23.05.2012 Regen

Bürgerwind will Wertschöpfung in der Region

Windkraft ja: Mit Vernunft und Augenmaß


Bürgerwind im Kreis Regen will, dass die Bürger von der Windenergie Zählbares im Geldbeutel haben: Ziel müsse eine dezentrale Energieversorgung sein

Energiewende – ein schöner Begriff, der von der Politik aber nur schwer mit Leben gefüllt wird. Der Mensch macht die Erde kaputt, aber noch merkt er es nicht – besser gesagt, er will nichts davon wissen. Erneuerbare Energien sind ein Weg aus dem Dilemma. Doch Adolf Probst und Stefan Köppl, zwei der Initiatioren der Bewegung Bürgerwind im Landkreis Regen, stoßen jetzt schon an ihre Grenzen, bevor sie überhaupt richtig loslegen konnten: „So wie es jetzt ausschaut, glaube ich nicht, dass 2021 die Atomkraftwerke abgeschaltet werden können”, ist Probst überzeugt.


Die Schuld daran sieht er eindeutig bei der Politik: „Sie reden von der Energiewende, aber wenn Widerstand von Bürgern kommt, dann ziehen sie sich zurück.” Die Politik stehe nicht hinter den eigenen Aussagen – und das mache eine Umsetzung, etwa der Windkraft, so schwer. Bürgerwind ist gerade dabei, in der Gemeinde Kirchdorf eine Windkraftanlage auf die Beine zu stellen. Dabei sind Probst und Köppl nicht selbst Investoren – sie bieten den Bürgern Beteiligungen an. Mit Erfolg: „Für ein Windrad hätten wir die Investitionssumme fast schon beisammen.”


Doch es regt sich Widerstand (Wochenblatt berichtete). Viele Gemeindebürger fürchten, ihre Gemeinde könnte förmlich von Windräder umzingelt werden – zumindest lässt der entsprechende Vorentwurf des Regionalplans das auch tatsächlich möglich erscheinen. Während in vielen Nachbargemeinden überhaupt keine Flächen für die Windkraft ausgewiesen seien, sieht es so aus, als sollte Kirchdorf eine Art Großlieferant für die grüne Energie werden.

 

Drei Windräder in Kirchdorf: 110% Abdeckung

Das allerdings verweist Adolf Probst, der selbst in der Gemeinde Kirchdorf wohnt, ins Reich der Märchen: „Wir sind klare Befürworter der Windkraft. Aber nicht zu jedem Preis. Man muss das alles mit Augenmaß machen”, sagt er. Und das bedeutet: „Wenn in der Gemeinde Kirchdorf drei Anlagen stehen, dann ist sie zu 110 Prozent mit Strom versorgt.” Das müsse reichen. Und: „Jede Gemeinde im Landkreis Regen hat geeignete Standorte. Die müssen genutzt werden.” Eine Lösung, die allen gerecht werde: „Denn ich will natürlich auch nicht, dass die Gemeinde Kirchdorf eingekreist wird.”


Probst sieht sich als Verfechter einer dezentralen Stromversorgung, so wie es früher die Wasserkraft im Bayerischen Wald bot. „Jede Gemeinde könnte sich selbst versorgen. Und wenn es geschickt angestellt wird, dann können die Bürger, oder zumindest die, die Geld in die Anlagen investieren, davon profitieren.” Eine Möglichkeit, die übrigens im Staatsforst gänzlich ausgeschlossen sei: „Ich habe noch von keiner Bürgerbeteiligungen bei Standorten im Staatswald in Bayern gehört” so Probst.

 

Wertschöpfung soll in der Region bleiben

Die Verteilung von Windkraftanlagen über den ganzen Landkreis – das könnte von den Gemeinden so gesteuert werden, sagt Probst. „Kirchdorf könnte zum Beispiel einen Teil-Flächennutzungsplan erstellen mit drei festgelegten Standorten für Windräder”, schlägt er vor. Rund 40000 Euro würde das kosten. Gemessen an den Gesamtkosten einer Windkraftanlage von etwa vier bis fünf Millionen Euro ein verschwindend kleiner Betrag, „den man sogar auf die Investoren umlegen könnte”, so Probst.


Was fehle, seien die entsprechenden politischen Vorgaben. „Es herrscht absolutes Chaos: Es gibt keine richtig festgelegten Zuständigkeiten, keiner hat die Verantwortung und es gibt keine Struktur.” Wie da in zehn Jahren in Bayern 1500 neue Windkraftanlagen entstehen sollen – wie von Seehofer gefordert – ist Probst schleierhaft.


Die Lösung sei einfach: „Man müsste doch nur die Voraussetzungen schaffen, dass die Wertschöpfung der Windkraft in der Region bleibt”, so Probst. Also: Die Gemeinden könnten Bürgerbeteiligungs-Modelle schaffen, könnten selbst profitieren. „Wenn man den Strom beispielsweise an die Stadtwerke Zwiesel liefert, könnten die ihn an die Investoren günstiger weiter geben – und alle haben etwas davon. Da müsste doch jeder Bürgermeister Antreiber sein – in Wahrheit sind die meisten aber Bremser.“


Bürgerwind selbst macht seit 20 Jahren Windmessungen, beobachtet die Entwicklungen: „Uns macht in Sachen Windkraft keiner was vor“, sagen Probst und Köppl. Deshalb wissen sie genau, wo die besten Standorte wären. „Das sind fundierte Daten, ohne Risiko.“ Wenn die Windkraft im Bayerischen Wald sinnvoll genutzt werden soll, dann müsste man Anlagen bauen, die in der Spitze bis zu 200 Meter hoch sind. „Sinn macht das alles nur, wenn die Investition innerhalb von zwölf Jahren amortisiert ist“, rechnet Probst. Bei einer Laufzeit von 20, 25 Jahren bei einem Windrad könne dann eine gute Rendite erzielt werden.


„Eines ist sicher: Die Windkraft wird niemand verhindern können. Die Frage ist also: Wie kann der Einzelne in der Region davon profitieren”, so Probst. Darüber sollte man sich Gedanken machen. „Das Problem ist dabei immer noch unser Wohlstand – Energie ist noch zu billig. Zu billig, um nachdenken zu wollen.“


Und die Nachteile einer Anlage? Adolf Probst winkt da nur ab: „In der Gemeinde Kirchdorf machen die B85 und die REG9 (nach Abtschlag) Lärm, die Windräder würde keiner hören.“ Und auch die Frage von blendendem Licht in der Nacht ist längst gelöst, so Probst: „Früher haben da 1000 Watt-Strahler geglüht. Für die Anlagen, wie wir sie vorhaben, gibt es 100 Watt-Lichter.“ Das einzig „störende“ an den Windräder könnte sein: Man sieht sie.

Autor: Lothar Wandtner