16.03.2016 Ramsau

Es rumort gewaltig

Asylunterkunft statt Wellness-Oase? Es rumort heftig im "Bergsteigerdorf" Ramsau

Hochkalter
Foto: Kilian Pfeiffer
Hotel „Hochkalter“ schließt wegen Brandschutz. Kommen jetzt bis zu 120 Asylbewerber?

Auch, wenn Bürgermeister Herbert Gschoßmann während der Bürgerversammlung noch vorsichtig ist mit seinen Aussagen: Hört man sich in seiner Gemeinde um, wird schnell klar, dass das ehemalige Hotel „Hochkalter“, das an diesem Wochenende wegen fehlender Brandschutzbestimmungen geschlossen werden musste, zur Unterkunft für Asylbewerber werden könnte. Die „Regierung von Oberbayern“ hat wohl großes Interesse an dem ehemaligen Vorzeigehotel der kleinen Gemeinde. Gespräche mit dem Inhaber hat es bereits gegeben.

 

Brisantes Thema im 1.800-Seelen-Ort

 

Es ist ein brisantes Thema – nicht nur bei Bürgermeister Gschoßmann und seiner Gemeindeverwaltung, sondern auch innerhalb der Bevölkerung der 1800-Seelen-Ortschaft. Bislang hatte man mit dem Thema „Asylbewerber“ wenig zu tun. Offiziell gibt es im Ort noch keine. Der Großteil der Asylsuchenden ist bislang auf die Nachbargemeinden Berchtesgaden, Schönau am Königssee und Bischofswiesen verteilt worden.

 

Wohl auch, weil geeignete Unterkünfte fehlten. Das dürfte sich aber spätestens seit vergangenem Wochenende geändert haben: Das Alpen- und Wellnesshotel „Hochkalter“, direkt am Ortseingang gelegen, einen Steinwurf von der Tourist-Info entfernt, musste geschlossen werden.

 

„Wegen fehlender Brandschutzvorkehrungen“, sagt Bürgermeister Gschoßmann. Seit rund einem Monat ist die Schließung in der Gemeinde bekannt, wie der Geschäftsleiter von Ramsau, Martin Willeitner, auf Nachfrage bestätigt. Geht es nach ihm – und großen Teilen der Bewohner von Ramsau – soll das Hotel weiterhin Hotel bleiben. „Für den Ort ist das sehr wichtig“, sagt auch Gemeindechef Gschoßmann.

 

Fakt ist, dass der Brandschutz des Hauses erneuert werden müsste. Fakt ist aber auch, dass der jetzige Eigentümer das Objekt mit 50 Zimmern zu einer Wellness-Oase ausbauen lassen will. Einen geeigneten Investor gibt es bereits. Allerdings auch einen Nachbarn mit großen Einwänden gegen die Pläne des Hotelbetreibers. Aus Gemeindekreisen heißt es: „Es gibt einen Nachbarschaftskrieg.“ Und solange dieser nicht beigelegt ist, stehen eventuelle Ausbaumaßnahmen in den Sternen. Es geht sogar so weit, dass der Investor in Aussicht stellt, seine Zusagen zurückzuziehen, wie es aus Insiderkreisen heißt. Bedeutet: Eine Erweiterung zur Wellness-Oase, zum „Flaggschiff des Ortes“, wie es ein Lokalpolitiker kürzlich nannte, wäre gestorben.

 

Nachbarschaftskrieg vereitelt Wellness-Oase

 

Würde dieser Fall eintreten, stünden alle Türen offen für die Regierung von Oberbayern. Dort hat man großes Interesse am ehemaligen Hotel mit immerhin 4.000 Quadratmeter Nutzfläche. Entgegen der Aussage des Bürgermeisters, maximal 35 Personen dort aufzunehmen (Gschoßmann: „Das ist der rechnerische Zuteilungsschlüssel“), plant die Regierung in größeren Dimensionen.

 

Geeignet scheint das Haus für bis zu 120 Personen, wie aus vertraulichen Kreisen zu erfahren ist. Bekannt ist auch, dass die Regierung von Oberbayern Objekte zu besonders guten Konditionen anmietet – auf lange Sicht. Für den Betreiber wäre das – zumindest finanziell gesehen – der Optimalfall. Gesicherte Einnahmen, mindestens zehn Jahre lang, der Brandschutz würde sowieso erneut werden.

 

Auch, wenn sich die Nachricht in der Gemeinde wie ein Lauffeuer herumgesprochen hat, wurde während der Bürgerversammlung im Gasthaus „Oberwirt“ viel getuschelt. „Das wäre der Untergang für die Gemeinde“, sagt ein aufgebrachter Bürger, der beim Ausgang des Saales steht, die Arme verschränkt. „Und das direkt am Ortseingang“, nörgelt er. Sein Nachbar pflichtet ihm bei.

 

Natürlich ist es auch der große Wunsch der Gemeindeverwaltung, das Hotel weiterzuführen. Es ist eines der wenigen großen Häuser im Ort, die Schließung mitten im Zentrum käme einer touristischen Katastrophe gleich – so wird getuschelt. Drei Objekte wurden Bürgermeister Herbert Gschoßmann bislang als mögliche Asylbewerberunterkünfte angeboten. „Eines war zu abgelegen, bei einem war die Mietforderung zu hoch, beim dritten war es der Brandschutz.“ Und beim Hotel „Hochkalter“? Da fehlt zwar auch der Brandschutz, allerdings ist die Lage, wenn es nach den Kriterien der Regierung von Oberbayern geht, sensationell.

 

Mit den Planungen einer Wellness-Oase hat der Hotel-Betreiber bereits angekündigt, eine Hotelnutzung zu favorisieren. Dagegen spricht der „Nachbarschaftsstreit“, der ungeahnte Züge angenommen hat. Es geht dabei um Zufahrtswege. Um eine mögliche Untersagung der Nutzung.

 

Spätestens, wenn der Investor endgültig die Geduld verloren hat, ist das Hotelprojekt vom Tisch. Dann kommt die Regierung von Oberbayern zum Zug. Die Diskussionen dürften laut ausfallen: Mit der beschaulichen Ruhe im Ort ist es dann erst einmal vorüber ...

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Autor: Kilian Pfeiffer

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