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24.10.2012 Regen
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Meine Woche!


Im Woid dahoam

Erstens kommt’s anders und zweitens als man denkt. Erstmal aber ein herzliches Servus und Grüß Gott beinand! Ich bin, oder besser gesagt, ich war dann mal die Urlaubsvertretung für diese Wochenblatt-Woche.


Als ich kürzlich erfahren hab’, dass ich eine Woche bei Ihnen im Bayerwald verbringen darf, da hab’ ich – offen zugegeben – mir meine Zeit hier eher unaufgeregt ausgemalt. Jetzt, nach nur wenigen Tagen im Waidler-Exil muss ich aber voll Demut zu Kreuze kriechen, weil mich mein typisch städtisches Klischee-Denken über die gelebte Bayerwald-Idylle hier definitiv komplett in die Irre geführt hat. In der granitharten Realität siehts nämlich im Woid anscheinend ganz anders aus. Beweise?


Kaum an meiner neuen Wirkungsstätte angekommen, sticht ein psychisch Gestörter mitten in Regen auf einen Passanten ein. In Freyung liefert sich ein 16-Jähriger in bester „RTL-Cobra11“-Manier eine wilde Verfolgungsjagd mit der Polizei und in Grafenau wird ein 18-Jähriger tot aufgefunden. Wenigstens g’scheit katholisch sinds noch hier im Wald – hab’ ich mir gedacht, als ein Bum-Bum-Bub am Wochenende in Großarmschlag den Briefkasten einer Sekte von der Wand gesprengt hat. Was so mancher bombender Muselmann kann, des kann ein g’standener Bayerwald-Bub auf seinem ganz persönlichen Kreuzzug schließlich schon lange. Oder war’s am End’ doch nur ein saudummer Lausbubenstreich?


Den Tschechen, der sich am Sonntag im Falkenstein-Gebiet so arg verirrt hat, dass er einen Notruf absetzen musste, den hab’ ich aber sehr gut verstehen können. Bis zum S.O.S. ist’s bei mir zwar nie gekommen, aber bei dem ausgeprägten Labyrinth an Nebenstraßl hier, hat mein Navi schon außerordentlich oft als letzter Retter in der Not herhalten müssen. Und doch scheint es das von mir eingangs erwartete Wellness-Wohlfühlklima doch zu geben hier im Wald, nicht umsonst wird Bodenmais schließlich den Titel „Beliebtester Ferienort der Republik“ eingeheimst haben.

 

Aber kaum sag ich’s und schau ein bisserl genauer hin, dann zeigt sich schon, dass auch über der wohligen Waidler-Wellness-Oase sauber staubt im Polit-Gebälk. Der junge bürgernahe Facebook-Landrat 2.0 und sein zuagroaster Tourismus-Profi aus dem Pott haben’s scho’ ned leicht. Das dynamische Tandem schießt wohl so manchem Landkreis-CSU’ler mit der ruhigen Hand ein bisserl arg zu schnell. Bleibt zu hoffen, dass man die Zukunft der Region nicht durch parteipolitisches Geplänkel verbaut. Schod war’s! Habe d’Ehre! 

 

Autor: Martin Bauer