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12.09.2012 Riedlhütte
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Tierliebe...


...wird auch mal auf eine harte Probe gestellt

Wenn es um Tiere geht, da verstehen viele keinen Spaß. Zurecht, wie ich finde, denn diese Hausgenossen sind auf den Schutz und das Wohlwollen des Menschen angewiesen, um ein glückliches und vor allem tiergerechtes Leben führen zu können. Trotzdem wage ich es, einen kleinen Einwand vorzubringen: Muss man wirklich jedes Tier mögen?


Meine Antwort ist klar: Nein, muss man nicht. Nehmen wir mal das Beispiel jener Hauskatze, die bei mir daheim die Gemüter spaltet. Es handelt sich dabei um ein Tier, das meine ungeteilte Missachtung genießt. Und das schon, seit es klein und unscheinbar in unser Leben getreten ist – und selbst nach der Geburt von meiner Seite aus niemals mit dem Adjektiv „süß“ bedacht worden wäre.


Es ist so, dass die Katze des Nachbarn in unserem ehemaligen Heustadel eine Vielzahl von Nachkommen zu Welt brachte. Diese versteckte das Muttertier wochenlang, ehe die Kätzchen irgendwann einmal – völlig verschreckt übrigens – ans Licht der Öffentlichkeit traten. Besagte Katze – von jenen in meiner Familie, die sie mögen, liebevoll Peterl genannt – war auch dabei und baute vom ersten Tag an eine Unbeziehung zu mir auf.


Was nicht an mir lag, denn prinzipiell mag ich Katzen. Peterl jedoch fürchtete mich. Sobald er mich erblickte, oder auch nur erahnte, mich bald erblicken zu können, schoss er wie ein Derwisch davon und verkroch sich irgendwo im Unterholz oder was weiß ich wo. Das ärgerte mich, weil ich niemals einem Tier etwas zuleide tun würde. Es dauerte etwa zwei Jahre, in denen ich ihn nicht beachtete, bis er zumindest nicht mehr vor mir flüchtete.


Heute behandelt er mich wie einen Fremden in meinem eigenen Haus. Er weiß, dass es Dinge gibt, die ich nicht mag – und genau die tut er. Zum Beispiel nächtigt er gerne auf alten Decken, die ich in der Garage lagere und manchmal brauche, um den Kofferraum des Autos vor schmutziger Last zu schützen. Sobald ich in die Garage komme, blickt er in stoischer Ruhe an mir vorbei in Richtung Ausgang, steht langsam auf, streckt sich, leckt sich, um dann – ohne erkennbar von mir Notiz zu nehmen – an mir vorbei aus der Garage zu trotten.

Ähnlich verhält es sich, wenn ich ihm Futter gebe (was sehr selten vorkommt). Teilnahmslos sieht er zu, wie ich sein Schälchen fülle, macht sich aber nie die Mühe, gleich nach dem ersten Happen zu schnappen. Nur aus Erzählungen weiß ich, dass er zwar alles frisst, was ich ihm gebe – aber erst, wenn ich außer Sichtweite bin. Er mag mich nicht – also muss ich ihn auch nicht lieben.
 

Autor: Lothar Wandtner