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10.10.2012 Regen

Josef Neumeier erzählt

Traumberuf Landratsfahrer

Josef Neumeier
Foto: L.Wandtner
Josef Neumeier (52) aus Patersdorf ist seit 1989 Fahrer des Landrats in Regen – ein Erfahrungsbericht

Als Bub hatte Josef Neumeier seinen Traum schon vor Augen: Er wollte Fahrer des Landrats werden. Ein außergewöhnlicher Berufswunsch, schließlich gibt es diesen Job im Landkreis Regen nur einmal zu vergeben. Der Hintergrund ist aber denkbar einfach: Neumeiers Onkel war schon Fahrer der Landräte in Viechtach – „ich habe das so bewundert, das hatte für mich einen unglaublichen Reiz.“


Dabei war es nicht der Onkel, der ihm schließlich die Stelle als Nachfolger vermittelte. Eines Tages – Neumeier arbeitete damals in der Straßenmeisterei in Viechtach – traf er dort den damaligen Landrat Helmut Feuchtinger. „Ich habe ihm gesagt, dass ich sein Fahrer sein möchte, wenn mein Onkel in Rente geht.“ Feuchtinger habe sich interessiert gezeigt – und ein paar Jahre später war es tatsächlich so weit. Seit 1989 fährt Neumeier den Landrat – Feuchtinger, Heinz Wölfl, jetzt Michael Adam – und dessen Stellvertreter.


„Es ist ein Beruf, bei dem die Familie mitspielen muss“, sagt Neumeier gleich. Denn die Termine des Landrats sind zugleich die Termine seines Fahrers – und der Kalender ist meistens prall gefüllt. Morgens, mittags, abends, der Fahrer muss immer da sein. 100 Überstunden im Monat können da schon mal auflaufen, ohne Überstunden geht es gar nicht. „Meine Frau hat das vorher gewusst und sie unterstützt mich wirklich vorbildlich. Sonst ginge das nicht.“

Neumeier nimmt es in Kauf, weil es für ihn der interessanteste Job überhaupt ist: „Man lernt unheimlich viele Menschen kennen“, sagt er. Zum einen seien da die Politiker – Edmund Stoiber, Horst Seehofer, Minister und viele andere sind schon in „seinem“ Auto gesessen. Aber auch ganz normale Leute, im Landkreis und darüber hinaus. Bei etwa 50000 Kilometern im Jahr kommt man gut rum.
Dabei ist er letztlich der Mensch, der am engsten mit dem Landrat zusammen lebt. Die Arbeit findet im Auto statt: Heinz Wölfl hatte in der Anfangszeit ganze Kisten voller Akten mit dabei, wenn sie im Fahrzeug unterwegs waren. Später wurden die Akten weniger, weil der Computer Einzug hielt. Michael Adam sitzt am Beifahrersitz – die anderen saßen alle hinten – hat Blackberry und Tablet-PC angestöpselt. Vieles von dem, was im Auto gesprochen wird, kriegt Neumeier natürlich mit. „Doch meistens schalte ich auf Durchzug“, sagt er.


Sicherheit ist für ihn das oberste Gebot: 23 Jahre fuhr er unfallfrei, und er wurde zwar hin und wieder geblitzt, „doch zusammengezählt habe ich nicht mehr als 200 Euro in den ganzen Jahren gezahlt. Aber wenn, dann zahle ich die Strafzettel selbst.“ Dabei pressiert es oft, vor allem wenn sich die Termine häufen – und da ist der Gasfuß schon ordentlich dabei.


Deshalb haben es Wölfl und auch Adam so gehalten, dass Neumeier bei der Bestellung eines neuen Wagens ein ordentliches Wörtchen mitzureden hat. „Es geht um die Ausstattung: Ein paar Dinge sind mir wichtig. Ich brauche einen guten Sitz. Ein Sportlenkrad ist gut, weil das Auto dadurch handlicher wird.“ Und ansonsten ist da nicht viel – die Autos werden von BMW ohnehin bis unters Dach auf’s Feinste ausgestattet, ohne dass das extra bestellt werden müsste.


Privat steigt Neumeier nach Dienstschluss in einen Suzuki Swift um. „Viele meinen, dass ich wahrscheinlich BMW fahre. Aber das wäre völlig unrentabel. Mein Auto ist klein, vernünftig und kostet kein Vermögen.“ Wer nun meint, im Swift würde er sich lieber auf den Beifahrersitz fläzen und von seiner Frau fahren lassen, der täuscht sich: „Ich bin ein schlechter Beifahrer, das ist nichts für mich.“

Ein großer Teil des Berufs besteht auch aus Warten, „damit habe ich kein Problem“, so Neumeier. Wenn’s länger wird, hat er Fernsehen im Auto, ansonsten treffe er bei vielen Terminen ohnehin mit den Kollegen zusammen. „Wir sind eine Art große Familie“, sagt er. „Jeder kennt jeden und wir haben immer unseren Spaß zusammen.“ Wenn einer einen neuen Chef hat, dann wird über den geredet – ansonsten geht es um Fußball, Familie und alles das, worüber Männer halt reden.


Und so manche lustige Begebenheit wird auch ausgetauscht. Besonders gerne erinnert sich Neumeier an eine Fahrt nach Dresden, kurz nach der Wende. Landrat Feuchtinger saß hinten, dessen Ehefrau am Beifahrersitz. Auf der Heimfahrt fuhr man quer durch Tschechien – und natürlich passierte man auch den damals berüchtigten Straßenstrich. Der Dienstwagen damals, ein Mercedes 260E, war für die Damen natürlich interessant – es roch nach Geld. Also winkten sie eifrig. Frau Feuchtinger verstand das wohl falsch: „Schau mal Helmut, die winken uns alle zu.“ Feuchtinger blickte kurz aus dem Fenster: „Die winken nicht uns, Helga, die winken Herrn Neumeier.“


Über die Landräte, die er bisher gefahren hatte, lässt er nichts kommen. Aber wenn es um Michael Adam geht, dann bekommt Neumeier förmlich glänzende Augen. „Er ist der beste meiner drei Chefs“, sagt er. „Ich muss ehrlich sagen, ich bin stolz, dass ich ihn fahren darf.“ Adam sei überall bekannt, egal wo sie seien – ob in München, Deggendorf, Passau oder Nürnberg, „die Leute erkennen ihn, sprechen ihn an, sobald er aus dem Auto steigt. Und er redet mit allen, ist immer freundlich.“ Mehr noch: „Manchmal habe ich das Gefühl, meine Kollegen beneiden mich um ihn.“

Autor: Lothar Wandtner