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17.07.2012 Patersdorf
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Liegen geblieben


Leidensstunde auf der Straße

Die Straße ist mein zuhause – gut 30.000 Kilometer spule ich pro Jahr ab. Irgendwo zwischen Passau, Riedlhütte, Regen und Viechtach bin ich immer unterwegs, davon kann man ausgehen. Nun, das ist alles keine Besonderheit, ich weiß. Aber auch nach 29 Jahren als Autofahrer lerne ich immer noch neue Situationen kennen. So neulich ein paar Meter außerhalb von Patersdorf an der B85.


Es war eine muntere Fahrt, von Viechtach zurück nach Regen. Ich gebe zu, nicht jede Geschwindigkeitsbegrenzung habe ich richtig ernst genommen – nur die wichtigsten. Bis ich schließlich an Patersdorf vorbei war und es nach der Senke wieder bergauf gehen sollte. Auf einmal ertönte ein sanfter Gongschlag in meinem Auto, dann blinkten viele Lichter gelb und rot und der Motor nahm sich eine Auszeit. Eine lange Auszeit. Eine unwiderrufliche Auszeit.


Das ist nicht schön. Gerade noch habe ich es geschafft, mich an der Seite in eine kleine Nebenstraße zu verzupfen, um nicht mitten auf der Bundesstraße zu stehen. Ein weiser Entschluss, wie sich schnell herausstellte.


Soviel vorne weg: Ich kann es niemandem empfehlen, mit seinem Auto liegen zu bleiben. Als Hindernis in dem Sinne wird man nämlich grundsätzlich nicht wahrgenommen. Ich konnte nicht feststellen, dass irgendjemand seine Geschwindigkeit großartig gedrosselt hätte, nur weil da jemand mit Warnblinker an der Seite stand. Deshalb habe ich es vorgezogen, das Auto bald zu verlassen und mich auf einen Sicherheitsabstand von 50 bis 100 Metern zurück zu ziehen.


Bis das erste Auto aus der Seitenstraße kam – ich stand natürlich ein wenig unglücklich in der Einfahrt zur B85 und der Fahrer hätte einen kleinen Bogen um mein kaputtes Auto machen müssen. Also blieb er stehen und begann, hinter seinem Lenkrad wild zu fuchteln. Ich ging hin, worauf er mich informierte: „Wie blöd muss man eigentlich sein, wenn man mitten in einer Einfahrt stehen bleibt?“ Ich sagte nichts, ich deutete nur unter meinen Wagen, wo sich längst eine ansehnliche Diesel-Lache entwickelt hatte. Immerhin, ein „Entschuldigung“ nötigte ihm das ab.


Erst als der Abschleppwagen kam, fand meine Angst ein Ende – wieder einmal überlebt. Verbunden mit dem Vorsatz, langsam an solchen Situationen vorbei zu fahren.


Zur Ehrenrettung meiner Mitmenschen muss ich noch erwähnen: 74 Minuten stand ich da und immerhin ein Autofahrer ist stehen geblieben und hat gefragt, ob er helfen kann. Danke!
 

Autor: Lothar Wandtner