 

Auf der Fahrt nach Laufen stimmten wir uns natürlich gebührend ein. Die „Feuerwehr”, „Hi Ha Hexe” und „Aramsamsam” dröhnen in einer Lautstärke aus dem Lautsprecher, als wären wir pubiertierende Jugendliche auf der Fahrt zur Moßbandlfeier. Die Vorfreude ließ uns einfach nicht stillsitzen. Und weil wir es nicht erwarten konnten, waren wir prompt über eine halbe Stunde zu früh da. Nun, nicht nur wir. Es tummelten sich bereits einige Eltern mit ihren Kindern auf dem Briouderplatz vor der Salzachhalle. Und drinnen stellte sich heraus, dass das gar nicht so dumm war. Denn sowohl Donikkl als auch Tom die Palme und Erich der Koch gaben bereits eifrig Autogramme, machten mit dem Kindern Gaudi und verbreiteten schon hier gute Laune.

 

Ebenso lustig ging's dann auf der Bühne weiter. Für die Kinder war der Bereich direkt vor der Bühne reserviert und die Eltern wurden sofort aufgefordert, sich dahinter zu stellen, weil sich's ja bekanntlich im Stehen wesentlich besser tanzen, springen und mitmachen lässt. Die meisten kamen der Aufforderung gerne nach und schnell zeigte sich anhand wackelnder und wippender Eltern und ihrer begeisterten Rufe, dass nicht wenige erwachsene Donikkl-Fans unter ihnen waren.

 

Erich der Koch am Schlagzeug riss das Publikum vom ersten Taktschlag an mit. Donikkl fetzte auf die Bühne und dann jagte die Kinderrockband - beginnend beim „Grashüpfer boing, boing, boing, boing, boing” - erbarmungslos zwei Stunden lang - unterbrochen von einer Pause - ein Lied nach dem anderen zum Publikum in die schwüle Halle. Das hieß Ska, Rock, Funk, waghalsige Sprünge auf der Bühne, ein Sprühregen an Partystimmung und guter Laune und viel kindgerechte Zwischenspiele.

 

Auch den Eltern war es nicht vergönnt, sich auszuruhen, auch sie wurden mitgerissen und vor allem zum Mitmachen aufgefordert. Und sie lernten Edith die Badewanne oder die beiden Füße Paul und Luise kennen - sofern sie sie nicht eh schon kannten. Kinder und Eltern wurden immer wieder zum Mitmachen auf die Bühne geholt, die kuriosen Kostüme der Musiker taten das übrige.

 

 

Ich bekam mein fröhliches Lachen nicht mehr aus dem Gesicht, was ja in meinem Alter nicht mehr empfehlenswert ist - noch Stunden später waren die Knitterfalten um die Augen nicht geglättet. Die beiden bekannten Lieder „Aramsamsam” und „Fliegerlied” sorgten für ein furioses Finale nach der zweiten Hälfte, die geringfügig gedämpfter als die erste Hälfte ausfiel.

 

Und als das kurzweilige Konzert zu Ende war, gab's für mich und meinen strahlenden Sohn sofort einen festen Vorsatz: Das nächste Mal sind wir wieder dabei.

 

Bandgründer Donikkl ist ausgebildeter Realschullehrer und schrieb vor elf Jahren das Fliegerlied für die therapeutische Arbeit, unter anderem für behinderte Kinder. Das Lied eroberte inzwischen alle Bierzeltbühnen des Landes, die meisten wissen gar nicht, woher es ursprünglich stammt. Donikkl und seine Band, die Weißwürst, wollen mit ihrer Kindermusik eine moderne und pädagogische Ergänzung zur herkömmlichen sein, sie haben bereits mehrere Preise für ihre Arbeit erhalten. Donikkl sagt: „Wir geben keine Bierzeltkonzerte am Abend. Es wäre nicht glaubwürdig, nachmittags einen auf Pädagogisch für die Kinder zu machen und abends dann einen draufzumachen.” Die meisten Donikkl-Lieder sind Bewegungs-und Mitmachlieder und zu hundert Prozent handgemacht.

 

Die Band bietet zum Beispiel auch Workshops und Auftritt im Kindergarten sowie das Klimabotschafter-Theater „Kleine Monster” (gefördert vom Bayerischen Umweltministerium) an. Der Donikkl-Fanclub engagiert sich zugunsten krebskranker Kinder.

Autor: Tanja Weichold
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