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15.10.2012 Dresden
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Männergedanken


Emanzipation mal anders gedacht

Die landläufige Meinung über den Mann ist bekannt. Der Mann, jenes Feinripp-verzierte Wesen, ist quasi das Geschlecht, das außer Autos, Fußball und Frauen nichts interessiert, wobei zumindest die Reihenfolge noch einigermaßen variabel sein soll. Das alles ignoriert jedoch völlig, dass der Mann an sich ein Wesen ist, das von der Gesellschaft komplett ingnoriert wird – zumindest, wenn es um seine Eigenheiten geht.


Da hat es mir beinahe die Freudentränen in die Augen getrieben, als ich bei der jüngsten Wochenblatt-Leserreise in einem Dresdener Einkaufszentrum ein völlig neues Konzept gesehen habe: Die „Männerabgabe“. Dabei handelt es sich um eine kleine Ladenfläche, die für die Herren der Schöpfung frei gemacht wurde. Da gibt es gekühlte Getränke und kleine Snacks aus dem Automaten, es stehen ein paar Kicker-Kästen herum und sogar wunderschöne, bunte Liegekissen, auf denen er sein Haupt zur Ruhe betten kann, während Frau in wildem Eifer durch die Modewelt flattert.


Ja – so stelle ich mir eine ideale Welt vor, in der jeder zu seinem Recht kommt. Denn stellen wir uns einmal vor, ein Pärchen würde einen Wochenend-Tripp in eine Stadt unternehmen, und der ganze Samstag ginge dafür drauf, von Autohaus zu Autohaus zu tingeln und sich die neuesten Modelle anzuschauen. Versuchen Sie doch mal, sich die Stimmungslage in besagtem Paar vorzustellen...


Genau. Deshalb plädiere ich dafür, die Emanzipation in eine komplett neue, längst überfällige Richtung weiter zu denken. Warum wird nicht gesetzlich geregelt, dass für jedes neue Einkaufszentrum eine Ausgleichsfläche für Männer geschaffen wird? Ich denke da an urige Kneipen, die eine internetbasierte Direktverbindung in alle Modeläden haben, so dass Frau das gerade Anprobierte via Bildschirm vorzeigen kann. Der Mann hätte einen grünen und einen roten Knopf zur Auswahl, um seine Meinung zu äußern. Das Signal, das die Frau bei Rot erhält, könnte so aussehen: „Schatz, du siehst phantastisch darin aus. Ich habe aber das Gefühl, du könntest noch etwas suchen, das deine außerordentliche Schönheit noch mehr in den Mittelpunkt rückt.“ Schraubstuben wären auch möglich, in denen sich Mann handwerklich austoben kann, ohne etwas anrichten zu können. Außerdem könnte man ja auf hunderten von Quadratmetern lauter kleine Wohnzimmerchen einrichten. Mit Sofa, Fernseher, Fernbedienung und Nüsschen. Wo sich Mann hinfläzen kann, sich an allen Körperstellen kratzen darf und ungeniert einfach nur er selbst ist.

 

So einfach wäre das.

Autor: Lothar Wandtner