Die Wochenblatt App
02.06.2013 Landkreis BGL

Wasserrettungszug in Freilassing:

Hochwasser-Bericht der Hilfskräfte


Foto: BRK BGL
Wasserrettungszug der BRK-Wasserwacht Oberbayern wird für Evakuierungsmaßnahmen nach Freilassing verlegt

Aufgrund der anhaltenden Regenfälle, zunehmender Überflutungen und Murenabgängen hat das Landratsamt Berchtesgadener Land gegen 10.27 Uhr den Katastrophenfall ausgerufen. Aktuell wird der Wasserrettungszug der BRK-Wasserwacht Oberbayern für Evakuierungsmaßnahmen nach Freilassing verlegt, das besonders stark betroffen ist.

Besonders betroffen sind die Bereiche Berchtesgaden mit Maria Gern, Schneizlreuth, Bad Reichenhall, Piding, Ainring, Freilassing und Laufen.

Die Gemeinde Schneizlreuth ist derzeit wegen Muren und Überschwemmungen nicht mehr erreichbar. 1,5 Kilometer südlich des Ortsteils Baumgarten ist die B21 wegen eines Murenabgangs nicht mehr passierbar. Die Bewohner von Schneizlreuth werden gebeten, mit Trinkwasser sparsam umzugehen. Die Wasserqualtität ist nicht beeinträchtigt, allerdings können die Trinkwasserreserven derzeit nicht aufgefüllt werden.

mehr Bilder ansehen
Fotostrecke
mit
8 Bildern



Die BRK-Bereitschaften des Landkreises unterstützen seit den frühen Morgenstunden den regulären Rettungsdienst und Krankentransport, da einige Orte wegen Muren und überfluteter Straßen nur über Umwege und mit zeitlicher Verzögerung erreichbar sind. In den Morgenstunden spitzte sich die Hochwasserlage immer mehr an der Saalach zwischen Piding-Bichlbruck und Freilassing und bis nach Laufen zu, wobei größere Flächen, darunter auch die B20 zwischen Freilassing Süd und Mitte überflutet wurden. Unter anderem wurde der Pidinger Ortsteil Bichlbruck evakuiert.

Weitere Evakuierungen durch die örtlichen Einsatzkräfte laufen derzeit in Freilassing. Das Rathaus Freilassing wurde als erste Notfallunterkunft für die betroffenen Bewohner zur Verfügung gestellt. Eine weitere Notunterkunft wird derzeit in der Berufs- und Knabenrealschule Freilassing eingerichtet. BRK-Wasserwacht, Feuerwehr und THW bringen derzeit viele vom Wasser bedrohte oder eingeschlossene Bewohner teilweise mit Booten in Sicherheit, die dann von den BRK-Bereitschaften und vom Fahrdienst mit Autos wegtransportiert und weiter betreut werden; unter den Evakuierten sind auch Behinderte und Senioren.

Die Besatzung des Traunsteiner Rettungshubschraubers "Christoph 14" und ein Wasserwacht-Luftretter fliegen vom Hochwasser Eingeschlossene per Rettungstau aus. Sollte sich die Lage an der Salzach im Bereich Triebenbach und Laufen weiter verschärfen, ist auch hier mit einer Evakuierung der Bevölkerung zu rechnen.

Die enorme Hochwassersituation birgt eine erhebliche Gefahr für Leib und Leben, weshalb die Personenrettung derzeit im Vordergrund steht. Die Einsatzleitung bittet die Bevölkerung um Unterstützung und Kooperation bei den Evakuierungsmaßnahmen. Auf vermeidbare Autofahrten sollte auf Grund der schwierigen Verkehrsverhältnisse verzichtet werden.

Die örtlichen Einsatzkräfte der Feuerwehren und des BRK sind bereits seit gestern rund um die Uhr im Einsatz. Daher wurde seitens der Katastrophenschutzbehörde überörtliche Hilfe durch die Bundeswehr, das Tecnische Hilfswerk (THW), den Malteser Hilfsdienst (MHD) und benachbarte Einsatzkräfte angefordert. Das Rote Kreuz ist aktuell mit allen sechs BRK-Bereitschaften, allen vier Wasserwachten, den Bergwachten Bad Reichenhall, Freilassing und Teisendorf-Anger, dem Kriseninterventionsdienst (KID) der Sanitätseinsatzleitung mit Unterstützungsgruppe, 25 Rettungs- und Betreuungsfahrzeugen und 23 Fahrzeugen des Betreuten Fahrdienstes und dem Traunsteiner Rettungshubschrauber schwerpunktmäßig im Raum Freilassing gefordert.

Sprunghaft stieg am Abend die Zahl der überfluteten Straßen an. Straßenmeistereien, Autobahnmeistereien und die Freiwilligen Feuerwehren waren unablässig damit beschäftigt, überflutete Straßen zu sperren und zu kennzeichnen. Am späteren Abend gingen die ersten Meldungen über überflutete Keller ein. Bahnlinien mussten ebenfalls beobachtet und teilweise gesperrt werden. Aufgrund der extremen Regenfälle, mehrerer Murenabgänge und Überflutungen mussten zunächst die Bundesstraße 21 über den Saalachsee, die Staatsstraße 2101 am Thumsee und die B305 am Weinkaser total gesperrt werden.

Am Anfang wurden die Einsatzkräfte von einem Murenabgang auf die Staatsstraße 2101 unmittelbar vor dem Antonibergtunnel in Fahrtrichtung Inzell informiert. Dann überschlugen sich die Meldungen: Wegen weiterer Murenabgänge im Bereich Baumgarten und zahlreicher überfluteter Straßen musste schließlich das Kleine Deutsche Eck komplett gesperrt werden. Besonders schlimm erwischte es die Anwohner des Reichenhaller Ortsteils Karlstein, wo der Seebach in der Siedlung und der Hammerbach im Poschengrund über die Ufer traten, der Kanal überging und Sturzbäche von der Reischlklamm an der Bürgermeisterhöhe die Keller in der Reifenstuel- und Pflegerpointstraße fluteten. Am Thumsee lief der Bach an der Liegewiese zeitweise durch das Gebäude des Madlbauern.

Am Kugelbachparkplatz wurden ein geparktes Auto und die Lichtleitung von einem umgestürzten Baum getroffen. In Ulrichsholz in Schneizlreuth ging der zwischen Gebersberg und Müllnerhörndl herabstürzende Kugelbach über, riss eine Holzbrücke weg und überflutete ein Haus. Im Raum Berchtesgaden sind alle Feuerwehren des südlichen Landkreises, das THW und das Rote Kreuz seit den frühen Morgenstunden im Einsatz. Während der Bach in Maria Gern überging und Straßen und Häuser vermurt wurden, stieg auch der Pegelstand der Ache im Tal dramatisch an. Unzählige Keller mussten ausgepumpt werden.

Die BRK-Bereitschaft musste in Berchtesgaden die Bewohner eines Hauses in Maria Gern in Sicherheit bringen, Sandsäcke transportieren, reguläre Rettungsdienst-Einsätze fahren und die Einsatzkräfte mit Brotzeit und Getränken versorgen. In einem Fall bahnte sich eine Mure den Weg durch ein Gästehaus; Beschäftigte und Gäste mussten das Gebäude verlassen. Die Kläranlage in Freilassing wurde von Hochwasser überflutet.

Autor: ml/ao
Weitere Nachrichten aus dem selben Ort: