Geschäftsführer Hermann Seeböck hofft die Lücke wenigstens teilweise mit Personen aus dem Freiwilligen Sozialen Jahr (FSJ), dem Bundesfreiwilligendienst (BFD) oder mit Praktikanten auffüllen zu können. Folgen für die Mitarbeiter und die Firmenkunden werden aber nicht ausbleiben, die jährliche Erholungsfreizeit ist bereits gestrichen, Gruppen müssen zusammengefasst werden und besonders anspruchsvolle Aufträge werden in dem bisherigen Umfang immer schwieriger zu realisieren sein.
In der Montagehalle der Metallabteilung der Pidinger Werkstätten laufen die Maschinen auf Hochtouren. 24 Mitarbeiter mit Behinderung haben hier einen festen Arbeitsplatz. Zivildienstleistende wie Martin Aicher sind in den Produktionsabteilungen der gemeinnützigen Einrichtung gefragt, denn der 20-Jährige ist fertig gelernter Mechatroniker und kennt sich handwerklich bestens aus. Ein halbes Jahr Zivildienst liegt so gut wie hinter ihm. „Es war eine schöne Zeit“, zieht der Teisendorfer BIlanz, auch und vor allem die Zusammenarbeit mit den behinderten Menschen habe ihm viel Spaß gemacht. Gruppenleiter Wolfgang Fegg, lässt seinen letzten „Fach-Zivi“ nur schweren Herzens gehen. „Wir müssen schauen, wie und ob wir das auffangen können.“
Diese Sorge teilt Fegg nicht nur mit den Kollegen aus der Schreinerei und der Montage, auch Geschäftsführer Hermann Seeböck ist beunruhigt. „Aber es muss weiter gehen. Wir hoffen stark, dass wir zumindest einige junge Menschen über den Bundesfreiwilligendienst und das Freiwillige Soziale Jahr gewinnen können.“ Vier Interessenten gibt es schon und heuer sei die Situation aufgrund des doppelten Abiturjahrganges nicht ganz so schlimm. In Zukunft rechnet Seeböck aber nur noch mit der Hälfte an helfenden Händen. „Eins zu eins können wir das nicht ersetzen“.
Vielfältigkeit runterfahren
Die Folgen für die Pidinger Werkstätten zeichnen sich schon jetzt ab. Die fünftägigen Erholungsfreizeiten wurden bereits gestrichen. „Gerade dort wäre der Einsatz von Zivis unverzichtbar. Wenn wir stattdessen Fachkräfte einsetzen, fehlen die uns aber in der Zeit in der Produktion“, erklärt Hermann Seeböck.
Außerdem werden – ähnlich wie bei Lehrermangel in den Schulen – die Gruppenstärken aufgestockt. Wo sonst zwölf bis 15 Mitarbeiter, eine Fachkraft und ein Zivildienstleistender eingeteilt waren, müssen sich nun bis zu 24 Mitarbeiter und zwei Fachkräfte einen Helfer teilen. „Es wird ein anderer Wind wehen. Die Abstimmung auf die individuellen Bedürfnisse unserer Mitarbeiter wird so nicht zu halten sein“, ist sich Florian Huber, Abteilungsleiter des Bereichs Montage sicher.“
Einst hatte der Schreiner selbst seinen Zivildienst in Piding abgeleistet und ist dort später als Sozialbetriebswirtin eine leitende Funktion aufgestiegen. Das ist kein Einzelfall. Einige der Werkstätten-Zivis sind entweder sofort geblieben oder nach einigen Jahren im Handwerksberuf wieder gekommen. So konnte die Einrichtung wichtige soziale Netzwerke nach außen aufbauen, auch die werden künftig fehlen. Außerdem befürchtet Hermann Seeböck, dass eine gewisse Vielfalt in seinem Hause verloren geht. „Wir werden nicht mehr so viele anspruchvolle Arbeiten übernehmen können“.
Folgemodell nicht ausgegoren
Dass der Zivildienst über kurz oder lang ein Auslaufmodell ist, war dem Werkstätten-Geschäftsführer schon lange klar. Immer wieder habe man auf die Verkürzung der Pflichtzeit, die zuletzt sechs Monate betrug, reagieren müssen. „Da sind andere soziale Dienste schon ausgestiegen, aber für uns hat auch ein halbes Jahr immer noch Sinn gemacht.“
Womit Hermann Seeböck nicht gerechnet hat ist, dass letztlich alles so schnell gehen würde. „Ich hätte mir eine ambitioniertere Diskussion um neue Modelle gewünscht.“ Der Bundesfreiwilligendienst BFD sei mit „heißer Nadel gestrickt“ und immer noch nicht ganz ausgegoren. Alles stehe auf wackeligen Füßen, Verträge mit Kandidaten können bis dato nicht geschlossen werden, weil niemand wisse, wie. „Vielleicht hätte man ein staatsbürgerliches Jahr sinnvoller verankern sollen und gezielte Anreize für junge Menschen schaffen müssen. Durch den Schnellstart des neuen Dienstes ist sein Image schon angekratzt, bevor er überhaupt losgeht.“
Dass ein ausgebildeter Handwerker sich entschließt, freiwillig für ein Jahr in eine soziale Einrichtung zu gehen, wenn er einen sicheren Arbeitsplatz in einem Unternehmen hätte, ist sehr unwahrscheinlich, dass weiß auch Seeböck. Noch-Zivi Martin Aicher gibt geradeaus zu: „Ich hätte es nicht gemacht“.
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