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13.06.2012 Bayer. Wald

Superhelden-Kalender 2013

Langer Weg bis zum perfekten Bild


Erste Shootings für Superhelden-Kalender sind im Kasten – es steckt wahnsinnig viel Arbeit dahinter

Es geht um eine tausendstel Sekunde, den perfekten Moment für das perfekte Foto. Und es dauert Stunden, viele Stunden, bis dieser Moment erreicht ist. Turnhalle Kalteneck, Sonntag, 10 Uhr. Es ist kalt. Viktoria Danielauer, Model für das Motiv „Funtastic 4“ wird gerade grundiert. Metallicblau. Bodypainting – der ganze Körper wird so bemalt, dass sie zum Schluss wie eine Superheldin aussieht. Kurz vor 17 Uhr: Sie ist fertig gestylt, jetzt geht es vor die Kamera.

Andi Zelzer und Julia Gangkofner aus Sankt Oswald hatten die Idee und haben ein hochmotiviertes Team um sich geschart, das in einem Kalender Heldinnen und Helden aus der Walt Disney-Welt mit viel Kreativität und Kunst zum Leben erwachen lässt. „Klar ist: Der Kalender soll nicht alltäglich sein, sondern eine komplett neue Welt erschaffen”, so Zelzer. Noch ist man am Anfang, noch sind nicht alle Models für die einzelnen Kalenderblätter gefunden – vor allem Muskelmänner fehlen noch, die sich einer neuen Herausforderung stellen wollen.


Die erste Fototermine sind bereits abgeschlossen. Am Sonntag hat Marco Dirscherl aus Kirchberg vorm Wald zwei Helden der „Funtastic 4“ vor die Kamera geholt. „Für mich ist die Fotografie ein Hobby. Der Kalender ist eine Riesen-Herausforderung für mich. Ich kann nur hoffen, dass ich ein gutes Ergebnis erziele”, sagt er.


Es gehe ihm auch darum, Erfahrung zu sammeln, sich zu verbessern, vielleicht neue Wege in der Fotografie zu finden. Das bedeutete aber auch: „Ich habe mir die Szenen genau überlegt, weiß genau, wie es aussehen soll“ sagt er. Das mache zumindest das Shooting selbst einfacher. Seine Hauptarbeit liege in der Nachbearbeitung der Bilder am Computer. So hat er für seine ersten Bilder bislang rund sechs Stunden Arbeit am Computer hinter sich: „Das ist aber nur der Anfang, das Bild ist noch lange nicht fertig.“

Zunächst hängt aber alles von  Bodypainter Tobias Kramer aus Neureut und dessen rechter Hand Kerstin Zieringer ab, die die jeweiligen Kostüme auf die nackte Haut malen. Auch das bedeutet im Vorfeld: Stundenlanges tüfteln und überlegen, wie an die Sache heran zu gehen ist. „Ich richte mich nach den Original-Bildern und lege mir eine Strategie zurecht“, sagt Kramer. Wenn er sich nicht sicher ist, wie er beim Malen vorgehen soll, muss seine Freundin Kerstin als Test-Objekt herhalten.


Bei aller Vorbereitung gibt es dennoch noch genügend Raum, für spontane Einfälle während des Paintings. „Ich richte mich nach den Wünschen der Fotografen“, so Kramer. Acht Jahre hat er Airbrush gemacht, seit einem Jahr beschäftigt er sich intensiv mit Bodypainting: „Dabei fällt mir die stundenlange, konzentrierte Arbeit nicht schwer, schließlich ist es schöner, einen Menschen zu bemalen, als einen Tankdeckel.“

Und auch die Models müssen Durchhaltevermögen beweisen. Viktoria Danielauer (20) hat ohnehin großen Spaß daran, sich fotografieren zu lassen. „Es ist jedes Mal schön und jetzt, mit Bodypainting, bin ich gespannt auf die Bilder. Da kommen bestimmt tolle Sachen dabei heraus“, beschreibt sie ihre Motivation, mitzumachen. Das bedeutet aber auch: Mut zur Leidensfähigkeit. Denn in der Turnhalle ist es kalt und die Farbe wärmt in keinster Weise. Dafür werkelt ein kleiner Heizlüfter auf Hochtouren.


Nach fünf Stunden Painting tun die Muskeln schon weh, der Rücken verspannt langsam, als Sabine Aigner aus Deggendorf Viktoria schminkt. Immerhin: Das geht relativ schnell, weil auch bei der Kosmetikerin jeder Handgriff sitzt. Für Viktoria ist es aber noch lange nicht zu Ende: Jetzt wartet die Stylistin Claudia Zellner, die Haare müssen noch gemacht werden. Auch die Friseurin aus Passau hat nach einer neuen Erfahrung gesucht und sich deshalb dem Superhelden-Team angeschlossen. „Für mich ist es neu, für so ein Projekt zu arbeiten”, sagt sie. Spannend sei es obendrein – denn in einem der nächsten Termine muss die Stylistin aus dem Haar des Models zwei Katzenohren formen. „Da muss ich noch reichlich üben“, sagt sie mit einem Lächeln.


Und als sie gerade mit Viktoria Danielauer fertig ist, beschäftigt sich Bodypainter Tobias Kramer mit dem nächsten „Opfer“: Rainer Sitter (30) aus Thyrnau ist das zweite Model für die „Funtastic 4“. Der Tennislehrer hat sich spontan für den Kalender gemeldet. „Ich habe schon ein paar Fotoshootings gemacht“, erzählt er. „Aber Bodypainting ist für mich ganz neu, das hat mich interessiert. Außerdem bin ich sicher, dass das lustig wird.“


Während sich Viktoria bereits im Schweinwerferlicht vor der Kamera ein wenig aufwärmen kann, wird nun ihm langsam kalt – Bodypainting ist harte Arbeit. Model stehen auch. Ein paar Stunden wird es noch dauern – für diesen einen Moment.

Autor: Lothar Wandtner