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31.07.2012 Riedlhütte
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Essen macht Spaß...?


Von den Problemen eines Fleischessers in einer veganen Familie

Als Mann hat man es auf dieser Welt nicht leicht, weil man als Mann die Dinge geschehen lässt. Ein Mann denkt nicht darüber nach, ob das, was er tut, gut ist. Er weiß es einfach. Ein Mann ist relativ einfach gestrickt, weiß was er mag. Er weiß auch was er nicht mag. Es gab da mal diesen Werbespruch, der eigentlich alles sagt: Wenn ein Anzug passt, gibt es für den Mann keinen Grund, nach einem anderen zu suchen.


Männer leben aber nicht alleine auf diesem Planeten. Oft genug haben sie jemanden an ihrer Seite, der kein Mann ist. Das ist im Prinzip gut. Aber diese rätselhaften Wesen, die nur schwer zu verstehen und deren Verhalten nur sehr schwer bis überhaupt nicht vorhersehbar ist, stellen den Mann oft vor Schwierigkeiten. Zum Beispiel mich. Es ist – so ist es zumindest bisher angekündigt – nur eine vorübergehende Phase: Die Ehefrau meines Vertrauens hat 75 Prozent meiner Familie dazu gebracht, sich für gewisse Zeit ohne tierisches Eiweiß zu ernähren. Nicht aus ethischen Gründen, sondern aus gesundheitlichen, wie verlautet wurde.


Das kommt relativ unschuldig daher – bedeutet aber in der Konsequenz eine vegane Ernährung, die nicht nur ohne Schweinswürstl auskommen muss, sondern auch ohne Emmentaler, ohne Sahnetorte und ohne Rührei. Das führt für die restlichen 25 Prozent der Familie   – also für mich – dazu, ausgegrenzt zu sein. Ich bin kein Teil mehr des Systems. Ich bin nur noch ein Störenfried.


Selbstverständlich wird jetzt nichts mehr eingekauft, das meinen Vorstellungen von Ernährung entspricht. Es heißt dann lediglich: „Du kommst täglich an dutzenden von Supermärkten vorbei. Kauf dir doch, was du willst.“ Das scheint liberal zu sein – doch braten Sie sich mal ein Schnitzel, während die anderen an einer Gurke knabbern und halten Sie die Blicke aus. Werden Sie damit fertig, dass Sie in der eigenen Familie in einem Graubereich zwischen debilem Selbst- und ruchlosem Tiermörder angesiedelt werden.


Und: Kaufen Sie mal ein! „Ich hätte gerne 50 Gramm Salami.” Ehrlich: Da schäme ich mich.  Kaufen Sie Fleisch im Supermarkt – das sind Portionen, da können Sie Fußballmannschaften ernähren, aber keinen Einzelnen. Gut, es wird nicht so weit kommen, dass ich vom Tofu mit Bolognesegeschmack nasche, aber ich kann jederzeit Karotten und Kohlrabi mümmeln, um im Kreise meiner Lieben wieder akzeptiert zu sein. Ich schmiere Auberginenpaste auf’s Vollkornbrot und warte einfach mal ab. Es geht ja wieder vorbei – hoffentlich.

Autor: Lothar Wandtner