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19.09.2012 Laufen

Romantisches Versprechen

Liebesschlösser am Europasteg


Weltweiter Brauch hat den Europasteg erreicht.

Woher dieser Brauch wirklich kommt, weiß niemand genau zu sagen. Manche meinen aus Italien, andere nennen das Baltikum. Älter als 20 Jahre ist er gewiss nicht, hat sich aber rasch verbreitet. An Brückengeländern rund um den Erdball hängen inzwischen die sogenannten Liebesschlösser; nun hat der Brauch auch das Herz des Rupertiwinkels erreicht. Ein gutes Dutzend verschiedenartiger Vorhängeschlösser zieren als Zeichen ewiger Liebe inzwischen das Drahtgeflecht am Europasteg.

 


Beide Liebenden schließen das kleine Schloss, geben sich einen Kuss und werfen anschließend gemeinsam den Schlüssel in den Fluss. So wie dieses Schloss soll ihre Verbindung ewig halten. In Paris, Moskau, New York und Rom gibt es solche Brücken. Von Rom aus soll der Brauch seinen Siegeszug um die Welt angetreten haben. Jedenfalls ließ der Autor Frederico Moccia in seinem inzwischen verfilmten Roman „Ho voglia di te“ (Ich steh auf dich) die beiden Jugendlichen Step und Gin ewige Treue schwören und an der Milvischen Brücke ein Schloss anbringen. Und fand damit einige Nachahmer. Weil ein Laternenpfahl unter der Last der Schlösser zusammen gebrochen war, verbot Roms Bürgermeister im Jahr 2007 diesen Brauch und handelte sich damit einigen Ärger ein.

 


Auch Salzburgs Magistrat ließ im Mai 2011 43 Schlösser vom Makartsteg entfernen, duldet sie inzwischen aber wieder. An der Hohenzollerbrücke in Köln hängen mehr als 40.000 Stück mit einem geschätzten Gewicht von 12 Tonnen. Auf diese Schlösser hatte es im August dieses Jahres ein Metalldieb abgesehen. Wegen Diebstahl von 52 Stück wurde er daraufhin angeklagt und – weil schon reichlich vorgeahndet – musste dafür drei Monate hinter Gitter. Diese Schlösser seien keinesfalls herrenlos, hatte der Vorsitzende Richter argumentiert, sondern blieben im Eigentum des Käufers.

 


Andere Sorgen hat zum Beispiel die Stadt Niemburg. Dort befürchtet man, dass rostende Schlösser langfristig die Zinkschicht des Geländers angreifen könnten und dazu führen, dass dies ebenfalls zu gammeln beginnt. Gerade bei denkmalgeschützten Objekten machen sich die Verantwortlichen mancherorts Sorgen. Minden musste für 4000 Euro das Drahtgeflecht erneuern. Offensichtlich hatten etliche Ex-Liebende bei dem Versuch, das Schloss wieder zu beseitigen, der Einfachheit halber den Draht durchgezwickt anstatt des robusten Bügels.

 


Bei der Stadt Laufen weiß man bislang noch nichts von dem neuen Brauch an der Salzach. Geschäftsleiter Manfred Niedermeier kündigt aber auf Nachfrage an, man werde demnächst im Rahmen einer Gesellschafter-Besprechung beraten, wie damit umzugehen sei. Laufen ist wie Oberndorf zu 24,5 Prozent an der Europasteg-Errichtungs und Betriebs-GmbH beteiligt, 51 Prozent hält die Hypo-Impuls-Leasing Salzburg.

 


„In ewiger Liebe“, verbunden bleiben wollen Mario und Vanessa, „Forever“ versprechen sich Nadine und Alex am Europasteg. Carina und Tom setzen bewusst auf Qualität „Made in Germany“. Sicher ist sicher. Claudia und Reinhard wählten ein Schloss in Herzform. Die Schlüssel zu den Liebesschlössern liegen wohl für alle Zeiten am Grunde der Salzach.

 


„Kitschig und romantisch zugleich“, sagt der Autor und Journalist Helmut Frangenberg zu dem Treueschwur. Die Brücke sei Symbol des Übergangs und der darunterliegende Fluss eine wahre Naturgewalt. Frangenberg hat einen Bildband über die Liebesschlösser an der Hohenzollerbrücke in Köln veröffentlicht; auf den Asphalt dieser Brücke hat ein Zweifler gesprüht: „Liebe ist nur ein Traum.“

 


Unter der Internet-Adresse liebesschloss.com kann man für weniger als drei Euro ein virtuelles Schloss mit persönlicher Gravur an eine Brücke eigener Wahl hängen. Diese Liebe lässt sich bei Bedarf auch rasch wieder löschen.

Autor: Hannes Höfer
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