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23.10.2012 Berchtesgadener Land

Übergangsjahr für Nachwuchstalent Toni Palzer

Skibergsteiger sind gerüstet für den Winter


Sepp Rottmoser, Toni Palzer, Alexander Schuster, Cornelius Unger: mit nur vier Athleten ist die Kernmannschaft des DAV Skibergsteiger-Nationalteams heuer sehr klein, die Motivation der vier Jungs ist dafür umso größer.

Foto: Die Herbstsonne brannte vom Himmel und ließ die Jungs zum Fototermin in ihren dicken Winterjacken ordentlich schwitzen. V.l.n.r: Sepp Rottmoser, Alexander Schuster, Cornelius Unger, und Toni Palzer undTrainer Johann Rampl

 

In rasendem Tempo laufen sie mit Skiern die Berge rauf und stürzen sich über unpräpariertes Gelände wieder hinunter. Ihre minimalistische Ausrüstung ist bis aufs kleinste Gramm ausgetüftelt. Schnelles Felle ab- und aufziehen haben sie automatisiert. Skibergsteigen ist längst nicht mehr nur eine Hobbyangelegenheit, es hat sich international zu einem beachtlichen Wettkampfsport entwickelt.

 

Der DeutscheAlpenverein (DAV) investiert seit 2001 in eine Nationalmannschaft Skibergsteigen. „In den letzten Jahren hat sich alles massiv spezialisiert. Anfangs konnte man mit Talent und etwas Training noch auf internationalem Niveau vorne mitlaufen. Das geht mittlerweile nicht mehr. Heute sind die Top-Leute ausnahmslos Spezialisten, die unter professionellen Bedingungen trainieren. Da tun wir uns schwer, in anderen Nationen ist einfach wesentlich mehr Geld dahinter“, weiß Matthias Keller, beim DAV zuständig für den Spitzenbergsport. „In der Schweiz ist Skibergsteigen vom Budget her sogar besser aufgestellt als die olympischen Langläufer.“

 


Dass die Nationalmannschaft in diesem Winter auf vier Rennläufer geschrumpft ist, nimmt Keller gelassen. „Die Vier sind diejenigen, die sich auf alle Rennen fokussiert und seit dem Sommer zielgerichtet dafür trainiert haben.“ Die Ex-DAV-Damen Franziska Gröbner und Kathi Stöger sind aufeigenen Wunsch ausgestiegen. Philipp Reiter, Toni Steuerer und Konrad Lex müssen sich in ein bis zwei Nominierungsrennen beweisen. „Wenn sie da gut sind, nehmen wir sie auch wieder mit“, sagt Matthias Keller.



Teamleistung verbessern


Im Weltcupkalender stehen heuer fünf internationale Wettkämpfe auf dem Programm. Höhepunkt der Saison ist die Weltmeisterschaft in Pelvoux/Frankreich, die vom 9. bis zum 15. Februar stattfinden wird und auf die sich die Vorbereitungen von Bundestrainer Johann Rampl konzentrieren. Der 31-jährige Sportwissenschaftler mit Wohnsitz in Marktschellenberg ist für die kommenden Bewerbe optimistisch. „Die meisten haben den Sommer über viele Bergläufe mitgemacht und waren teilweise auch sehr erfolgreich. Anfang Oktober fand das erste Trainingslager statt, leider war zu wenig Schnee und wir mussten auf die Skiroller ausweichen.

 

Allerheiligen werden wir wieder ins Zillertal fahren und dann wird Schneetraining die Hauptrollespielen“. Sein Hauptziel ist nicht, dass die beiden Topläufer Sepp Rottmoser und Toni Palzer noch erfolgreicher werden, sondern dass Alexander Schuster und Neuling Cornelius Unger mehr Leistungen bringen. „Wenn wir die beiden um fünf Plätze nach vorne bringen, bin ich zufrieden.“



Weltmeistertitel im Visier

 


Alexander Schuster (25) aus Truchtlaching ist bereits das fünfte Jahr Mitglied in der Nationalmannschaft und damit der Oldie im Team. Das reine Aufstiegsrennen liegt ihm am besten, die Top 20 im Weltcup hat er sich in diesem Winter fest vorgenommen. Der Student der Produktionstechnik fühlt sich gut in Form. Genauso wie der amtierende Europameister im Sprint Sepp Rottmoser, der auf der Weltmeisterschaft seinen Titel toppen will. „Der Sommer ist gut gelaufen, wo man steht, sieht man aber erst nach den ersten Wettkämpfen“, sagt der 22-Jährige Soldat aus Rosenheim.

 

Sein Nachbar Cornelius Unger (19) ist froh, dass er heuer im Team dabei ist und „supermotiviert“. Vor drei Jahren ist er zum Skibergsteigen gekommen und will heuer vor allem schauen wie es läuft. „Natürlich wäre es toll, mal unter die Top 3 zu laufen. Aber zu viel will ich mir gar nicht vornehmen. Ich habe den Sommer über viel als Zimmerer gearbeitet und nebenbei zu trainieren war nicht immer ganz einfach.“

 


Für Nachwuchstalent Toni Palzer aus Ramsau bei Berchtesgaden wird es eine Art Übergangsjahr werden. Der Jugendeuropa- und Jugendweltmeister will an die Leistung vom Vorjahr anknüpfen, muss sich allerdings auch auf seine Ausbildung konzentrieren. „Ich habe eine supergute Form aus dem Sommer. Aber ich habe im Februar noch meine Gesellenprüfung zu machen, weshalb ich die Weltmeisterschaft in Frankreich wahrscheinlich nicht ganz mitlaufen kann. Aber in diesem Fall ist der Beruf wichtiger als der Sport. Wenn ich den Abschluss habe, werde ich den Antrag auf die Sportfördergruppe bei der Bundeswehr stellen und ich hoffe, dass das was wird.“

Autor: kb
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