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04.10.2011 Schönau am Königssee

„Ich war auch mal sehr sportlich“

Apple-Mitbegründer Steve Wozniak in Schönau am Königssee


Da drüben sitzt er also nun. Unscheinbar ist jener Steve Wozniak, seines Zeichens lebende Legende.

Neben Steve Jobs ist er einer der Mitbegründer des derzeit teuersten Unternehmens der Welt – Apple, die iPhone-Firma. Wozniak sitzt also am Rand eines Kunstrasenfeldes in Schönau am Königssee und schaut auf das sportliche Geschehen. Bodyguards? Fehlanzeige. Der Amerikaner mit polnischen Wurzeln ist „just for fun“ in den Talkessel gereist, zur reinen Unterhaltung, insgesamt vier Tage lang. Steve „The Woz“ Wozniak ist Erfinder der Sportart Segway-Polo – und wie es der Zufall will, finden nur unweit des weltbekannten Königssees die vom Berchtesgadener Veranstalter Detlev Knoll ausgerichteten Europameisterschaften statt.

 

Ein Interview mit dem Apple-Mitbegründer ist keine einfache Sache. Einfach hingehen und drauflos fragen? Besser nicht. Immerhin hat Wozniak Urlaub. Die letzten Wochen ist er viel gereist, war in Österreich, in Norwegen, hat Vorträge gehalten, „Networking“ betrieben, wie er das selbst nennt. In Schönau am Königssee fühlt er sich, als sei er endlich angekommen. Auf Interviews hat er also wenig Lust, noch weniger auf Fragen nach „Apple“, jene Firma, die er einst gründete, doch wer hartnäckig bleibt, wird auch beim Segway-Polo-Erfinder erfolgreich.

 

Als er dann, einen Tag später als geplant, in sein kleines Zelt am Spielfeldrand des sportlichen Geschehens bittet, ist die Stimmung gelöst, Steve Wozniak ist bereits aus dem Turnier ausgeschieden. Traurig ist er darüber nicht. Er begrüßt freundlich, „was kann ich für Sie tun“, fragt er den Reporter. Fragen beantworten? Doch zunächst händigt Wozniak seine individuelle Visitenkarte aus, ein Stück Metall mit einem binären Zahlencode, eingestanzt, ein kleines Rätsel am Rande. Glücklich sei er, in Schönau am Königssee zu sein, bei den Europameisterschaften.

 

Wegen des Wettbewerbes sei er gekommen, weil er Freude am Spiel habe. 2002 hatte Wozniak Segway-Polo erfunden, in Silicon Valley, jener Denkfabrik, aus der schon so manches legendäre Produkt seinen Siegeszug um die Welt angetreten hatte. „Ich war der erste Mensch überhaupt, der sich einen Segway gekauft hat“, verrät Wozniak mit einem bestätigenden Lächeln. Da lag es nahe, das Polospiel mit den Elektrorollern in Einklang zu bringen. Zusammen mit einem Bekannten legte er die Spielregeln fest, entschied darüber, mit welcher Ausrüstung die Mannschaften auf den Platz gehen.

 

So wird Segway-Polo etwa in weißen Hosen gespielt. So wie Polo, „Spiel der Könige“ und ältester Team-Sport der Welt. Nur die österreichischen Mannschaften treten werbewirksam in Lederhosen an. Obwohl Wozniak in den USA wohne und dort der Sport erfunden wurde, ist Deutschland jenes Land, in dem es die meisten Spieler gibt. Alte und junge, sportliche und weniger sportliche.

 

„Ich war in jüngeren Jahren auch mal sehr sportlich“, sagt Wozniak, der heutzutage einen „formschönen Bauch“ mit sich trägt. Dieser hindert ihn aber nicht am Segway-Polo-Spielen. Ein Segway hat „The Woz“ immer mit am Start. „In meinem Auto fahre ich sie rum“, sagt er. Und da er Autofahren dem Fliegen vorzieht, hat er immer sein Segway mit dabei – „alles, was in zwölf Stunden zu bewältigen ist, wird mit dem Auto gefahren“, so sagt er. Ob es stimme, dass er sich Segways auch in das Ausland einfliegen lasse? „Aber klar doch“, entgegnet er.

 

Die Gegenden, in denen er zu Besuch ist - sei es in Berchtesgaden, aber auch in Prag, Budapest oder Wien - erkunde er immer auf dem Zweirad. „Walking-Touren“ sind sein großes Hobby. In Salzburg sei er schon mit dem Elektroroller gewesen. Den Marktkern von Berchtesgaden wolle er sich auch noch anschauen. Denn hier werde er sowieso nicht erkannt. Dass er noch nicht viel früher in den Alpen zu Besuch war, finde er schade. Die landschaftlichen Gegebenheiten dagegen „einzigartig“, „unbelievable“. Den Talkessel erachte er als einen Ort, „den man besuchen muss, allein nur um ihn zu sehen.“

 

Familiär sei die Segway-Polo-Gemeinschaft, „ich kenne die meisten Spieler persönlich“, berichtet Steve Wozniak. Gegen einen größeren Bekanntheitsgrad für seinen Sport hätte er aber wohl nichts einzuwenden. Dass die Zuschauerzahlen überschaubar bleiben, auch das macht ihm nichts aus. Es komme ja auf den Spaß an. Und da interessiere es nicht, wie viele Menschen einem zuschauen. Die obligatorische Frage in Sachen Apple folgt am Ende dann doch noch. Ob er denn ein iPhone besitze? „Ja“, auch das habe er. Ein Handy unter vielen. Dann steigt Wozniak auf seinen Segway und braust los in Richtung Hotel Alpenhof – „sehr schön dort, übrigens.“

Autor: Kilian Pfeiffer
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