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02.10.2012 Regen
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Bayern sind doof...?


Gedanken eines Eingeborenen über das Bayer-Sein

Helle Aufregung in ganz Bayern – und Schuld trägt eine Kolumne, die die Spiegel-Redakteurin Silke Burmester vergangene Woche im Internet veröffentlicht hat. Darin drückt sie ihren Hass auf Bayern aus und fordert sogar, man solle eine Mauer um den Freistaat errichten – oder wenigstens einen Holzzaun – denn Bayern sei politisch und ästhetisch eine Zumutung für die Welt. Die Aufregung ist so groß, dass Burmester nun von Landrat Ludwig Lankl in den Landkreis Freyung-Grafenau eingeladen wurde, um sich ein Bild vom wahren Bayern machen zu können.


Nun gut, die Dame ledert ordentlich los, wenn es um ihre Sicht auf Bayern geht – doch was soll die Aufregung? Es ist doch alles nur Satire. Oder?


Ehrlich gesagt, ich habe meine Zweifel. Die Realität ist nämlich bitter, wie ich feststellen musste, als ich vergangene Woche im Fernsehen eine Sondersendung von der Wiesn in München sehen musste. Ich habe mich geschämt. Geschämt, ein Bayer zu sein. Gebürtiger noch dazu. Was auf dieser Wiesn an Klischees abgearbeitet wird, wie blöd sich dort die Menschen darstellen und mit welcher Inbrunst das Bild von jodelnden, saufenden und kleingeistigen Menschen in die Welt getragen wird: Seid mir nicht böse, das tut mir weh, das verleidet mir den Spaß am Bayer-Sein.


Leute, sind wir doch mal ehrlich. Wir sind nicht Schweinshaxn und Sauerkraut. Wir sind auch nicht Hendl oder Maßkrug und schon gar nicht laufen wir permanent im Dirndl herum, stecken uns Geweihe ins Haupthaar oder  tragen gar die Sepplhose permanent zur Schau. Letztere können wir gar nicht tragen, weil die bei uns nicht einmal so heißt. Nennen wir sie Krachlederne, von mir aus Lederwichs oder wenn es sein muss Lederhose: Sie ist jedenfalls nicht das nationale Beinkleid des bayerischen Herrn. Die Tracht ist nicht mehr und auch nicht weniger als ein regionales, festliches Gewand, das hübsch anzusehen ist und ein wenig Tradition vermitteln will.


Wir ärgern uns wie die Blöden, wenn wir in ganz Deutschland als die Deppen der Nation dargestellt werden. Wir sind stolz darauf, dass man Bayern mit Holdriö und Humtata in Verbindung bringt. Wir klopfen uns auf die Schulter, weil wir Bayern sind und deshalb automatisch cooler als der Rest der Welt – und belegen das mit Klischees, die unerträglich sind.


Wir sind cool. Weil wir leben wollen und leben lassen. Weil wir ein Hightech-Land sind, in dem Fortschritt gemacht wird. Weil wir fleißig sind, ehrlich und leidenschaftlich. Weil wir gemütlich sind – aber alles andere als blöd.

Autor: Lothar Wandtner