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28.03.2012 Regen

Karriere im Hotelberuf

Von einer, die auszog, um die ganze Welt kennen zu lernen

Barbara Rauwolf
Foto: privat
Barbara Rauwolf (23) aus Regen eroberte die Welt: Die Hotelfachfrau arbeitete schon in Frankfurt, Schottland und zuletzt Chicago

Einen Klitschko-Bruder am Frühstücksbüffet fast umrempeln? Oder mit Mark Madlock in der Hotel-Tiefgarage eine rauchen? Oder doch lieber mit Pink an der Hotelbar plaudern? Barbara Rauwolf hat das alles erlebt – und viele andere Promis kreuzten bereits ihren Weg. Die Chance dazu eröffnete ihr der Beruf als Hotelfachfrau, den sie mit 16 in Bodenmais, Hotel Neue Post, als Lehrling in Angriff nahm. Bis heute, sieben Jahre später, hat sie bereits richtig Karriere gemacht.

„Mein Traum war es immer, nach Amerika zu gehen“, sagt sie, der es in Regen schon immer „zu eng“ war. Außerdem habe sie von ihrer Mutter diese Sehnsucht nach Reisen, nach der Ferne geerbt. Als Lehrling war sie wahrscheinlich nicht so schlecht, denn das Hotel in Bodenmais bot ihr die Übernahme an. „Aber ich habe abgesagt. Ich wollte weg, und habe es mir zugetraut, obwohl ich damals noch keinen anderen Job in Aussicht hatte.“ Also schickte sie Bewerbungen los und landete schließlich im Hotel Sheraton am Flughafen in Frankfurt.

Es war eine spannende Zeit, so beschreibt sie es. Prominente gingen hier ein und aus – das Publikum ist international. Ob nun DSDS-Superstar Mark Madlock, Monrose, Pink: „Es ist etwas besonderes, diese Leute alle zu treffen und sie zu erleben“, sagt sie. Doch genug war ihr das nicht. Denn das Ziel lautete: Amerika. Also schrieb sie fleißig Bewerbungen, „ich bekam aber nicht einmal Antworten.“ Der Traum – er blieb.


„Schnell habe ich begriffen, dass ich richtig Englisch lernen müsste. Also habe ich mich auch in England, Irland und Schottland beworben.“ Die Hartnäckigkeit zahlte sich aus. Denn eines Tages kam es zum Vorstellungsgespräch in Schottland: „Ich habe nicht einmal die Hälfte verstanden, was die zu mir gessagt haben“, erzählt sie. Es hat trotzdem gereicht: Sie konnte im Hotel „Glen Eagles“ in Auckterarader anfangen – irgendwo auf dem Land, zwischen Edingburgh und Glasgow.


14 Stunden dauerte die Anreise aus Regen: Mit dem Auto nach München, Flug nach London, Umsteigen nach Glasgow, dann in den Zug, dann in den Bus. Ankunft. „Ich bin völlig fertig vor dem Hotel gestanden und habe einfach nur angefangen zu weinen. Es konnte nicht wahr sein, dachte ich.“ Sie stand vor einem riesigen, alten Schloss, das zum Hotel umgebaut wurde. Kurz: Ein Traum.


Die Ernüchterung kam schnell: Eine bessere Besenkammer wurde ihr als ihr Zimmer zugewiesen. Sie verstand die Leute nicht. Keiner sprach deutsch. „Ich wollte eigentlich nur noch heim nach Regen“, erinnert sie sich. „Die ersten Arbeitstage waren die Hölle, jeden Tag habe ich auf meinem Zimmer geweint.“ Und doch: Sie hatte nur zwei Möglichkeiten – entweder durchhalten, oder aufgeben. „Aber ich war zu stolz. Wenn ich nach Hause telefoniert habe, habe ich mir nichts anmerken lassen: Alles ist super, alles ist toll, mir geht es gut.“
Drei Wochen dauerte diese Phase, dann wurde es leichter. Es war ein Glücksfall für sie: Es ist eines der drei besten Hotels in Schottland, und sie selbst legte im Restaurant eine schnelle Karriere hin. „Zum ersten Mal hatte ich mit 5-Sterne-Gastronomie zu tun“, sagt sie. Sie musste für die Gäste am Tisch flambieren, sie musste Fisch filettieren, Fleisch am Tisch der Gäste schneiden. Sie biss sich durch: „Nach vier Monaten war ich Chef de Rang“, sagt sie. Also: Die Nummer 3 hinter dem Restaurantleiter und dessen Stellvertreter.


Gleichzeitig blieb sie in Sachen USA weiter am Ball. Bis sie auf die Online-Vermittlungsagentur HRC International stieß. Während sie in Großbritannien von ihrem Hotel für zwei nationale Auszeichnungen nominiert wurde, bekam sie die Chance, nach Chicago ins James Hotel zu gehen. Zuvor jedoch galt es, ein Skype-Interview mit drei Hotelmanagern zu überstehen. „Ich war nervös, habe die Leute kaum verstanden und mein Englisch war auch nicht das beste.“ Egal: Es war der große Traum – und diesmal ging er in Erfüllung.
Wieder konnte sie ihre Manager überzeugen – bereits nach sieben Monaten war sie Supervisor, also Schichtleiterin im Restaurant. Eine neue Herausforderung, denn auf einmal war sie für die Dienstpläne zuständig, für Gehaltsabrechnungen, für die Speisekarte – und nicht zuletzt für die Beschwerden der Gäste. Schließlich musste sie für einen Monat als Room-Service-Supervisor einspringen – auch das gelang. „Dafür wurde ich vom Hotel als Mitarbeiterin des Monats ausgezeichnet.“ Das Ergebnis: Ein Riesenpokal und 100 Dollar Cash.


Ein Jahr dauerte der Traum, dann lief die Arbeitserlaubnis aus. Eine Verlängerung hätte rund 30000 Dollar gekostet – es war einfach nicht möglich. Also schloss sie mit den USA ab, machte noch einen Roadtrip mit dem Jeep nach Las Vegas, nach Memphis, New Orleans, Bandera und Dallas. Dann ging es heim. In wenigen Tagen fängt sie im Herzen von München in einem neuen Hotel an – eine asiatische Hotelkette, die hier das erste Hotel in Deutschland eröffnet hat. „Und diese Kette hat auch Häuser in den USA“, sagt sie mit einem Lächeln.


„Was sich wie ein Traum anhört, ist oft genug Arbeit, die bis an die Substanz geht“, sagt sie. Doch wer diesen Job ergreife, der dürfe ihn nicht als Arbeit verstehen. „Mir macht es Spaß, ich liebe den Umgang mit Gästen, mit Menschen. Die Erfahrungen, die ich bereits jetzt sammeln konnte, nimmt mir keiner mehr.“ Der Traum geht weiter: Bevor sie 30 ist, will sie Restaurantmanagerin sein. Ihr Arbeitsplatz, da lässt sie keinen Zweifel daran, wird auch künftig nicht Deutschland sein, sondern die Welt.

Autor: Lothar Wandtner