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17.09.2013 Freilassing

Hagebaumarkt am Bahnhof soll weichen

Umstrittener Globus-Baumarkt in Freilassing


Foto: Animation geplanter Baumarkt
Heiß wurde diskutiert bei einer Informationsveranstaltung der Stadt im Rathaussaal am Montag.

Braucht es in Freilassing einen weiteren Baumarkt? Eigentlich nein, sagen die allermeisten Beteiligten. Aber: Erstens macht die Stadt kein Hehl daraus, dass sie den bestehenden Baumarkt am Bahnhof weg haben will, weil das Areal einer „höherwertigen“ Nutzung zugeführt werden soll. Und zweitens hat die Firma Globus SB-Warenhaus Holding im Frühjahr den Antrag auf Errichtung eines Baumarktes neben ihrem Einkaufsmarkt im Süden der Stadt gestellt. So mancher sieht dort ein „Nebenzentrum“ entstehen, das der Innenstadt den „Todesstoß“ versetzen könnte. Am Montagabend, 16. September, wurde im gut besetzten Rathaussaal darüber heftig diskutiert.

 


14.500 Quadratmeter an Verkaufsfläche sollen auf dem Areal entstehen, dass ursprünglich für Industrie und Gewerbe vorgesehen war. Geschäftsmann Wolfgang Hartmann erinnerte an jenen Bürgerentscheid, der genau dies so entschieden hatte. „Später hat man umgewidmet zur Handelsfläche, und jetzt geht es weiter“, so seine Kritik. „Man hat die Bürger an der Nase herumgeführt“, schimpfte ebenso Edeltraud Rilling.

 


Keinen Widerspruch zum Stadtentwicklungskonzept sieht darin Bürgermeister Josef Flatscher, der betonte, dass man erst am Anfang des Verfahrens stehe und diese Diskussion schon eine vorgezogene Bürgerbeteiligung darstelle.

 


Stadtplaner Manfred Brennecke erinnerte an eines der Hauptziele des Stadtentwicklungskonzeptes, nämlich die Neugestaltung des Bahnareals in „Richtung Bildung und Wohnen“. „Also brauchen wir einen Ersatzstandort“, erklärte der Stadtplaner, der federführend am Stadtentwicklungskonzept mitgearbeitet hatte.

 


Widerspruch kam dazu von Stadträtin Elisabeth Hagenauer. „Das Bahnhofsgelände ist zweigeteilt: Zunächst sollte es vorne um den Tankstellenbereich gehen. Man war sich einig dass der hintere Teil beim Hagebau über Jahre kein Thema sein würde.“

 


„Gibt es einen Bedarf nach Baumärkten?“, fragte Dr. Bernhard Zimmer. Pidings 3. Bürgermeister und Bundestagskandidat erkennt mit Verweis auf die Insolvenz der Firma Praktiker lediglich einen Verdrängungswettbewerb. „Sie wollen den Baumarkt am Bahnhof kaputt machen. Das ist ein Einzelhandelskonzept der besonderen Art.“ Zimmer prophezeite, dass es bald für Freilassings Innenstadt kein Revitalisierungs-Konzept mehr brauche, sondern ein Sanierungs-Konzept.

 


Über den Zustand dieser Innenstadt herrschte Uneinigkeit. Wo Geschäftsmann Bert Gastager einen Schwund an Betrieben und Mitarbeitern feststellt, erkennt Planer Roland Richter ein Plus an Arbeitsplätzen nicht nur im Globus-Markt. Geschäftsinhaber Wilhelm Schneider sprach von einer „desolaten Innenstadt“.  „Die Innenstadt ist aktuell kein attraktiver Standort“, gab ihm Dr. Robert Leiner von der iq-Projektgesellschaft Recht, die für das Wirtschaftsentwicklungskonzept der Stadt verantwortlich zeichnet.

 


Anders sieht das Bürgermeister Flatscher: „Die Innenstadt ist mit ihren Straßencafes heute lebendiger als früher“. Und innenstadtrelevantes Sortiment dürfte nur in begrenztem Umfang im Globus-Bau- und Gartenmarkt angeboten werden. Maximal 700 Quadratmeter oder zehn Prozent sind dort zulässig.

 


„Manchmal habe ich den Eindruck, es wäre am Besten, nichts zu tun“, wunderte sich Klaus Lastvoska, „andererseits: Wenn wir nichts tun, werden wir auch abgewatscht.“ Der CSU-Stadtrat ist überzeugt, dass sich jede Gemeinde um so eine Ansiedlung reißen würde. Auch Bürgermeister Flatscher hält das Projekt mit „dem hervorragenden Partner Globus“ für eine gute Sache. Allerdings räumte er ein: „Es hat wie jede Medaille zwei Seiten.“

Autor: Hannes Höfer
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