02.02.2012 Laufen/Traunstein
Artikel versenden Artikel drucken Kommentare ansehen(0)

Um die Ortsumfahrung Laufen

Sebald König wird die Diskussion zu bunt


Der Leitende Baudirektor vom Straßenbauamt Traunstein sieht die derzeitig geführte Diskussion nicht als zielführend an.

Der Leitende Baudirektor des Straßenbauamtes in Traunstein, Sebald König, meldet sich in der hitzig geführten Diskussion um eine künftige Ortsumfahrung Laufen zu Wort. In einem Brief an Bürgermeister Hans Feil und alle Stadträte spricht er von „einer teilweise sehr emotionalen Stimmung” und von unzutreffenden Behauptungen, die er nach eigener Aussage nun richtig stellen möchte. Denn einige dieser unrichtigen Behauptungen würden mehr zur Verwirrung als zu einer Problemlösung beitragen. Hier die Stellungnahme im Wortlaut:

 

„Unter der Überschrift Laufens Umgehungsstraße hat eine Alternative wird ein weiteres Mal eine nahezu unsichtbare Trasse mit zwei Tunnelstücken entlang der Bahn vorgeschlagen. Das Staatliche Bauamt hat diesen Vorschlag schon vor über zwei Jahren intensiv geprüft und über das Ergebnis der Obersten Baubehörde und dem Bundesverkehrsministerium berichtet:

 

Der Auftrag aus dem Bundesverkehrswegeplan beinhaltet die Planung und den Bau einer Ortsumgehung von Laufen entsprechend der Netzfunktion einer Bundesstraße. Die vorgeschlagene nahezu unsichtbare Trasse entspricht jedoch weder von den Trassierungsparametern in Lage und Höhe noch von den einzuhaltenden Haltesichtweiten dem Mindeststandard einer Bundesstraße. Auch der vorgeschlagene Querschnitt ist völlig unzureichend. Es ist nicht möglich den Vorschlag von Pro Naturland nach den für Bundesstraßen geltenden Standards zu trassieren. Bei einer korrekten Trassierung im Lageplan entspricht die vorgeschlagene Trasse im Bereich der bahnparallelen Führung der Linie 5 türkis aus dem Linienfindungsverfahren und würde den Abriss von fünf Gebäuden bedeuten.

 

Unabhängig von dieser für eine Bundesstraße grundsätzlich falschen Planung sprechen auch folgende Punkte gegen diese vermeintlich einvernehmliche Lösung: Die Baulänge dieses Vorschlags ist mit 1,8 Kilometer angegeben und irreführend. Der Vorschlag von Pro Naturland beginnt auf den Eisenbahngleisen im Bereich der BayWa. Dies ist circa 800 Meter nach dem Beginn der untersuchten Varianten aus der Linienfindung. Würden die Anschlusslängen an die bestehende B 20 berücksichtigt, ergäbe sich damit eine reale Länge des Vorschlages von rund 2,7 Kilometer.

 


Zwischen dem Beginn der Baustrecke und der BayWa wäre auch beim Vorschlag von Pro Naturland eine Bahnverlegung erforderlich, die aber bekanntermaßen von der Bahn nicht betrieben wird. Südlich der Kreisstraße BGL 3 würde bei diesem Vorschlag die Trasse in einer mittleren Entfernung von circa 100 Meter (minimaler Abstand circa 23 Meter) an den dicht besiedelten Wohngebieten Haslacher Breiten und Kletzing verlaufen.

 


Beim Vorschlag von Pro Naturland sind keine Verknüpfungen mit der Staatsstraße 2103 und der Kreisstraße BGL 3 realisierbar. Damit reduziert sich der verlagerbare Verkehr auf der neuen Trasse und verschlechtert sich das Nutzen-Kosten-Verhältnis.  Die Einbindung eines idealen (ortsnahen) Brückenstandortes, der die Altstadt von Laufen und Oberdorf entlastet, ist unrealistisch, weil diese Lage für den Verkehr von und zur österreichischen B 156 rückläufig und umwegig wäre und darüber hinaus auch aus ortsplanerischen Gründen von der Stadt Oberndorf abgelehnt wird.

