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17.09.2012 Bad Reichenhall

„Jeder Name hat seine Zeit”:

Hochstaufen-Kaserne getauft


Festakt mit Gästen aus Bundeswehr und Politik in Bad Reichenhall – umstrittener „Nazigeneral” Konrad nicht mehr Namenspatron.

Der Parlamentarische Staatssekretär Christian Schmidt benannte am Montag Vormittag, 17. September, im Rahmen eines Festaktes die Bad Reichenhaller Kaserne auf „Hochstaufen-Kaserne” um. Damit werden sowohl der umstrittene Name „General-Konrad-Kaserne” als auch der zweite nicht mehr benötigte Name der „Artilleriekaserne” abgelöst.

 


General Konrad hatte im Zweiten Weltkrieg dem nationalsozialistischem Regime gedient. In den vergangenen Jahren war von verschiedenen Seiten immer wieder Kritik über diesen Namenspatron laut geworden. Ab dem Jahr 2004 schoben junge Soldaten die Diskussion auch intern an. Die sieben Sprecher der Vertrauenspersonen der Kaserne Bad Reichenhall, die sich regelmäßig zu Gesprächen treffen, erarbeiteten den neuen Namen Hochstaufen-Kaserne, dem sowohl die Stadt Bad Reichenhall als Verteidigungsminister Thomas de Maiziére zustimmten.

 


Die Namensänderung verschoben die Verantwortlichen auf die Zeit nach der Neustrukturierung der Bundeswehr. Diese fand im Oktober vergangenen Jahres statt. Der Bundeswehrstandort Bad Reichenhall, das heißt die Gebirgsjägerbrigade 23, blieb davon wie berichtet bis auf 300 Mann des Fernmeldebataillons unangetastet.

 


Dennoch organisierte die Führung die Kaserne in Bad Reichenhall im Zuge dessen intern um, somit wurde der zweite Name der Artilleriekaserne überflüssig. Nun gilt für den gesamten Standort der eine Name „Hochstaufen-Kaserne”.

 


Dem Festakt am Montag wohnten rund 150 geladene Gäste aus Politik und Bundeswehr bei, unter anderem Bundesverkehrsminister Dr. Peter Ramsauer, Landtagsabgeordneter Roland Richter, Bezirksrat Georg Wetzelsperger, Landrat Georg Grabner und Bad Reichenhalls Oberbürgermeister Dr. Herbert Lackner.

 


Der Parlamentarische Staatssekretär Schmidt sagte eingangs zur Namensänderung: „Ich muss jene enttäuschen, die meinen, hier werde eine Revolution ausgerufen.” Diese Worte dürfte er vor allem an jene verdeckt aber immer wieder öffentlichkeitswirksam arbeitetenden Engagierten der linken Szene, etwa das Bündnis „Rabatz”, gerichtet haben, die keine Gelegenheit ausließen, um die Namensänderung mit zum Teil sehr emotionalen Darstellungen einzufordern.

 


Nach den Worten Schmidts sei die Namensänderung ein „natürlicher Prozess”. „Wir wissen alle, dass viele Kasernen in der Aufbauphase der Bundeswehr benannt worden, in der die Menschen noch unter anderen Eindrücken und Erinnerungen standen”, erinnerte Schmidt. Und einige dieser Namen seien heute nicht mehr passend.

 


Das heikle Thema General Konrad nahm nur einen kurzen Raum ein in Schmidts Rede. So sagte er zum Beispiel: „Wir wissen nicht besonders viel von General Konrad – weder im Guten noch im Schlechten.” Dennoch sprach er auch offen aus, dass sich General Konrad in die Verstrickung der NS-Zeit habe hineinreißen lassen.

 


Heute, zwei Generationen später, gelte es den Blick nach vorne zu richten. Schmidt sprach von einer modernen, neu ausgerichteten Bundeswehr, vom „Staatsbürger in Uniform”, ging aber auch darauf ein, dass die Gebirgsjägerbrigade 23 sich nicht an früheren Ereignissen orientieren müsse, sondern eine kampferprobte Truppe sei, dass die jungen Soldaten von heute bei Auslandseinsätzen an Krisenherden wie Afghanistan und dem Kosovo vieles bis hin zu Verwundung und Tod erleben.

 


Hier forderte Schmidt mehr Verständnis und Rückhalt aus der Bevölkerung für die Bundeswehr als Teil der demokratischen Gesellschaft ein: „Kriegseinsätze kann man nicht vom Sofa vor dem Fernseher aus beurteilen, das ist kein Fußballspiel.”

 


Der neue Name Hochstaufen-Kaserne am Fuße des gleichnamigen Berges solle die feste Verwurzelung der Bundeswehr am Standort Bad Reichenhall und die Verbundenheit zur Region zum Ausdruck bringen.

Autor: Tanja Weichold
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