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04.09.2012 Bodenmais, Hurghada

Ein besonderer Stammtisch in Ägypten

Was macht die Weißwurst in Hurghada?


Bodenmaiser Hoteliers bringen die Wurst nach Hurghada – zum Weißwurst-Stammtisch

Sie ist Kult, Kultur und unverzichtbar: Die Weißwurst ist ein Stück Identität für Bayern. Der Weißwurststammtisch in Zwiesel ist ein Beweis dafür – er hat nicht nur in Facebook viele Freunde. Das Hotelierspaar Astrid Stiefel und Andreas Diefenbach vom „Dolce Vita“ in Bodenmais haben die Wurst nun auch in Hurghada, Ägypten, zum Kult werden lassen: Sie laden dort Freunde regelmäßig zum Weißwurststammtisch ein.


So etwas hat der afrikanische Kontinent bisher noch nicht gesehen – wenn man einmal von einem Fernsehfilm mit Ottfried Fischer in der Hauptrolle absieht, in dem der Hauptdarsteller seine Weißwürste als Überlebenspaket mit auf Afrika-Reise nimmt. Regelmäßig gibt es für die kleine deutsche Gemeinde in Hurghada neuerdings einen Weißwurstfrühstücks-Stammtisch. Die gebrühten Spezialitäten aus Bayern werden direkt mit dem Flieger von Stiefel und Diefenbach aus dem Bayerischen Wald angeliefert.

Weiß/blaues Ambiente, die Teilnehmer zum Teil in Tracht und alles stilgerecht – so folgten vergangene Woche 66 Teilnehmer der Einladung der beiden Hoteliers aus Bodenmais, die die Würste mit frischen Brezen und frischem Weißbier reichten. „Das kommt sehr gut an, bei unseren Freunden“, sagt Diefenbach. Die in Hurghada lebenden Deutschen lebten dort wie in einem kleinen Dorf – und Spezialitäten aus der Heimat zu bekommen, ist für sie natürlich besonders interessant.

 

Weißwurst, Breze, Weißbier


Übrigens: Ganz einfach ist es nicht, die „heiße“ Ware aus dem Bayerischen Wald nach Hurghada zu transportieren. Denn: Die Einfuhr von Lebensmitteln ist dort absolut verboten. Einmal wurde Diefenbach bereits „mit einer halben Sau im Koffer“ erwischt, wie er erzählt. „Ich habe dem Beamten dann erklärt, dass ich in Ägypten lebe und auf Fleisch und Wurst aus der Heimat nicht verzichten kann. Ich durfte alles behalten.“ So kann das Einfuhrverbot also umschifft werden – wenn die Sau zur „Medizin“ wird. Dem ägyptischen Zollbeamten scheint nicht daran gelegen zu sein, die ausländischen Gäste in Ermangelung von Schweinefleisch in Lebensgefahr zu bringen.


Ähnlich kommen auch die Weißwürste nach Ägypten: Direkt nach dem Brühen werden sie vom Metzger (mal in Bodenmais, mal in Regen) eingeschweißt, wandern in Diefenbachs Koffer und gehen auf die lange Flugreise. „Immer am Tag nach der Landung gibt es Weißwurstfrühstück“, sagt er. Natürlich: „Der Stammtisch ist ein rein privates Vergnügen für die deutschen Freunde, die in Hurghada leben.“ Alle zwei bis drei Monate fliegen Stiefel und Diefenbach runter – und die Fangemeinde wartet schon auf Weißwürscht und Breze. Und damit das künftig noch öfter möglich ist, suchen Stiefel und Diefenbach einen jungen Manager für das Hotel „Dolce Vita“ in Bodenmais – dann könnten sie selbst nämlich öfter mit der Weißwurst im Gepäck nach Ägypten jetten.


Die Idee zu diesem Stammtisch kam den Hoteliers übrigens aufgrund der Zwieseler Bemühungen rund um die Weißwurst. Der dortige Weißwurst-Stammtisch, angeführt von Rosl&Bertl, nimmt den Export nach Ägypten deshalb auch mit besonderer Freude zu Kenntnis. Die Zwieseler haben der Weißwurst sogar einen eigenen Blog im Internet gewidmet. Wer es noch nicht weiß, kann hier lernen, wie man mit der Weißwurst richtig umgeht: weisswurstbayern.wordpress.com

 

Autor: Lothar Wandtner