 


Die jetzt wieder genannten Kosten in Höhe von 11,6 Millionen Euro netto für insgesamt 330 Meter Deckelung und rund 2,4 Kilometer Straßenbau sind viel zu niedrig angesetzt, wie schon ein einfacher Vergleich mit der wesentlich kürzeren Baumaßnahme Ortskernentlastungsstraße Ruhpolding (366 Meter Tunnellänge und 714 Meter Straßenbau) mit Gesamtkosten von über 20 Millionen Euro netto zeigt. Alleine die jährlichen Betriebskosten des Ruhpoldinger Tunnels belaufen sich auf über 120 000 Euro.

 

Eine nicht erfüllbare Hoffnung für Laufen auf eine Konsenstrasse für alle wird auch bei einem Vergleich mit der über 70 Millionen Euro teuren Ortsumgehung von Furth i. Wald geweckt, für deren Bau im Übrigen auch rund 40 Hektar Grund und Boden benötigt wurden.

 

Tunnel, Trogbauwerke oder Überdeckelungen (die im Gegensatz zur irrigen Meinung eines Leserbriefschreibers bei der technischen Ausstattung wie Tunnelbauwerke zu behandeln sind) werden wegen der hohen Kosten nur dort gebaut, wo es topographisch erforderlich ist oder die einzuhaltenden gesetzlichen Immissionsgrenzwerte auf andere Weise nicht erreicht werden können.

 

In Furth i. Wald mit einer doppelt so hohen Verkehrsbelastung wie in Laufen wurde der Deschlberg mit einem Tunnel unterfahren und ein z.T. überdeckelter Trog bei der Kreuzung eines Gewässers angeordnet, wo die Wohnbebauung einen Abstand von circa 15 beziehungsweise 35 Meter zur Trasse hat. Neben diesen mit Laufen nicht vergleichbaren Randbedingungen war Furth i. Wald wegen des Verkehrszuwachses nach Öffnung des eisernen Vorhanges mit einer einzigartigen Sondersituation konfrontiert.

 

In einer dicht besiedelten und intensiv genutzten Landschaft ist bei einer Trassenentscheidung für eine Straße immer eine Abwägung zwischen den verschiedenen widerstreitenden Interessen notwendig. Ich glaube, dass der Stadtrat von Laufen und das StBA TS in der Phase der Linienfindung alle Belange intensiv geprüft und abgewogen haben und letztlich zu einem Ergebnis gekommen sind, das zwar nicht allen gefällt, aber in der Gesamtsicht für die Zukunft der Stadt und im Interesse der vielen Anwohner an der heutigen Ortsdurchfahrt die beste Lösung darstellt.

 

Ich hoffe, dass sich der Stadtrat von Laufen in dieser für die Zukunft der Stadt wichtigen Frage bei seiner Entscheidung nicht von irreführenden, unsachlichen Positionen oder von unrealistischen Hoffnungen auf eine nahezu unsichtbare Konsenstrasse leiten lässt. Einen Abdruck dieser Stellungnahme erhalten die Presse, der Wahlkreis- und Stimmkreisabgeordnete sowie der Landrat des Berchtesgadener Landes.”

 

Sebald König, Leitender Baudirektor am Straßenbauamt in Traunstein



Autor: wo/tw
Kommentare
zu diesem Artikel sind keine Beiträge vorhanden
Kommentare ansehenKommentieren

Titel:
Text:
 
(noch Zeichen)
Unregistrierte Nutzer
 
 

Registrieren Sie sich kostenlos, um Ihren Kommentar abzuschicken.

Geben Sie bitte folgende Daten an.
Wir garantieren Ihnen, dass alle persönlichen Daten nur beim Verlag intern verwendet, und nicht ohne Ihre Zustimmung an Dritte weitergegeben werden! Mit dem Login erklären Sie sich mit den Nutzungsbedingungen einverstanden.

gewünschter Benutzername:
gewünschtes Passwort:
Wiederholung Passwort:
Email:


Bitte beantworten Sie noch die folgende Sicherheitsfrage:
Welcher Monat kommt vor dem Dezember: 


pfeil