10.08.2012 Bodenmais


Droht Bodenmais der Straßenschaden-Kollaps?






Eine angsteinflößendere "Rocky-Horror-Picture-Show" hatte es im Marktgemeinderat Bodenmais wohl noch nie gegeben, aber Derartiges kündigte Betriebsleiter Karl Kollmaier an, als er zunächst rein informativ mit dreihundert an die Wand projizierten Bildern über den Zustand der Straßen, Wege und Plätze im Ort berichtete.

Und dieser Zustand ist mehr als bedenklich. "Größere Maßnahmen zur Sanierung der Straßen sind wegen extrem begrenzter Haushaltsmittel in den letzten Jahren gescheitert", stellte Karl Kollmaier fest. Eine halbe Million Euro jährlich müsste schätzungsweise aufgewendet werden, um die maroden Straßen, Wege und Plätze in Bodenmais in absehbarer Zeit in einen Top-Zustand zu bringen. Die im Haushalt eingestellten 200000 Euro reichen da bei weitem nicht aus - allein schon 150000 Euro werden für die "allgemeine Betreuung" des Straßennetzes - wie Anschaffung von Verkehrszeichen, Mähen von Böschungen und kleinen Sanierungs- und Reparaturmaßnahmen - pro Jahr aufgewendet.



Einleuchtend war dem Marktrat die eindringliche Botschaft von Karl Kollmaier, dass mit den verbleibenden 50000 Euro "keine großen Sprünge mehr gemacht werden können". Betroffener wurden die Gesichter - nicht nur im Gremium, sondern auch bei den Zuschauern - über den einstündigen Vortrag des gemeindlichen Betriebsleiters. Die Stimmung war gedämpft im Sitzungssaal als Karl Kollmaier die Präsentation über den Bodenmaiser Straßen-Zustand mit mahnenden Bemerkungen ergänzte und rechtfertigte, dass mit den getanen Maßnahmen "das Geld nicht hinausgeworfen wurde". Erfreulich sei, was im Zuge der Verlegung des Fernwärmenetzes und von Leitungsschäden an überfälligen und fälligen Maßnahmen erledigt werden konnte. Als Beispiel nannte Karl Kollmaier betreffende Bereiche im Ortsteil Klause, so wie bei der Silberberg-Klinik, wo der gesamte Kreuzungsbereich neu entstanden ist. Zahlreichen aspahltierten Straßen im Ort ist die Teerschicht im Laufe der Jahre nahzu gänzlich abhanden gekommen. Am grundlegend sanierten Miesleuthenweg, der erst im vergangenen Jahr abgenommen wurde, musste jetzt schon der Rissesanierer tätig werden, wie Betriebsleiter Karl Kollmaier einräumte. Straßen zu häufig aufzureißen - davor warnte Marktrat Josef Weikl (parteilos), jedoch müsse auch eine frisch geteerte Straße bei einem Rohrbruch geöffnet werden, entgegnete Karl Kollmaier.



"Wie entwickeln sich die Straßen in den nächsten fünf Jahren?". Diese Frage stellte der Betriebsleiter im Rahmen seiner beachtlichen und durchaus interessanten Präsentation und schwer war es darauf zufriedenstellende und vor allem zukunftsweisende Antworten zu finden. Einige Straßen reparieren, andere vernachlässigen - keine gute Lösung. Karl Kollmaier will alle sensibilisieren, schildert, dass "Bergwinkl" und "Am Lehen" oder auch die Bahnhofstraße zu den besten Straßen gehören, die Liste der schlechtesten Straßen im Ortsgebiet, wo der Betriebsleiter unter anderem Böhmhof, Dirnauweg, Am Schlossereck, Barbarastraße anführt, ist bedeutend länger. Da ist die Anmerkung von Josef Weikl (parteilos), dass die Gemeinde mehr Augenmerk auf ihr Straßen- und Wegenetz legen müsse, nicht in den Wind gesprochen. Der Vortrag wird zu einem Sammelsurium von Straßenschäden und dramatischer Zustände von Teerdecken. Wie vorgehen? Welche Maßnahmen? Mehrmals schon hatte Karl Kollmaier fachlichen Rat eingeholt: "Das Ausmaß der Schäden ist enorm", darauf kommt man resümierend. Eine Überlappung kommt oft nicht mehr in Frage, Rissesanierer ziehen fragend wieder ab: "Wo sollen wir denn da noch anfangen?". Der gemeindliche Betriebsleiter weist auch darauf hin, dass es die Kommune ist, die haftet, wenn sich ein Passant auf einer beschädigten Straße den Knöchel bricht. Gegen eine "Fleckerlwirtschaft" und für ein Konzept nach drei Prioritätsstufen sprach sich nach den Ausführungen von Karl Kollmaier Marktrat Andreas Adam (SPD) aus. "Es gibt keine andere Lösung", fügte er an und brachte als Vorbeugung für derartige Schäden eine Tonnagenbegrenzung ins Spiel. Für einen "gewissen Fahrplan" war Bürgermeister Joachim Haller, nach dem Marktrat Josef Brem (CSU) auf die Verkehrssicherheitspflicht der Gemeinde pochte. Zuversichtlich ist der Rathauschef, dass man in ein paar Jahren über die Prioritätenliste drüberschauen kann.



Betriebsleiter Karl Kollmaiers Ton wurde bestimmter mit der Bezeichnung des begonnenen Meinungsaustauschs im Gremium als "eine Verniedlichung des Problems". Den Finger in die Wunde legend gab er zu Bedenken, dass in zehn Jahren aus den beschädigten Straßen Schotterstraßen geworden sind, würde man sofort nichts unternehmen. Ein 48-Kilometer-langes Straßennetz gelte es in Bodenmais zu unterhalten. Erstmals fiel jetzt in der regen Diskussion die Summe von einer halben Million Euro, die jährlich für den allgemeinén Straßenunterhalt im Haushalt eingestellt werden müsse. Nochmals betonte der Betriebsleiter, dass sowieso schon empfindlich gespart werde, jedoch müssten jedes Jahr aufgrund des Streusalzeinsatzes Markeriungsarbeiten erfolgen und erforderliche Aufwendungen sind einfach teuer, wie beispielsweise ein zerstörter Verkehrsspiegel, der 950 Euro kostet. Bürgermeister Joachim Haller führte ins Feld, dass eine Reparatur mit Beteiligung der Anlieger auf unbürokratische Weise nicht funktionierte, was er als "enttäuschend" empfand. Markträtin Eva Rossberger (FW) rechnet durch die Aufstellung einer Prioritätenliste mit weniger Widerstände und mehr Wohlwollen der Anlieger. Wie sieht es haushalterisch aus? "Größere Summen freischaufeln" möchte der Rathauschef versuchen, einen "Notnagel" im kommenden Haushalts-Gerüst einplanen, will Marktrat Otto Freimuth (FW). Wo nun die 500000 Euro herkommen sollen, darüber will sich der Marktgemeinderat Gedanken machen und alle 16 Rätinnen und Räte mit dem Bürgermeister wissen - die Zeit drängt!

Autor: pm
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