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30.10.2012 Regen
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Spare in der Zeit...

Geldbeutel
Foto: dc
Gedanken zum Weltspartag

...dann hast du in der Not. Dienstag, also gestern gewissermaßen, war Weltspartag. Und? Haben Sie Gespartes auf der Seite? Bringen Sie überhaupt etwas auf die hohe Kante? Ehrlich gesagt: Ich nicht. Es gibt ein gewisses Sparproblem, das mich schon Zeit meines Lebens verfolgt. Ich neige dazu, eher knauserig zu sein – trotzdem rinnt mir das Geld aus den Händen wie der Uncle Ben’s Reis durch die Gabelzinken.


Klebrig und klumpig wird das Geld bei mir nie. Das liegt auch daran, dass meine Sparkonzepte üblicherweise ins Leere laufen. Als ich ein relativ junger Mann war, war gerade in der ganzen Welt die Rede von Aktien. Fabelhafte Gewinne konnte man machen – ich träumte gar schon von einer Karriere als wohlhabender Aktionär.


Die Sache hatte schnell ein Loch. Aktien, die ich kaufte (und Gott sei Dank fehlten und fehlen mir die Mittel um größere Aktienpakete zu kaufen), verloren schnell an Wert. Wobei schnell eher noch untertrieben ist. Schneller als meine Kinder seinerzeit die Rutsche im Regener Kurpark hinunter donnerten, knallten meine Aktienwerte auf den Boden und gruben sich tiefe Löcher ins Erdreich. Dann habe ich meine Strategie umgestellt: Statt kurzfristiger Vermögensgewinne setzte ich nun auf die langfristige Hoffnung, dass sich jede Aktie irgendwann in meinem Leben einmal erholt und dann satte Gewinne abwirft. Das alles ist etwa zwölf Jahre her und ich warte heute noch.


Dann habe ich mir einmal Dollar gekauft, weil ich dachte, der wird immer wertvoller, weil der Euro sowieso ein schwaches Gebilde bleiben wird – ja, das war vor etwa acht, neun Jahren. Damals war ich schon so weitsichtig. Ändert aber nix dran, dass noch heute der Euro im Vergleich zum Dollar das kräftigere Geld ist – Verluste, mit denen ich halt leben muss.


Sparbuch habe ich übrigens keines mehr, weil man das schon lange nicht mehr hat. Ich verliere mein Geld lieber auf subtilere Weise. Einmal sollte ich eine Wohnung in der ehemaligen Täterä kaufen. Voraussetzung: Kein Eigenkapital. Alles finanziert. Das würde mich reich machen. Ich ließ die Finger davon.


Nach zahlreichen Versuchen mein nicht vorhandenes Vermögen zu mehren, bin ich auf eine neue Strategie gestoßen: Ich gebe das Geld, das ich habe, einfach aus, statt es sinnlos ins Anlage-Klo zu werfen. Kaufe mir dies und leiste mir jenes. Erfeue mich an neuen Dingen, die täglich in mein Leben schweben. Der Erfolg ist genial: Reich werde ich nicht dabei, aber mein Vermögen an Lebenslust und -freude steigt stetig an.

Autor: Lothar Wandtner